{"id":2639,"date":"2016-09-10T12:06:09","date_gmt":"2016-09-10T10:06:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=2639"},"modified":"2016-09-10T12:08:55","modified_gmt":"2016-09-10T10:08:55","slug":"bei-freidenkern-gefunden-und-anderswo-916","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=2639","title":{"rendered":"Bei Freidenkern gefunden\u2026 und anderswo\u2026 9\/16\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Ich zeige an Wadim Rogowins Werk <a href=\"http:\/\/www.mehring-verlag.de\/fileadmin\/redaktion\/PDF-Texte\/rogowin-lepo-web.pdf\" target=\"_blank\">&#8222;Gab es eine Alternative?&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wadim_Sacharowitsch_Rogowin\" target=\"_blank\">Wadim Sacharowitsch Rogowin <\/a>(1937 bis 1998) war ein sowjetisch-russischer Historiker und Soziologe. Sein gro\u00dfes, der Kritik des Stalinismus gewidmetes Werk &#8222;Gab es eine Alternative&#8220; untersucht den Zeitraum von 1922 bis 1940 auf insgesamt dreitausend Seiten. Es\u00a0gliedert sich in die sechs B\u00e4nde &#8222;Trotzkismus&#8220; (1922-1927), &#8222;Stalins Kriegskommunismus&#8220; (1928-1933), &#8222;Vor dem Gro\u00dfen Terror \u2013 Stalins Neo-N\u00d6P&#8220; (1934-1936), &#8222;1937 \u2013 Jahr des Terrors &#8220; (1937), &#8222;Die Partei der Hingerichteten&#8220; (1937-1938) und den weniger geschlossenen Band &#8222;Weltrevolution und Weltkrieg&#8220; (1939) \u00fcber dessen Ausarbeitung der Historiker verstarb. Den geplanten 7. Band &#8222;Das Ende ist der Anfang&#8220; (1940) konnte Rogowin, der dem Krebs erlag, nicht mehr schreiben.<\/p>\n<p>Rogowins Werk ist von der Geschichtswissenschaft und mehr noch von den Tagesk\u00e4mpfern der Ideologien weitgehend ignoriert worden.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Werner_R%C3%B6hr\" target=\"_blank\">Werner R\u00f6hr<\/a> ist, soweit ich sehe, der einzige ausgewiesene Historiker, der sich explizit ge\u00e4u\u00dfert hat. In der &#8222;Zeitschrift f\u00fcr marxistische Erneuerung&#8220; Nr. 45 vom M\u00e4rz 2001 ist seine Rezension &#8222;Der Untergang des Bolschewismus als Voraussetzung des Stalinismus&#8220; zu finden. (Die achtseitige Rezension ist nicht online verf\u00fcgbar. Ich bin bereit, InteressentInnen einen Scan zu schicken.)<\/p>\n<p>R\u00f6hr hebt hervor, dass Rogowins Aufarbeitung der &#8222;Gro\u00dfen S\u00e4uberung&#8220; der Jahre 1936-1938 in der Sowjetunion, insbesondere der drei grossen Schauprozesse und des Massenterrors, eingebettet ist &#8222;in eine gewaltige historische Rekonstruktion der nachrevolution\u00e4ren Geschichte der Bolschewiki&#8220; und weiter: &#8222;Als bisher einziger Historiker dieser Periode bezieht Rogowin den wichtigsten politischen Gegner Stalins in diesen Jahren, Leo Trotzki, systematisch mit ein&#8230;&#8220;.<\/p>\n<p>Die komplexe, historiografisch-soziologische Forschungsmethode des Autors schl\u00e4gt sich in einer enormen Beweiskraft seiner Darstellung epochaler Zusammenh\u00e4nge, Einsch\u00e4tzungen und Schlussfolgerungen nieder. Wir haben es mit einem Meisterwerk der historisch-materialistischen Geschichtsschreibung zu tun, ich m\u00f6chte behaupten, dem bisher einzigen, das, vor dem Hintergrund der Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution und diese voraussetzend, die Vernichtung des Bolschewismus und die Durchsetzung des Stalinschen Absolutismus in Begriffe fasst, die marxistisch-wissenschaftlichen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Neben dieser gewaltigen, zentralen Leistung besticht Rogowins Werk durch grunds\u00e4tzliche Hinweise auf weitere, mit der Zentralerkenntnis verbundene, doch weiterf\u00fchrende Erkenntnislinien. Dazu z\u00e4hle ich (relativ willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlt) den Spanischen B\u00fcrgerkrieg, die Rolle der Komintern, den Deutsch-Sowjetischen Vertrag von 1939 (einschlie\u00dflich Geheimprotokoll) aber auch Rogowins Bemerkungen zu dem Stalinismus nach Stalin bis hin zum Untergang der Sowjetunion und bis zur nachsowjetischen Gegenwart (der 90er Jahre).<\/p>\n<p>Nicht zuletzt z\u00e4hle ich dazu Rogowins detaillierte Auseinandersetzung mit der von Stalin erzwungenen &#8222;Sozialfaschismuskonzeption&#8220; und ihrer Rolle im Prozess der Macht\u00fcbertragung an Hitler und der historischen Niederlage der deutschen und internationalen \u00a0Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>Ein Werk, wie dieses, das hundert Fragen beantwortet, wirft tausend neue auf. Das kann nicht \u00fcberraschen. Es ist kein Werk, das man in wenigen Tagen &#8222;durch&#8220; hat. Mich hat es seit Wochen buchst\u00e4blich &#8222;eingesogen&#8220;, und ich weiss, dass ich jetzt, gegen Ende der Lekt\u00fcre, sofort wieder anfangen werde, noch einmal von vorn zu lesen. Das ist kein Mangel. Die Russischen Revolutionen von 1917 werden bald hundert Jahre alt. Denkw\u00fcrdige Zeit, die uns, wenn wir es wollen, den Quellen wieder n\u00e4her bringt.\u00a0Rogowin kann dabei helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich zeige an Wadim Rogowins Werk &#8222;Gab es eine Alternative?&#8220;. Wadim Sacharowitsch Rogowin (1937 bis 1998) war ein sowjetisch-russischer Historiker und Soziologe. Sein gro\u00dfes, der Kritik des Stalinismus gewidmetes Werk &#8222;Gab es eine Alternative&#8220; untersucht den Zeitraum von 1922 bis 1940 auf insgesamt dreitausend Seiten. 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