Liebe Freunde,
Domenico Losurdo und die Volksrepublik China verbindet eine ähnliche Geistesverwandtschaft wie jene zwischen Goethe und der chinesischen Zivilisation im 19. Jahrhundert.
Im Nachgang zu unserer Diskussion am vergangenen Dienstag im Kieztreff mit Stephan Ossenkopp sowie auch im Nachgang zu einer analogen Debatte, wir ebenda 2023 kontrovers führten, übersenden wir im Folgenden einen Beitrag des Autors und Journalisten Marc Püschel (jW 2020) über das chinesische Sozialkreditsystem:
Wichtiger weiterer Artikel zu diesem Thema:
https://www.rosalux.de/news/id/49625/das-sozialkreditsystem-in-china
Am Dienstag, 13. Oktober lesen wir um 18 Uhr im Kieztreff Wedding (Stralsunder Str. 6, U 8 Bernauer Str.) weitere Auszüge aus
Schon in seinem Werk „Der Marxismus Antonio Gramscis – von der Utopie zum kritischen Kommunismus“ aus dem Jahr 2000 fokussierte Losurdo auf die einzelnen Etappen des globalen Emanzipationsprozesses und warnte vor der „Flucht“, ja vor einer „Religion der Flucht“: Anspielung auf linken Utopismus, der sich Ende des 20. Jahrhunderts zur „imperialen Linken“ mauserte, wo es ein identitäres „Paradies der Gläubigen“ (beispielsweise die bellizistisch-spätmoderne Ideologie der Grünen seit Ende der 1990er Jahre, wo Arbeiterinteresse durch Lifestyle, Sprachsensibilitäten und kulturelle Anerkennung ersetzt sind) gebe, wobei konkrete Klassenkämpfe ausgeblendet seien. Losurdo ging es in seinem Gesamtwerk um eine zeitgemäße Revolutionstheorie sowie um die Theorie des Kritischen Kommunismus.
Die oberflächliche bis nihilistische Haltung Rosa Luxemburgs zur Nation stufte die nationale Identität zu einem bloß nebensächlichen Vorurteil herab, das quasi vor der überragenden, raumgreifenden Klassenidentität verschwinden sollte: Luxemburg plädierte für die Auflösung der polnischen Nation in eine proletarische, russische Nationalität. Auch im heutigen Deutschland erkennt man seit Jahrzehnten eine Vernachlässigung der nationalen Frage, überschrieben von der imperialen EU-Supranationalitätsdoktrin, welche eine einseitige Westbindung zementierte.
2. Auszug der Rede des Außenministers Kubas, Bruno Rodríguez Parrilla, am vergangenen Sonntag in Indien während des jährlichen BRICS-Gipfels:
„(…) Es ist unerlässlich, die ausbeuterische internationale Finanzarchitektur durch eine zu ersetzen, die ihre Institutionen
und Lenkungsmechanismen demokratisiert. Auf diesem Weg wird es notwendig sein, ein alternatives Finanzsystem zu etablieren, das den Weg für einen Prozess der Entdollarisierung der internationalen Wirtschaft ebnet. Die Verwendung nationaler Währungen ist ein äußerst wichtiger Vorschlag der BRICS-Staaten, um die Ungleichgewichte des derzeitigen Währungssystems zu mildern. Die Neue Entwicklungsbank der BRICS muss sich zunehmend als Alternative etablieren, damit unsere Länder zu günstigeren Bedingungen Zugang zu Finanzmitteln erhalten.
Die strukturellen Probleme unserer Volkswirtschaften sind das Ergebnisvon Kolonialismus, ungezügeltem und neoliberalem Kapitalismus sowie Imperialismus. Der Rückgang der Exporte, die Instabilität der Rohstoffpreise, der Rückgang ausländischer Direktinvestitionen, die bereits mehrfach getilgte Auslandsverschuldung sowie die Kapitalflucht behindern unsere Entwicklung erheblich. Das unaufhaltsame Voranschreiten des Klimawandels bedroht die Existenz aller. (…)“
Herzliche Grüße
Euer Landesvorstand Freidenker Berlin
[vers. 16.09.2026]
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