{"id":1672,"date":"2016-03-11T11:46:17","date_gmt":"2016-03-11T09:46:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=1672"},"modified":"2016-03-11T11:59:28","modified_gmt":"2016-03-11T09:59:28","slug":"menschenrechte-die-freidenker-hatten-erich-buchholz-zu-gast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=1672","title":{"rendered":"MENSCHENRECHTE! &#8211; die Freidenker hatten Erich Buchholz zu Gast"},"content":{"rendered":"<p>In unserer Reihe der \u00f6ffentlichen monatlichen Veranstaltungen &#8222;Freidenker im Gespr\u00e4ch&#8220; hatten wir <a href=\"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=1496\" target=\"_blank\">am\u00a010. Februar 2016 Prof. Dr. Erich Buchholz zu Gast<\/a>. Von dieser Veranstaltung gibt es diesen Audiomitschnitt:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/HoqPGEdp2vs\" width=\"425\" height=\"350\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Unser Mitglied Elke Zwinge-Makamizile, Moderatorin des Gespr\u00e4chs, hat den folgenden Bericht verfasst, den wir hiermit allen, die nicht dabei sein konnten, zug\u00e4nglich machen. Danke Elke!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201e<b>Juristische und praktische Probleme der Menschenrechte\u201c<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Der Referent Erich Buchholz (* 8. Februar 1927 in Berlin) ist ein deutscher Jurist und Autor.<\/em><\/p>\n<p><em>Er wurde 1991 nach der juristischen Annexion der DDR in die BRD im Zuge der radikalen Abwicklung aus der Humboldt-Universit\u00e4t entlassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit zahlreichen Publikationen (siehe unten) setzte er seine T\u00e4tigkeit als streitbarer Rechtswissenschaftler seit 1990 fort.<\/em><\/p>\n<p><em>Von 1948 bis 1952 studierte Buchholz Jura an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, wo er als wissenschaftlicher Assistent t\u00e4tig war. 1956 promovierte Buchholz \u00fcber Strafzumessung. Seit 1957 arbeitete der Jurist als Dozent, seit 1965 als Professor mit Lehrauftrag, sp\u00e4ter Ordinarius und Leiter des Instituts f\u00fcr Strafrecht.Seit 1965 war er Professor mit Lehrauftrag und Leiter des Instituts f\u00fcr Strafrecht, 1966 Dekan der jur. Fakult\u00e4t, 1976 Direktor der Sektion Rechtswissenschaft. Seit 1952 erfolgten zahlreiche Publikationen auch in Polen, der Sowjetunion, Italien, Frankreich, Schweden, den USA und in der BRD. Er ist Mitautor des Buches \u201eSozialistische Kriminologie\u201c, das ins Englische, Russische und Japanische \u00fcbersetzt wurde. Teilnahme an zahlreichen wiss. Konferenzen im In- und Ausland, auch an von den Vereinten Nationen veranstalteten Kongressen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><b>Zum Vortrag von Erich Buchholz:<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Erich Buchholz stellte einleitend den humanistischen und zivilisatorischen Wert der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte heraus.<\/em><\/p>\n<p><em>Er hob die Artikel 1-3 als herausragende menschheitsgeschichtliche Errungenschaft hervor :<\/em><\/p>\n<p><em>Artikel 1<\/em><\/p>\n<p><em>Alle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Br\u00fcderlichkeit begegnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Artikel 2<\/em><\/p>\n<p><em>Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erkl\u00e4rung verk\u00fcndeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger \u00dcberzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Verm\u00f6gen, Geburt oder sonstigem Stand.<\/em><\/p>\n<p><em>Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angeh\u00f6rt, gleichg\u00fcltig ob dieses unabh\u00e4ngig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souver\u00e4nit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Artikel 3<\/em><\/p>\n<p><em>Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Schon diese drei Artikel zeigen die Komplexit\u00e4t der Menschenrechte auf im Hinblick auf soziale und b\u00fcrgerliche Menschenrechte.<\/em><\/p>\n<p><em>Deren ausgereifteste Ausformulierung erfuhren die Menschenrechte der sogenannten 1. Generation in den beiden Pakten von 1966, dem Sozial- und dem Zivilpakt.<\/em><\/p>\n<p><em>Artikel 1 lautet interessanterweise bei beiden Pakten gleich:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAlle V\u00f6lker haben das Recht auf Selbstbestimmung.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Schlussfolgernd: Die V\u00f6lker h\u00e4tten sicher, h\u00e4tten sie die juristische und politische M\u00f6glichkeit, den sozialen und b\u00fcrgerlichen Menschenrechten als Einheit zugestimmt.<\/em><\/p>\n<p><em>In Realit\u00e4t war jedoch die Politik der kapitalistischen, westlichen L\u00e4nder schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf die sogenannten b\u00fcrgerlichen Freiheitsrechte fokussiert (eine wichtige Rolle spielte in diesem Zusammenhang amnesty international).<\/em><\/p>\n<p><em>Sie wurden Im Zuge des Kalten Krieges gegen\u00fcber den sozialistischen L\u00e4ndern aggressiv propagandistisch in Stellung gebracht<\/em><\/p>\n<p><em>Die Politik der sozialistischen L\u00e4nder (UDSSR , L\u00e4nder des Warschauer Vertrages und Cuba) waren in der Hauptsache auf die sozialen Menschenrechte ausgerichtet mit dem Anliegen der Verbesserung der Lebenslage durch Bildung, Kultur, Gesundheit, Wohnraum und Arbeit unter Beteiligung der Bev\u00f6lkerung.<\/em><\/p>\n<p><em>Heutzutage nehmen sich insbesondere linke Parteien und fortschrittliche Organisationen in der BRD wieder verst\u00e4rkt der sozialen Menschenrechte im Kampf um Erhalt, bzw. Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t an. (Darin stimmen sie voll \u00fcberein mit den verfassungsm\u00e4\u00dfigen Grundlagen und der konkreten Politik der ALBA-L\u00e4nder)<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist dabei selbstverst\u00e4ndlich, dass die Komplexit\u00e4t der Menschenrechte als universal und unteilbar anzusehen sind. Das bedeutet sie gelten f\u00fcr alle L\u00e4nder, die sie unterzeichnet haben, und es sollte in der konkreten Politik keine Trennung in soziale und b\u00fcrgerliche Menschenrechte vorgenommen werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie schwierig jedoch eine Umsetzung menschenrechtlicher Konventionen in geschriebene Gesetzestexte ist, zeigen die Diskussionen um soziale Rechte wie das Recht auf Arbeit, die Gleichberechtigung der Frau, zeigen auch die Parallel-Berichte durch NGOs zum Sozialpakt.<\/em><\/p>\n<p><em>Menschenrechte geh\u00f6ren juristisch zum V\u00f6lkerrecht. Mithin sind die ma\u00dfgeblichen Rechtssubjekte die Staaten und die entsprechende Rechtsform sind Vertr\u00e4ge mit und zwischen Staaten.<\/em><\/p>\n<p><em>Erich Buchholz stellte in seinem Vortrag die Schwierigkeit der juristischern Umsetzung von menschenrechtlichen und v\u00f6lkerrechtlichen Pr\u00e4missen in nationale Gesetze oder zwischenstaatliche Vertr\u00e4ge dar.<\/em><\/p>\n<p><em>Er zeigte auf, dass dieser Vorgang abh\u00e4ngig ist vom politischen Willen und den ihnen zu Grunde liegenden Machtverh\u00e4ltnissen.<\/em><\/p>\n<p><em>Erich Buchholz und Teilnehmer der Veranstalter konnten positive Beispiele bringen hinsichtlich der Umsetzung sozialer Rechte in die Gesetzgebung der DDR.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Vortrag wurde sehr interessiert aufgenommen. Erich Buchholz\u2018 historisch, dialektische Herangehensweise an das Thema gab uns viele Denkanst\u00f6\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Publikationen von Erich Buchholz (Auswahl):<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Unrechtsstaat DDR? &#8211; Rechtsstaat BRD?, Edition Ost, Berlin 2006,<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Siegerjustiz? Politische Strafverfolgung infolge der Deutschen Einheit, Kai Homilius Verlag, Berlin 2003.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; \u00dcberwachungsstaat. Die Bundesrepublik und der \u201eKrieg gegen den Terror\u201c, Kai Homilius Verlag, Berlin 2009.<\/em><\/p>\n<p><em>-Totalliquidierung in zwei Akten. Juristische Annexion der DDR, Kai Homilius Verlag, Berlin 2009.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Die sozialistische Verfassung der DDR von 1968. In: Unter Feuer. Die Konterrevolution in der DDR, Verlag Offensiv, Hannover 2009,<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; DDR-Recht unter dem Bundesadler, Kai Homilius Verlag, Berlin 2010.<\/em><\/p>\n<p><em>-Gerechtigkeit sieht nat\u00fcrlich anders aus, Das Neue Berlin, Berlin 2012, ISBN 978-3-360-02074-1.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer Reihe der \u00f6ffentlichen monatlichen Veranstaltungen &#8222;Freidenker im Gespr\u00e4ch&#8220; hatten wir am\u00a010. Februar 2016 Prof. Dr. Erich Buchholz zu Gast. Von dieser Veranstaltung gibt es diesen Audiomitschnitt: Unser Mitglied Elke Zwinge-Makamizile, Moderatorin des Gespr\u00e4chs, hat den folgenden Bericht verfasst, den wir hiermit allen, die nicht dabei sein konnten, zug\u00e4nglich machen. 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