{"id":147,"date":"2009-06-10T18:45:19","date_gmt":"2009-06-10T16:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?page_id=147"},"modified":"2009-10-18T12:51:06","modified_gmt":"2009-10-18T10:51:06","slug":"hoffmann-adolph","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?page_id=147","title":{"rendered":"Hoffmann, Adolph"},"content":{"rendered":"<p><strong>Adolph Hoffmann<\/strong><br \/>\n(geb. 23.03. 1858 Berlin, gest. 01.12.1930 Berlin)<\/p>\n<p>Der Freireligi\u00f6se, Publizist, Verleger und sozialistische Politiker <strong>JOHANN FRANZ ADOLPH HOFFMANN <\/strong>wurde in Berlin als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter kam aus einer streng katholischen Fischerfamilie und arbeitete als Dienstm\u00e4dchen. Aber sie starb fr\u00fchzeitig und so wuchs A. H. bei der Gro\u00dfmutter, in Kinderheimen und bei Pflegeeltern auf. Bis zum Lehrbeginn 1872 besuchte er nur dreieinhalb Jahre die Gemeindeschule, denn schon fr\u00fch musste er zu seinem Lebensunterhalt beitragen. A. H. war Autodidakt und lernte zun\u00e4chst Graveur und Vergolder, dann arbeitete er als Hausierer, sp\u00e4ter als Verleger, Buchh\u00e4ndler und Publizist.<\/p>\n<p>Seit 1873 besuchte A. H. regelm\u00e4\u00dfig Veranstaltungen der <strong>Berliner Freireligi\u00f6sen Gemeinde<\/strong>, kam hier mit Gewerkschaftern und aktiven Sozialisten in Kontakt und wurde 1876 selbst Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Bald \u00fcbernahm er kleinere Auftr\u00e4ge und wurde einer der sozialdemokratischen Vertrauensm\u00e4nner und dann kommissarischer Leiter der <strong>Berliner Freireligi\u00f6sen. <\/strong><\/p>\n<p>1881 nahm er am Gr\u00fcndungskongress des <strong>Deutschen Freidenkerbundes<\/strong> teil.<\/p>\n<p>Ende 1883, noch w\u00e4hrend des Sozialistengesetzes (1878 bis 1890) wurde A. H. f\u00fcr mehrere Wocheninhaftiert. Danach musste er Berlin verlassen und \u00fcbersiedelte nach Halle\/Saale. Dort schaltete er sich schnell wieder in die politische Arbeit ein. Seine Buchhandlung wurde eine VertriebsstelIe des illegalen Parteiorgans &#8222;Sozialdemokrat&#8220;. Als Mitglied der Leitung der sozialdemokratischen Organisation f\u00fcr die Provinz Sachsen und Th\u00fcringen seit 1886 war er f\u00fcr die Regionen Merseburg-Querfurt, dann Naumburg-Zeitz-Wei\u00dfenfels verantwortlich.<\/p>\n<p>1887 kandidierte er erstmals f\u00fcr den Reichstag und nahm 1889 am Gr\u00fcndungskongress der  Internationalen teil. Hier lernte er <strong>FRIEDRICH ENGELS (1820-1895)<\/strong> und andere namhafte Vertreter der internationalen Arbeiterbewegung kennen.<\/p>\n<p>Als unerm\u00fcdlicher Agitator und seit 1890 als Redakteur des &#8222;Volksboten&#8220; in Zeitz publizierte er im eigens 1891 daf\u00fcr gegr\u00fcndeten Verlag die Schrift ,<strong>.Die zehn Gebote und die besitzende Klasse&#8220;<\/strong>. In Form einer Gegen\u00fcberstellung der zehn christlichen Gebote und der kapitalistischen Wirklichkeit entlarvte er die Doppelmoral der herrschenden Klassen. Er wurde mit dieser Schrift, die bis 1922 in 15 Auflagen zu je mindestens 10000 Exemplaren erschien und seit 1903 ein Vorwort von <strong>CLARA ZETKIN (1857-1933) <\/strong>enthielt, mit einem Schlage weithin bekannt als der Zehn-Gebote-Hoffmann.<\/p>\n<p>1893 kehrte A. H. nach Berlin zur\u00fcck und schloss seinem Verlag noch einen Versandbuchhandel an. Neben freidenkerischer und sozialistischer Literatur vertrieb er auch viele kleine Volksst\u00fccke, die er meist selbst verfasste und mit dem Pseudonym ,.J. F. A. VOLKMANN&#8220; zeichnete.<\/p>\n<p>Schon fr\u00fcher als kommissarischer Leiter der Freireligi\u00f6sen Berlins t\u00e4tig, wurde A. H. zun\u00e4chst Zweiter und war von 1913 bis 1926 Erster Vorsitzender der Berliner Gemeinde und organisierte die Kirchenaustrittsbewegung der SPD mit.<\/p>\n<p>Als Stadtverordneter (seit 1900), Mitglied des Reichstages (1904- 1906 und 1920-1924) und des Preu\u00dfischen Landtages (1908-1921 und 1928-1930) trat er in fast allen Debatten zur Schul- und Kirchenpolitik auf, forderte die Trennung von Staat und Kirche sowie die Ausbildung aller Jugendlichen entsprechend ihren F\u00e4higkeiten, basierend auf den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft.<\/p>\n<p>Als entschiedener Gegner der imperialistischen Milit\u00e4r-, Kolonial- und Kriegspolitik lehnte A. H. die Burgfriedenspolitik der sozialdemokratischen F\u00fchrung nach dem 4. August 1914 ab und solidarisierte sich mit dem konsequenten Antikriegskampf von <strong>KARL LIEBKNECHT (1871-1919)<\/strong>. Seit Juni 1916 als Leiter des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend t\u00e4tig, hatte er ma\u00dfgeblichen Anteil an der Gr\u00fcndung der Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) 1917, war Mitglied ihres Zentralkomitees und geh\u00f6rte zu deren linkem proletarischen Fl\u00fcgel.<\/p>\n<p>Den Aprilstreik 1917 und den Januarstreik 1918 organisierte er an f\u00fchrender Position mit, solidarisierte sich mit den russischen Februar- und Oktoberrevolutionen und rief die deutschen Arbeiter zur Nachahmung auf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Novemberrevolution 1918 in Deutschland unterst\u00fctzte A. H. die Losungen des Spartakusbundes &#8222;Alle Macht den R\u00e4ten! Gegen die Nationalversammlung!&#8220; und trat nur auf Dr\u00e4ngen des Berliner Arbeiter- und Soldatenrates in das preu\u00dfische Kultusministerium ein. Gegen den Widerstand konservativer und kirchlicher Kreise, aber auch eher rechter F\u00fchrer von SPD und USPD setzte er die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht und die Trennung von Schule und Kirche durch und sicherte so Ergebnisse der Novemberrevolution.<\/p>\n<p>Vor allen Dingen der Kapp-Putsch 1920 (so benannt nach dem konservativen Politiker und ostpreu\u00dfischen Generallandschaftsdirektor <strong>WOLFGANG KAPP [1858-1922])<\/strong> st\u00e4rkte in A. H. die \u00dcberzeugung, dass Militarismus und Reaktion dauerhaft nur ausgeschaltet, die Demokratie gefestigt werden kann, wenn mit der b\u00fcrgerlichen Koalitionspolitik gebrochen wird. Daf\u00fcr hielt er es f\u00fcr unbedingt notwendig, dass die Arbeiterorganisationen in Aktionseinheit zusammenwirkten, besser aber noch, wenn die Arbeiterparteien sich wieder vereinigten. Dabei sollten zun\u00e4chst KPD und USPD zusammengehen, da ihre Differenzen am geringsten w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Seit Oktober 1920 war ADOLPH HOFFMANN neben <strong>ERNST D\u00c4UMIG (1866-1922)<\/strong> Vorsitzender der <strong>USPD (Linke)<\/strong>. Der Vereinigungsparteitag von KPD und USPD (Linke) w\u00e4hlte ihn im Dezember gleichen Jahres in die Zentrale der VKPD und zum Vorsitzenden ihrer Reichstagsfraktion.<\/p>\n<p>Energisch stritt er f\u00fcr das weitere Zugehen auf die Massen und wandte sich gegen jegliches Sektierertum. Da es jedoch dar\u00fcber Differenzen in der F\u00fchrung gab, legte er im Februar 1921 gemeinsam mit D\u00c4UMIG, dem Parteivorsitzenden <strong>PAUL LEVI (1883-1930)<\/strong>, <strong>CLARA ZETKIN<\/strong> u.a. seine Funktionen nieder.<\/p>\n<p>An seiner Stelle trat neben anderen <strong>MAX SIEVERS (1887-1944)<\/strong> zeitweilig in die Zentrale ein. Im Ergebnis der M\u00e4rzk\u00e4mpfe spitzten sich die Diskussionen \u00fcber die weitere Strategie und Taktik zu. Entt\u00e4uscht verlie\u00df A. H. im Herbst 1921 die KPD wieder, schloss sich der von <strong>PAUL LEVI (1883-1930) <\/strong>gegr\u00fcndeten <strong>Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft<\/strong> an und kehrte mit dieser \u00fcber die <strong>USPD<\/strong> (Rechte) 1922 zur SPD zur\u00fcck. Hier geh\u00f6rte er zu deren linkem Fl\u00fcgel und bek\u00e4mpfte entschieden den erstarkenden Nazismus und Antisemitismus. Besondere Bedeutung hatte dabei sein B\u00fcchlein <strong>&#8222;Der Jude wird verbrannt!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>A. H. bef\u00fcrwortete die Realpolitik, lehnte indessen die Erm\u00e4chtigungsgesetze, die F\u00fcrstenabfindung und eine Politik der Gro\u00dfen Koalition ab. Als entschiedener Gegner von Imperialismus, Militarismus und Krieg bis zuletzt war er &#8211; so gesehen &#8211; auch ein Gegner der Weimarer Republik, denn sie w\u00e4re nach seiner Auffassung nach wie vor eine kapitalistische Gesellschaft, in der nach 1918 nur der Name ge\u00e4ndert wurde, nicht aber die innere Einrichtung.<\/p>\n<p>A. H. verstarb am 1. Dezember 1930 in Berlin. Seine Urne wurde auf dem Zentralfriedhof Berlin-Lichtenberg beigesetzt und ist seit 1951 Teil der Gedenkst\u00e4tte der Sozialisten.<\/p>\n<p><em><strong>Literatur:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>BANDUR, GERNOT: Adolph Hoffmann: Feuriger proletarischer Vulkan. &#8211; Berlin : Selbstverlag, I. Aufl. 2000, 2. Aufl. 2001,<\/p>\n<p>JESTRABEK. HEINER: Wer war Adolph Hoffmann? &#8211; In: Freidenker. &#8211; K\u00f6ln 60(2001)1. &#8211; S. 42-44.<\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal<\/w:View> <w:Zoom>0<\/w:Zoom> <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone> <w:Compatibility> <w:BreakWrappedTables \/> <w:SnapToGridInCell \/> <w:WrapTextWithPunct \/> <w:UseAsianBreakRules \/> <\/w:Compatibility> <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel> <\/w:WordDocument> <\/xml><![endif]--><!--  \/* Style Definitions *\/  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal \t{mso-style-parent:\"\"; \tmargin:0cm; \tmargin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:11.0pt; \tmso-bidi-font-size:12.0pt; \tfont-family:\"Times New Roman\"; \tmso-fareast-font-family:\"Times New Roman\";} @page Section1 \t{size:612.0pt 792.0pt; \tmargin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; \tmso-header-margin:36.0pt; \tmso-footer-margin:36.0pt; \tmso-paper-source:0;} div.Section1 \t{page:Section1;} --><\/p>\n<p><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   \/* Style Definitions *\/  table.MsoNormalTable \t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\"; \tmso-tstyle-rowband-size:0; \tmso-tstyle-colband-size:0; \tmso-style-noshow:yes; \tmso-style-parent:\"\"; \tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; \tmso-para-margin:0cm; \tmso-para-margin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:10.0pt; \tfont-family:\"Times New Roman\";} --><\/p>\n<p><!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 12.2pt;\"><span>GROSCHOPP, HORST, \u201eLos von der Kirche\u201c,<span> <\/span>Adolph Hoffmann und die Staat-Kirch-Trennung in Deutschland, <\/span>Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Berlin, Bd. 2. 157 Seiten, kartoniert, Euro 15.-, ISBN 978-3-86569-056-2<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 12.2pt;\">Die 6 Autoren w\u00fcrdigen Hoffmanns Wirken in der freidenkerischen Kulturbewegung. Beigegeben sind A.Hoffmanns Artikel \u201eMinister Haenischs Gang nach Canossa\u201c (1919) und \u201eUnter den Linden 4\u201c (1920). Sowie eine Auswahlbibliographie seiner Schriften. Mehr als 30 Fotos lockern die Darstellungen auf.<\/p>\n<p>GERNOT BANDUR<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolph Hoffmann (geb. 23.03. 1858 Berlin, gest. 01.12.1930 Berlin) Der Freireligi\u00f6se, Publizist, Verleger und sozialistische Politiker JOHANN FRANZ ADOLPH HOFFMANN wurde in Berlin als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter kam aus einer streng katholischen Fischerfamilie und arbeitete als Dienstm\u00e4dchen. Aber sie starb fr\u00fchzeitig und so wuchs A. 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