{"id":3530,"date":"2017-03-30T20:41:50","date_gmt":"2017-03-30T18:41:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3530"},"modified":"2017-03-30T20:47:57","modified_gmt":"2017-03-30T18:47:57","slug":"herr-keiner-gibt-zu-denken-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3530","title":{"rendered":"Herr Keiner gibt zu denken (I)"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: center;\">\u00dcberlegungen zu: Das nationale Aufbruchsprogramm der Weltmacht USA<\/h2>\n<p>1. Der Bericht zur Lage der Nation k\u00f6nnte dramatischer kaum sein und ist getragen von dem Generalvorwurf: Die Weltmacht USA hat ein \u201eMassaker\u201c an amerikanischen Interessen zugelassen:<\/p>\n<p><em>\u201eViele Jahrzehnte haben wir ausl\u00e4ndische Industrien auf Kosten der amerikanischen Industrie reicher gemacht, die Armeen anderer L\u00e4nder finanziell unterst\u00fctzt, w\u00e4hrend wir unsere eigene Armee ausgehungert haben \u2026Wir haben Billionen und Aberbillionen von Dollar im Ausland ausgegeben, w\u00e4hrend die amerikanische Infrastruktur zerfallen ist. Wir haben andere L\u00e4nder bereichert, w\u00e4hrend sich der Reichtum, die St\u00e4rke und das Selbstbewusstsein unseres eigenen Landes sich \u00fcber dem Horizont aufgel\u00f6st hat.\u201c <\/em>(Trump, Antrittsrede)<\/p>\n<p>2. Diese Kritik zielt auf mehr als das demokratisch \u00fcbliche Absetzen von den Fehlern der Vorg\u00e4nger-Regierung, um f\u00fcr Vertrauen in die Neuen an der Regierung zu werben. Das ist ein Schuldspruch \u00fcber die gesamte poltische Elite, die eigene Partei eingeschlossen:<\/p>\n<p><em>\u201eZu lange hat eine kleine Gruppe in der Hauptstadt unseres Landes von der Regierung profitiert und das Volk hat die Kosten getragen. Washington bl\u00fchte, aber das Volk hat nichts von dem Reichtum gehabt.\u201c <\/em>(Ebenda)<\/p>\n<p>Das hat durchaus Analogien zur Kritik der deutschen Faschisten an der Weimarer Republik, im Namen des \u201erechtschaffenen\u201c Volkes eine Herrschaft einzufordern, die das Wohl der ganzen Nation bef\u00f6rdert statt den Interessen einer privilegierten Kaste zu dienen. (Gemeint ist hier der <em>politische<\/em> Faschismus und nicht die aktuell wieder verbreitete moralische Vorstellung vom Faschismus als \u201eAusgeburt des B\u00f6sen\u201c, dem jede staatstragende Rationalit\u00e4t abgesprochen wird.) Und: \u00c4hnlich wie der deutsche Politiker Hitler zu seiner Zeit entdeckt auch der amerikanische Politiker Trump im Streit der konkurrierenden Parteien nur berechnenden Opportunismus, der nur Worte macht, aber jede Tatkraft im Einsatz f\u00fcr die Interessen der Nation vermissen l\u00e4sst:<\/p>\n<p><em>\u201eWir werden keine Politiker mehr akzeptieren, die nur reden und keine Taten setzen, die sich st\u00e4ndig beschweren, aber nie etwas dagegen tun.\u201c <\/em>(Trump, Antrittsrede)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>3. Wer sich so wie Trump auf das Volk bezieht, hat Gro\u00dfes mit ihm vor und wei\u00df eben deshalb die Produktivkraft der nationalen Moral sehr zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie heutige Zeremonie, jedoch, hat eine ganz besondere Bedeutung. Denn heute \u00fcbergeben wir die Macht nicht nur von einer Regierung an die andere oder von einer Partei an die andere, sondern wir nehmen die Macht von Washington D.C. und geben sie an Euch, das Volk zur\u00fcck.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dass der amerikanische Pr\u00e4sident Vorsteher einer kapitalistischen <em>Klassen<\/em>gesellschaft ist, der mit seinem Aufbruchsprogramm seinem Volk h\u00f6chst Unterschiedliches verspricht \u2013 den einen mehr Freiheit beim Profitmachen, den anderen mehr Arbeit (\u201ejobwunder\u201c) f\u00fcr diesen Profit \u2013 dar\u00fcber haben die \u201eeinfachen Leute\u201c in ihrer Eigenschaft als geehrtes <em>Volk<\/em> wie selbstverst\u00e4ndlich hinwegzusehen. Es geht um H\u00f6heres, es geht eben um: \u201eAmerica first\u201c:<\/p>\n<p><em>\u00a0\u201eEin neuer Nationalstolz wird uns bewegen, unseren Blick <\/em><em>erheben und unsere Gr\u00e4ben schlie\u00dfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAmerika wird wieder anfangen zu gewinnen \u2013 gewinnen wie nie zuvor.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWenn Amerika geeint ist, dann ist Amerika absolut unaufhaltsam.\u201c <\/em>(Ebenda)<\/p>\n<p>4. Diese ebenso penetrante wie berechnende Verehrung des einfachen amerikanischen Volkes hat ersichtlich etwas Totalit\u00e4res: Trump nimmt das verbreitete Misstrauen der \u201ekleinen Leute\u201c gegen \u201edie da oben\u201c, die ohnehin \u201enur in die eigene Tasche wirtschaften\u201c, auf, um sie so ganz umstandslos auf sein Aufbruchsprogramm zur Rettung der Nation einzuschw\u00f6ren. Doch im Unterschied zum Deutschen Reich eines Adolf Hitler, das Weltmacht <em>werden <\/em>wollte, <em>sind <\/em>die USA Weltmacht, und zwar die einzige, die nach dem Ende der Sowjetunion dieses imperialistische ranking realiter f\u00fcr sich beanspruchen kann. Eben deshalb ist der ganze Rest der Staatenwelt von dem nationalen Aufbruchsprogramm der USA betroffen gemacht, denn Trump verspricht ein Amerika, das sich radikal neu auf die Durchsetzung seiner nationalen Interessen verpflichtet und damit ein neues Kapitel <em>Welt<\/em>politik schreiben will:<\/p>\n<p><em>\u201eGemeinsam werden wir den Kurs Amerikas und den der Welt f\u00fcr viele, viele Jahre bestimmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>5. <\/em>Um kein Missverst\u00e4ndnis aufkommen zu lassen: Mit dieser Ank\u00fcndigung befindet sich Trump durchaus in guter amerikanischer Tradition, auch seines Vorg\u00e4ngers Barak Obama, der 2014 in einer Rede an der Milit\u00e4rakademie Westpoint das Folgende von sich gab:<\/p>\n<p><em>\u201eAmerika muss immer auf der Weltb\u00fchne f\u00fchrend sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was ein Programm der politischen <em>Unterordnung <\/em>des Restes der Staatenwelt bedeutet, ein Programm, von dem sich die USA von nichts und niemanden abbringen lassen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie internationale Meinung ist wichtig, aber Amerika sollte niemals um Erlaubnis bitten, um unsere Leute, unsere Heimat und unsere Lebensweise zu sch\u00fctzen.\u201c <\/em>(<a href=\"http:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2014\">http:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2014<\/a>)<\/p>\n<p>6. Das in dieser Obama-Rede angek\u00fcndigte \u201eProjekt f\u00fcr ein amerikanisches Jahrhundert\u201c, das in der hiesigen Presse nur wenig Beachtung fand, wird nun von dem neuen US-Pr\u00e4sidenten \u2013 so kann man das auch sehen \u2013 mit Leben erf\u00fcllt. Und das findet Beachtung, und zwar weltweit, weil die neue US-Administration sehr umst\u00fcrzlerische Vorstellungen davon hat, wie das \u201eneue amerikanische Jahrhundert\u201c auszusehen hat:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Da die USA Konkurrenzniederlagen nicht l\u00e4nger hinnehmen wollen, wird mit staatlichen Sanktionsma\u00dfnahmen gedroht, um der amerikanischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen, um noch dazu mit einer \u201eradikalen Senkung der Unternehmenssteuern\u201c den Kapitalstandort USA eine neue Attraktivit\u00e4t zu verleihen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Der Union der Europ\u00e4er wird ganz offen, also h\u00f6chst undiplomatisch, zu verstehen gegeben, dass man Bestrebungen zum Zusammenbruch dieses B\u00fcndnisses bef\u00f6rdern will. Denn das sei \u2013 so der Pr\u00e4sident \u2013 eigens \u201ezur wirtschaftlichen Schw\u00e4chung der USA\u201c erfunden worden. Einer USA, die mit dem Milit\u00e4rb\u00fcndnis namens NATO zudem noch die machtvolle Grundlage daf\u00fcr stiften, dass sich die Europ\u00e4er in der Welt so viel herausnehmen k\u00f6nnen. Auch das soll sich zum Vorteil der amtierenden Weltmacht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Diese sieht sich auch befugt, den Atomm\u00e4chten Russland und China bestimmte territoriale Anspr\u00fcche zu bestreiten und Russland aufzufordern, die eroberte Krim wieder an die Ukraine zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Eine Eroberung, die im Falle des Staates Israels per Machtwort des US-Pr\u00e4sidenten (und gegen die Beschlusslage der UNO) umstandslos ins Recht gesetzt wird: Die Pal\u00e4stinenser brauchen keinen eigenen Staat, sie haben sich gef\u00e4lligst mit der Vorherrschaft Israels zu arrangieren, das als milit\u00e4rischer Vorposten der USA seine guten Dienste geleistet hat und weiter leisten soll.<\/p>\n<p>7. Wie an den laufenden bzw. geplanten Ma\u00dfnahmen zu sehen, hat das entschiedene Programm eines \u201eAmerica first\u201c weder etwas mit \u201eAbschottung\u201c noch einem neuen \u201eIsolationismus\u201c zu tun. Auf solch einen Unsinn kommen nur die Europ\u00e4er, weil ihnen die Art \u201eweltweiter Verantwortung\u201c durch die USA abhanden kommt, bei der sie mit ihren Konkurrenzbem\u00fchungen <em>gegen <\/em>ihre F\u00fchrungsmacht so erfolgreich vorangekommen sind. Jetzt droht das europ\u00e4ische B\u00fcndnis aufzufliegen, wobei es nicht erst den Affront der Amis brauchte, um offen zu legen, dass die Union der Europ\u00e4ischen Staaten eben keine vereinigte <em>Staatsmacht <\/em>ist, die sich nach innen wie in der Konkurrenz zu anderen Staaten wirksam <em>behaupten<\/em> kann.<\/p>\n<p>8. Ein kriegstr\u00e4chtiges Programm, was die USA da auf die weltpoltische Tagesordnung gesetzt haben? Na klar, denn nur der erkennbare Willen, f\u00fcr seine Interessen zum \u00c4u\u00dfersten zu gehen, f\u00fchrt die Ver\u00e4nderungen herbei, die ein weiteres \u201eamerikanisches Jahrhundert\u201c sicherstellen sollen. Die Vorbereitungen z. B. f\u00fcr einen m\u00f6glichen Krieg mit China oder Russland werden l\u00e4ngst betrieben, Gegenreaktionen laufend entsprechend, und auch die \u201eSchurkenstaaten\u201c Iran und Nordkorea haben sich mit Demonstrationen ihres Machtwillens bemerkbar gemacht, was beweist, dass die \u201eBotschaften\u201c der neuen US-Regierung verstanden worden sind. Doch in den internationalen Beziehungen der Staaten kommt es schwer darauf an, wie die Macht<em>mittel<\/em> desjenigen beschaffen sind, der entschlossen ist, sich das Machtstreben des Konkurrenten nicht mehr gefallen lassen zu wollen. Der neue Mann im Wei\u00dfen Haus setzt ganz auf die beeindruckende Durchschlagskraft der amerikanischen Macht, wenn er sein Volk mit nationalistischem Pathos aufhetzt:<\/p>\n<p><em>\u201eErlaubt niemandem, euch zu sagen, dass es nicht zu schaffen ist. Keine Herausforderung kann sich mit dem Herz und dem Kampfeswillen und dem Geist Amerikas messen. Unser Land wird wieder bl\u00fchen und gedeihen.\u201c <\/em>(Trump, Antrittsrede)<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben die USA schon viele Kriege gef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"small\"><a href=\"http:\/\/www.herrkeiner.com\/\" target=\"_blank\">\u00a9 HerrKeiner.com<\/a>\u00a0\u00a020. Februar 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberlegungen zu: Das nationale Aufbruchsprogramm der Weltmacht USA 1. 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