{"id":2012,"date":"2016-05-08T17:19:32","date_gmt":"2016-05-08T15:19:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=2012"},"modified":"2016-05-08T15:16:25","modified_gmt":"2016-05-08T13:16:25","slug":"warumichverweigere-erklaerung-von-tair-kaminer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=2012","title":{"rendered":"&#8222;Warum\tich\tverweigere&#8220; \u2013 Erkl\u00e4rung von Ta\u00efr Kaminer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.berlin.freidenker.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/TairKaminer-web.jpg?ssl=1\" rel=\"attachment wp-att-2014\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2014\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.berlin.freidenker.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/TairKaminer-web.jpg?resize=499%2C387&#038;ssl=1\" alt=\"TairKaminer web\" width=\"499\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.berlin.freidenker.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/TairKaminer-web.jpg?w=499&amp;ssl=1 499w, https:\/\/i0.wp.com\/www.berlin.freidenker.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/TairKaminer-web.jpg?resize=300%2C233&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 499px) 100vw, 499px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>&#8222;Ich hei\u00dfe Ta\u00efr Kaminer, ich bin 19. Vor kurzem haben ich mein freiwilliges Jahr bei den Pfadfindern in Sderot beendet. In ein paar Tagen werde ich wohl ins Gef\u00e4ngnis kommen. Ein ganzes Jahr war ich als Freiwillige in Sderot, ich habe mit Kindern gearbeitet, die im Kriegsgebiet leben, und dort habe ich mich entschlossen, den Dienst im israelischen Milit\u00e4r zu verweigern. Ich verweigere, weil ich f\u00fcr meine Gesellschaft einen Beitrag leisten und sie verbessern m\u00f6chte, als Teil eines langwierigen Kampfes f\u00fcr Frieden und Gleichberechtigung. Die Kinder, mit denen ich gearbeitet hatte, wuchsen im Herzen des Konflikts auf und hatten von klein auf schockierende Erlebnisse \u2013 Erfahrungen, durch die viele von ihnen gro\u00dfen Hass ausbildeten; man kann das verstehen, besonders bei so kleinen Kindern. Wie sie lernen viele Kinder, die in Gasa oder den Gebieten aufwachsen \u2013 in noch schwierigerer Lage -, die andere Seite zu hassen. Auch ihnen kann man daf\u00fcr nicht die Schuld geben. Wenn ich all diese Kinder gemeinsam betrachte, die kommenden Generationen beider Seiten und die Umst\u00e4nde, unter denen sie aufwachsen, dann sehe ich eine Kette von Trauma und Schmerz. Und ich sage: Es reicht! Seit Jahren gibt es keine Aussicht auf politischen Fortschritt, es gibt keinen Versuch mehr, Frieden nach Gasa und Sderot zu bringen. Aber solange der milit\u00e4rische, gewaltsame Weg weiter beschritten wird, produzieren wir auf beiden Seiten Generationen voll Hass, die die Lage weiter verschlimmern werden. Man muss damit aufh\u00f6ren. Darum verweigere ich: Um nicht eine aktive Rolle an der Besatzung der pal\u00e4stinensischen Gebiete zu spielen und am Unrecht, das dem pal\u00e4stinensischen Volk unter der Besatzung zugef\u00fcgt wird. Um nicht teilzuhaben am Kreislauf des Hasses in Gasa und Sderot. Das Datum meiner Einberufung ist auf den 10. Januar 2016 festgelegt. An diesem Tag werde ich mich bei der Musterungszentrale einfinden und werde erkl\u00e4ren, dass ich den Wehrdienst verweigere und daher zivilen Ersatzdienst leisten m\u00f6chte. In Gespr\u00e4chen haben mich mir nahestehende Menschen beschuldigt, dass ich der Demokratie schade, wenn ich nicht die Gesetze des Staates einhalte. Aber die Pal\u00e4stinenser in den besetzten Gebieten leben unter Herrschaft der israelischen Regierung, obwohl sie sie nicht gew\u00e4hlt haben. Solange Israel weiter ein Besatzerstaat bleibt, wird es sich weiter davon entfernen, ein demokratischer Staat zu sein. Daher ist die Verweigerung Teil des Kampfes um Demokratie und kein Akt gegen die Demokratie. Man sagt mir, dass ich mich der Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit des Staates Israel entziehe. Aber mir, als einer Frau, die alle Menschen als gleich betrachtet und deren Leben f\u00fcr gleich wichtig h\u00e4lt, f\u00e4llt es schwer an das Sicherheitsargument zu glauben, solange es einzig und allein f\u00fcr die Juden gelten soll. Besonders jetzt, wo die Terrorwelle weiter w\u00e4chst, wird klar, dass das Milit\u00e4r nicht einmal die Juden sch\u00fctzen kann, denn es gibt keinen Weg zur Sicherheit inmitten des Besatzungszustands. Wirkliche Sicherheit wird dann entstehen, wenn das pal\u00e4stinensische Volk in W\u00fcrde und Freiheit in einem unabh\u00e4ngigen Staat Seite an Seite mit Israel leben wird. Manche dr\u00fcckten ihre Sorge \u00fcber meine pers\u00f6nliche Zukunft aus, in einem Staat, in dem das Milit\u00e4r eine solche Bedeutung hat. Sie rieten mir, trotz meines Standpunkts bei der Armee zu dienen oder wenigstens nicht in solch \u00f6ffentlicher Form zu verweigern. Aber trotz all dieser Fragen und Sorgen habe ich mich daf\u00fcr entschieden, offen zu verweigern, denn dieser Staat, dieses Land, diese Gesellschaft sind mir zu wichtig als dass ich bereit w\u00e4re zu schweigen. Auch bin ich nicht so erzogen worden, dass ich mich nur um mich selbst sorgen soll, mein ganzes bisheriges Leben bestand aus Engagement und Verantwortung in gesellschaftlichen Dingen. M\u00f6ge meine Verweigerung dazu beitragen, auch wenn ich einen pers\u00f6nlichen Preis bezahlen muss, das Thema Besatzung auf die Tagesordnung in Israel zu bringen, denn viele Israelis merken nichts von der Besatzung oder vergessen sie in unserem Alltag, der so sicher ist verglichen mit dem der Pal\u00e4stinenser oder dem der Israelis im Westen des Negev [im Grenzgebiet zu Gasa]. Man m\u00f6chte uns davon \u00fcberzeugen, dass der Weg von Milit\u00e4r und Gewalt alternativlos sei. Aber meiner Meinung nach ist dies der zerst\u00f6rerischste Weg, und es gibt andere Wege. Ich m\u00f6chte uns alle daran zu erinnern, dass es eine Alternative gibt: Verhandlungen, Frieden, Optimismus, ehrlicher Wille auf ein Leben in Gleichberechtigung, Sicherheit und Freiheit. Man m\u00f6chte uns davon \u00fcberzeugen, dass das Milit\u00e4r nichts mit Politik zu tun hat. Aber im Milit\u00e4r zu dienen ist eine schwerwiegende politische Entscheidung, genauso wie die zu verweigern. Wir junge Leute m\u00fcssen sie und ihre Bedeutung sehr genau abw\u00e4gen und ihre Konsequenzen f\u00fcr unsere Gesellschaft begreifen. Als ich das tat, habe ich mich dazu entschieden zu verweigern. Das Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis macht mir weniger Angst als der Verlust der Humanit\u00e4t in unserer Gesellschaft. Ich m\u00f6chte nicht Dinge tun, hinter denen ich nicht stehen kann, und dann im nachhinein das Schweigen brechen. Ich\u00a0verweigere, und auch Ihr solltet dar\u00fcber nachdenken.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>(\u00dcbersetzung aus dem Hebr\u00e4ischen: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24581\" target=\"_blank\">Rolf Verleger<\/a>, 9.1.16)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich hei\u00dfe Ta\u00efr Kaminer, ich bin 19. Vor kurzem haben ich mein freiwilliges Jahr bei den Pfadfindern in Sderot beendet. In ein paar Tagen werde ich wohl ins Gef\u00e4ngnis kommen. 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