Landesverband Berlin im
Deutschen Freidenker-Verband e.V.

„eine imperialistische Mißgeburt“

Sonntag, 19. März 2017 von Klaus Peter Kurch

Aus gegebenem Anlass, nicht ohne Bezug zum öffentlichen Gespräch der Freidenker am kommenden Mittwoch, erlaube ich mir, die folgenden Worte Rosa Luxemburgs von 1911 zu zitieren:

Und jedes Mal, wo bürgerliche Politiker die Idee des Europäertums, des Zusammenschlusses europäischer Staaten auf den Schild erhoben, da war es mit einer offenen oder stillschweigenden Spitze gegen die „gelbe Gefahr“, gegen den „schwarzen Weltteil“, gegen die „minderwertigen Rassen“, kurz, es war stets eine imperialistische Mißgeburt. (…)  Und die Losung des europäischen Zusammenschlusses kann objektiv innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft nur wirtschaftlich einen Zollkrieg mit Amerika und politisch einen kolonialpatriotischen Rassenkampf bedeuten. Der Chinafeldzug der vereinigten europäischen Regimenter mit dem Weltfeldmarschall Waldersee an der Spitze und dem Hunnenevangelium als Panier – das ist der wirkliche und phantastische, der einzig mögliche Ausdruck der „europäischen Staatenföderation“ in der heutigen Gesellschaft. (…) Ebenso wie wir stets den Pangermanismus, den Panslawismus, den Panamerikanismus als reaktionäre Ideen bekämpfen, ebenso haben wir mit der Idee des Paneuropäertums nicht das geringste zu schaffen.“

Dies ist ein Auszug aus dieser etwas umfangreicheren Arbeit.

Den alten Luxemburg-Text und einen zweiten, nicht ganz so alten Text, der mit tagesaktuellen Links und Querverweisen versehen wurde, habe ich bei Radio Utopie gefunden und empfehle, den Beitrag dort aufmerksam zu lesen. 

Glyphosat – wie ein Gesundheitsrisiko von Amts wegen geleugnet wird

Mittwoch, 15. März 2017 von Webredaktion

Am 15.3.2017 wird in Brüssel ein Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur ECHA vorgelegt, das für die Entscheidung über Verbot oder Weiteranwendung von Glyphosat von großer Bedeutung sein soll.

Im folgenden Gastbeitrag legt Ulf Rassmann die mit Glyphosat (und Monsanto) verbundenen Risiken dar

Glyphosat (Handelsname für N-Phosphonomethylglycin) ist ein Breitbandherbizid, entwickelt und patentiert durch die Firma Monsanto und seit 1974 auf dem Markt. Inzwischen sind die Patente abgelaufen und die Chemikalie wird von zahlreichen Unternehmen produziert und als Unkrautvernichtungsmittel verkauft. Mit der zunehmenden Anwendung gentechnisch veränderter Pflanzen mit Glyphosat-Resistenz in der Landwirtschaft hat sich die ausgebrachte Menge enorm vergrößert.

Die biologische Wirkung von Glyphosat besteht in der Blockade des Enzyms 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase (EPSPS). Dieses Enzym brauchen Pflanzen und eine Vielzahl an Mikroorganismen, um die Aminosäuren Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan zu synthetisieren. Da in Wirbeltieren dieses Enzym nicht vorkommt, meinen die Hersteller, es sei eine für diese Lebewesen unkritische Substanz.

Den resistenten Pflanzen wird anstelle von EPSPS als Ersatzenzym beispielsweise eine Phosphinothricin-Acetyltransferase aus dem Bakterium Streptomyces viridochromogenes eingebaut.

Als am 6. November 1996 das Frachtschiff „Ideal Progress“ mit der ersten Ladung gentechnisch veränderter Soja im Hamburger Hafen eintrifft, projizieren Greenpeace-Aktivisten „Kein Gen-Soja in unsere Lebensmittel“ an die Bordwand. In einer begleitenden Presseerklärung [1] wird auf Studien verwiesen, die zeigen, daß Glyphosat beim Backen nicht abgebaut wird und, daß Glyphosat den Hormonhaushalt beeinflußt. Die von Monsanto vorgelegten Studien werden als wertlos eingeschätzt und die EU wird aufgefordert, vor einer Zulassung, eigene Studien durchzuführen, die auch die Möglichkeit einer allergenen Wirkung mit einschließen sollen.

In der Zwischenzeit sind einige tausende akute Vergiftungsfälle (Lungenödem, Herz-Kreislauf-Probleme, Nierenversagen) dokumentiert [2]. Obwohl nach §16 Chemikaliengesetz auch in Deutschland diese Fälle erfaßt werden, gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) diese Zahlen nach 2007 nicht mehr heraus. Darüber hinaus ist eine Vielzahl chronischer Leiden im Zusammenhang mit Glyphosat dokumentiert. Beispielsweise konnte der Arzt Jayasumana die Ursache einer epidemischen Nierenerkrankung auf Sri Lanka mit 400.000 Betroffenen und 20.000 Todesfällen aufklären. Er zeigt die Wirkung von Glyphosat im Grundwasser auf. Glyphosat und sein Abbauprodukt Aminomethylphosphorsäure (AMPA) lösen Schwermetalle aus dem Boden. Diese Schwermetallkomplexe können von der Leber nicht entgiftet werden, da durch die Verwandtschaft mit der Aminosäure Glycin die üblichen Reaktionswege nicht ablaufen können. Erst in der Niere werden die Schwermetallkomplexe zersetzt und die Metallionen entfalten im Nierengewebe ihre toxische Wirkung [3].

Ergebnisse aus EU-initiierten Studien gibt es bis heute nicht. Viel zu spät sind inzwischen europäische Studienprojekte auf den Weg gebracht worden. Aber allein bis 2014 verzeichnet die US-amerikanische Datenbank PubMed 243 toxikologische Studien von denen 146 toxische Effekte durch Glyphosat aufzeigen [2].

Eine Aufmerksamkeit in den Medien erreichte der französische Forscher Séralini. Seine 2012 publizierten Fütterungsstudien an Ratten ergaben neben toxikologischen Effekten auch Nachweise für die Induktion von Krebs [4]. Kurz nachdem ein ehemaliger Monsanto-Mitarbeiter als Ressortchef für Biotechnologie bei der publizierenden Zeitschrift Food an Chemical Toxicology wurde, kam der Rückruf. Begründet wurde dieser mit einer Verfehlung der OECD-Richtlinien für Carzinogenitätsstudien. Séralini hatte die Studie ursprünglich auch nur zur Untersuchung der Toxizität geplant [5]. Gleichzeitig mußten Studien des Monsanto-Mitarbeiters Hammond [6], bei denen die Tiere nur über einen kürzeren Zeitraum beobachtet wurden aber er zu dem Resultat kam, daß es keine negativen Einflüsse gibt, nicht zurückgezogen werden. Séralinis Studie wurde dann 2014 von Environmental Sciences Europe erneut publiziert.

Während man einzelnen renommierten Wissenschaftsjournalen wohl eine interessengeleitete Publikationspraxis vorwerfen darf, werden Tierzüchter und Bauern mit Realitäten konfrontiert. Rinder magern ab, die Fruchtbarkeit sinkt und es kommt vermehrt zu Aborten. Bei Schweinen steigt die Zahl von Mißbildungen, z.B. offenes Neuralrohr und verstümmelte Gliedmaßen. Die selben Symptome treten auch bei der Landbevölkerung in Argentinien auf [7].

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Kein Persilschein für Glyphosat! Helfen Sie mit!

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Verantwortliche Behörden weisen den Betroffenen auch noch die Schuld zu; sie würden die Anwendungshinweise für Glyphosat mißachten und in ihren Ställen nicht ausreichend für Hygiene sorgen. Es ist eine zähe Arbeit für Nichtregierungsorganisationen, engagierte Wissenschaftler, Dokumentarfilmer u.a., die Zusammenhänge aufzuklären und an die Öffentlichkeit zu bringen.

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat in einer Studie mit 2011 freiwilligen Probanden, die die Untersuchung auch selbst bezahlt haben, nachgewiesen, daß ca. 70% der Bevölkerung in Deutschland erheblich mit Glyphosat belastet sind [8].

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Das große Schlachten: Upton Sinclairs „The Jungle“

Mittwoch, 08. März 2017 von Webredaktion

Als kürzlich Susann Witt-Stahl bei uns zu Gast war, um „ein marxistisches Plädoyer für die Befreiung der Tiere zu halten“, kamen wir in der Diskussion auch auf Upton Sinclairs berühmten sozialkritischen Roman „Der Dschungel“ zu sprechen.

Dieser Roman, der vor mehr als 110 Jahren erschien, schilderte die skandalösen Produktionsbedingungen im damals größten Schlachthof der Welt, den Union Stock Yards in Chicago. Auf der Facebook-Seite der Initiative „Marxismus und Tierbefreiung“ ist jetzt ein hochaktuelles aber auch geschichtlich informatives Essay über Sinclairs Werk erschienen:

„Die Rückbesinnung auf die in Sinclairs Roman geschilderte Utopie einer Gesellschaft, die ohne das große Schlachten auskommt, ist heute nötiger denn je.“

Eine dringende Leseanregung!

Berliner Ostermarsch 2017 – Abrüsten!

Donnerstag, 02. März 2017 von Webredaktion

 

Die Frankfurter Schule: Solidarität mit den quälbaren Körpern

Sonntag, 19. Februar 2017 von Webredaktion

In Weiterführung der Diskussion unserer Freidenker-Gesprächsrunde vom 9. Februar 2017 mit Susann Witt-Stahl und zur inhaltlichen Vertiefung veröffentlichen wir als Gastbeitrag den folgenden

Aufsatz von Susann Witt-Stahl:

 

Nicht das Leiden der Tiere, sondern das der Menschen und ihr „beschädigtes Leben“ in der inhumanen kapitalistischen Industriegesellschaft stand im Mittelpunkt der philosophischen Überlegungen der Frankfurter Schule.
Dennoch: Die Greultaten an den Tieren, begangen von einer „falschen Gesellschaft“, die für ihre funktionale Wissenschaft „Opfertiere massakriert…, die verkannt als bloßes Exemplar durch die Passion des Laboratoriums“ gehen, sind ein immer wiederkehrendes Motiv in den Werken der Philosophen der Frankfurter Schule.
Aus diesem Kreis von Philosophen, Soziologen und Politologen ging in den 20er Jahren die Kritische Theorie hervor. Ihre Protagonisten Theodor W. Adorno (1903-1969) und Max Horkheimer (1895-1973) begründeten keine Denkschule nach traditionellem Muster mit festgesetzter programmatischer Ausrichtung. Sie hinterließen keine ausformulierte Moralphilosophie, keine affirmative Ethik, kein zeitloses Konzept „richtigen Handelns“, sondern wagten den Versuch einer Gegenwartsdiagnose und -kritik auf der Basis einer Theorie über herrschende Machtinteressen und manipulierte Bewußtseinsinhalte in der verwalteten Welt. Sie betrieben die Decodierung der Zeichen einer mißlungenen Gesellschaft, die den Blickkontakt mit den Opfern ihres selbst produzierten Grauens scheut, sich ihren eigenen Schrecknissen nicht stellen will. „Anstatt Flüsse zu kanalisieren, lenkt sie den Menschenstrom in das Bett ihrer Schützengräben, anstatt Saaten aus den Aeroplanen zu streuen, streut sie Brandbomben über die Städte hin. Ihre Selbstentfremdung hat jenen Grad erreicht, der sie ihre eigene Vernichtung als ästhetischen Genuß ersten Ranges erleben läßt“, schrieb Walter Benjamin 1936. Die schrecklichsten Opfer bringen immer die Tiere. Adorno und Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung: „Sie bilden in Afrika, der letzten Erde, die ihre armen Herden vor der Zivilisation vergeblich schützen wollte, ein Verkehrshindernis für die Landung der Bomber im neuesten Krieg. Sie werden abgeschafft.“
Die „Bedingung aller Wahrheit“ war für Adorno „das Leiden beredt werden zu lassen“.

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