{"id":151,"date":"2009-06-10T18:47:02","date_gmt":"2009-06-10T16:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?page_id=151"},"modified":"2009-06-10T18:47:02","modified_gmt":"2009-06-10T16:47:02","slug":"sievers-max","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?page_id=151","title":{"rendered":"Sievers, Max"},"content":{"rendered":"<p><strong>MAX WILHELM GEORG SIEVERS<\/strong><\/p>\n<p>wurde am 11. Juli 1887 in Tempelhof, Kreis Teltow, am Rande Berlins geboren. Er wuchs in Rixdorf (dem sp\u00e4teren Berlin-Neuk\u00f6lln), einem typischen Proletarierbezirk, in einer kinderreichen Familie auf. Nach dem Abschluss der Gemeindeschule 1901 musste er seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Das tat er als Gelegenheitsarbeiter, Glaser und Kutscher, besuchte nebenher eine Abendschule, was ihm erm\u00f6glichte, nach Abschluss derselben (ab ca. 1907) als kaufm\u00e4nnischer Angestellter bei den Verlagen Scherl und Ullstein zu arbeiten. Hier kam er auch in unmittelbaren Kontakt mit progressiven Arbeitern, die ihn f\u00fcr die freien Gewerkschaften, die SPD und die freigeistige Bewegung gewannen.<\/p>\n<p>Im Januar 1915 musste MAX SIEVERS in den Ersten Weltkrieg ziehen und wurde bald schwer verwundet.<br \/>\nSchon lange Gegner von Militarismus, Krieg sowie der &#8222;Burgfriedenspolitik&#8220; der rechten sozialdemokratischen F\u00fchrer, sympathisierte er mit der von KARL LIEBKNECHT und ROSA LUXEMBURG gef\u00fchrten Spartakusgruppe. W\u00e4hrend der Novemberrevolution 1918\/19 nahm er als Mitglied des Neuk\u00f6llner Soldatenrates an vielen Demonstrationen und den bewaffneten K\u00e4mpfen teil. Er unterst\u00fctzte die Forderung: &#8222;Alle Macht den R\u00e4ten!&#8220;. Besonders eng war sein Verh\u00e4ltnis zu ERNST D\u00c4UMIG. dem Mitglied des Vollzugsrates der Berliner Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, einem theoretischen Kopf der Freireligi\u00f6sen und der USPD, deren Mitglied er wurde.<\/p>\n<p>Ab Januar 1919 war SIEVERS Stadtverordneter in Neuk\u00f6lln und vom Sommer 1919 bis zum Sp\u00e4therbst 1920 verantwortlicher Redakteur der Zeitung &#8222;Arbeiter-Rat&#8220;. 1920\/1921 war er Mitglied der KPD. zeitweilig Sekret\u00e4r der Zentrale und ab 1927 wieder Mitglied der SPD. Entschieden verteidigte er die durch die Novemberrevolution errungenen demokratischen Freiheiten einschlie\u00dflich der Trennung von Staat und Kirche.<br \/>\nIn den Klassenk\u00e4mpfen der 1920er Jahre suchte und fand  SIEVERS seinen Weg. Er festigte vor allem seine politischen und ideologischen Positionen auf der Grundlage des Marxismus.<\/p>\n<p>Am I. Oktober 1922 \u00fcbernahm er die Stelle eines Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers des 1905 in Berlin gegr\u00fcndeten Vereins der Freidenker f\u00fcr Feuerbestattung (VdFfF). Sehr schnell reorganisierte er ihn, schloss ihm eigne f\u00fcr die Bestattung notwendige Gewerke an, verwandelte ihn nach und nach vom reinen Bestattungsverein zu einer  Kultur- und Weltanschauungsorganisation. Besondere Bedeutung hatten dabei seine 1923 erschienene Schrift: <strong>.<em>,Warum Feuerbestattung&#8220;<\/em> <\/strong>(2. Aut1. 1925) und das seit 1925 erscheinende Zentralorgan <em><strong>&#8222;Der Freidenker&#8220;<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p>Enger gestaltete er auch die Zusammenarbeit mit der seit 1922 existierenden Reichsarbeitsgemeinschaft freigeistiger Verb\u00e4nde. 1924 trat der VdFfF ihr bei und von 1926 bis 1928 war Max Sievers Mitglied in dessen gesch\u00e4ftsf\u00fchrendem Ausschuss. 1927 gelang ihm die Vereinigung der Freidenker f\u00fcr Feuerbestattung mit der Gemeinschaft Proletarischer Freidenker. Nunmehr hie\u00df die Gesamtorganisation &#8222;Verband der Freidenker f\u00fcr Feuerbestattung, Sektion der Internationale &#8211; Proletarischer Freidenker&#8220; mit Sitz in Wien, gef\u00fchrt vom \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten Prof. Dr. THEODOR HARTWIG.<\/p>\n<p>Mit der Vereinigung 1927 wurde MAX SIEVERS zum Vorsitzenden des Verbandes gew\u00e4hlt, der sich 1930 in Deutscher Freidenker-Verband unbenannte. Er war gleichzeitig f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Feuerbestattung verantwortlich. Mit der Gr\u00fcndung der Internationalen Freidenker-Union wurde er Pr\u00e4sidiumsmitglied und einer der Sekret\u00e4re, 1933\/34 deren Generalsekret\u00e4r. Konsequent lehnte er die von der rechten SPD-F\u00fchrung betriebene Politik der &#8222;Gro\u00dfen Koalition&#8220; ab und wandte sich vor allem gegen deren Inkonsequenz in Religionsfragen.<br \/>\nNach dem 30. Januar 1933 versuchte MAX SIEVERS die Arbeit des DFV als Feuerbestattungsverein weiterzuf\u00fchren. Das misslang, denn der Verein wurde unter Zwangsverwaltung gestellt, also faktisch verboten.<\/p>\n<p>MAX SIEVERS kam nach dem Reichstagsbrand in &#8222;Schutzhaft&#8220;, die mit schweren Misshandlungen verbunden war. Als er im April wider Erwarten freigelassen wurde, nutzte er diese Gelegenheit zur sofortigen Emigration. Am 23. August 1933 wurde er zusammen mit vielen anderen bekannten Pers\u00f6nlichkeiten ausgeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p>\u00dcber das Saargebiet organisierte er bis zu dessen Anschluss ans &#8222;Reichsgebiet&#8220; 1935 weiterhin die Herausgabe des &#8222;Freidenker&#8220; und dessen illegalen Vertrieb nach Deutschland.<br \/>\nSeit 1937 gab MAX SIEVERS zun\u00e4chst in Antwerpen, dann in Paris die Wochenzeitung: &#8222;Das freie Deutschland&#8220; heraus. 1939 publizierte er in deutscher Sprache in Stockholm die Schrift &#8222;Unser Kampf gegen das Dritte Reich&#8220;. 1m Mai 1940 wurde MAX SIEVERS in Belgien verhaftet. konnte aber nach Frankreich fliehen und dort als Illegaler mit gef\u00e4lschten Papieren leben. Im Juni 1943 wurde er aber enttarnt und nach Berlin in das ber\u00fcchtigte Gestapogef\u00e4ngnis in der Prinz-Albrecht-Stra\u00dfe verbracht, sp\u00e4ter ins Untersuchungsgef\u00e4ngnis Berlin-Pl\u00f6tzensee. Am 17. November 1943 verurteilte der l. Senat des so genannten Volksgerichtshofs. unter dem Vorsitz von ROLAND FREISLER. MAX SIEVERS wegen &#8222;Vorbereitung zum Hochverrat mit Feindbeg\u00fcnstigung&#8220; zum Tode.<\/p>\n<p>Am 17. Januar 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg von den Hitlerfaschisten hingerichtet. Wie aus seiner Prozessakte hervorgeht. blieb er bis zum Schluss seiner sozialistischen \u00dcberzeugung treu.<\/p>\n<p>Erst im Februar 1946 konnte die Urne von MAX SIEVERS auf dem Friedhof in Berlin- Wedding, Gerichtsstra\u00dfe, beigesetzt werden, nachdem Verwandte und Bekannte ermittelt hatten, dass diese noch im Brandenburger Krematorium stand.<\/p>\n<p>Nachdem sich in der BRD und Westberlin der Deutsche Freidenker-Verband 1951 neu konstituiert hatte, wurde am Grabe von MAX SIEVERS in Gegenwart von Verwandten und vielen alten Kampfgef\u00e4hrten am 10. Februar 1952 ein w\u00fcrdiges Denkmal eingeweiht. Seit dem 40. Todestag erinnert am letzten Sitz des DFV vor 1933, in der Gneisenaustra\u00dfe 41 in Berlin-Kreuzberg, eine Gedenktafel an ihn. 2004 wurde das Grab zum Berliner Ehrengrab erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>MAX SIEVERS war nicht nur langj\u00e4hriger Vorsitzende einer der gr\u00f6\u00dfte Weltanschauungsgemeinschaften und Kulturorganisationen der Weimarer Republik mit zuletzt ca. einer halben Million Mitgliedern, sondern zugleich einer der konsequentesten Streiter gegen Rassismus, Faschismus und Krieg sowie kapitalistische Ausbeutung. Er war ein entschiedener Vork\u00e4mpfer f\u00fcr den Sozialismus, dessen Kompass in seinem ganzen bewussten Leben der Marxismus war.<\/p>\n<p>GERNOT BANDUR<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MAX WILHELM GEORG SIEVERS wurde am 11. Juli 1887 in Tempelhof, Kreis Teltow, am Rande Berlins geboren. Er wuchs in Rixdorf (dem sp\u00e4teren Berlin-Neuk\u00f6lln), einem typischen Proletarierbezirk, in einer kinderreichen Familie auf. 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