{"id":3670,"date":"2017-04-09T10:26:14","date_gmt":"2017-04-09T08:26:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3670"},"modified":"2017-04-09T10:26:14","modified_gmt":"2017-04-09T08:26:14","slug":"lenin-kennen-lernen-ueber-das-entscheidende-und-das-realsozialistische","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3670","title":{"rendered":"Lenin kennen lernen! &#8211; \u00dcber das Entscheidende und das Realsozialistische"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #008000;\">Der 100. Jahrestag der Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution darf als geistige Herausforderung verstanden werden.\u00a0Das tiefere Begreifen der Geschichte k\u00f6nnte uns Orientierung, Kampfkraft und Schaffensfreude geben.\u00a0<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #008000;\">Wir Berliner Freidenker nehmen die Herausforderung an, Lenin wieder und tiefer und vielleicht auch neu zu entdecken. Dem wollen wir mit Veranstaltungen aber auch mit Diskussionsbeitr\u00e4gen hier auf der Webseite gerecht werden. Den Anfang haben wir mit einer Freidenkergespr\u00e4chsrunde gemacht, von der es ein Video gibt &#8211;<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3611\" target=\"_blank\"> hier<\/a>.\u00a0<\/span>Heute setzen wir fort mit einem Beitrag von Dr. Hermann Wollner. Er fragt und \u00fcberlegt:<\/span><\/h4>\n<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Was genau hat LENIN als das Entscheidende, das Wesentliche, das Fortschrittliche, das \u00dcberlegene der ver\u00e4nderten Gesellschaftsordnung angesehen?\u00a0<\/span><\/em><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/h4>\n<p><em>Egon KRENZ nannte in seinem Vortrag zum 65. Jahrestag der Gr\u00fcndung der DDR &#8211; z\u00f6gernd, es in einem Satz tun zu sollen &#8211; als Ursache des Scheiterns des sozialistischen Staates auf deutschem Boden den R\u00fcckstand in der Arbeitsproduktivit\u00e4t (gegen\u00fcber der Bundesrepublik Deutschland). Er f\u00fcgte hinzu, da\u00df schon LENIN die Arbeitsproduktivit\u00e4t als das Entscheidende f\u00fcr den Sieg des Sozialismus im Wettlauf mit dem Kapitalismus benannt habe. Und das h\u00e4tten wir eben nicht geschafft, sondern w\u00e4ren nach 40 Jahren des Laufens ein Drittel der Rennstrecke dahinter geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Da erheben sich doch Fragen. Was genau hat LENIN als das Entscheidende, das Wesentliche, das Fort-schrittliche, das \u00dcberlegene der ver\u00e4nderten Gesellschaftsordnung angesehen? Das kann doch keine abstrakte \u00f6konomische Kennzahl &#8211; ein \u201eFetisch\u201c neuer Art &#8211; sein. Eine post-profitorientierte Gesellschafts-ordnung auf \u00f6konomische \u201eWerte\u201c zu reduzieren, hie\u00dfe den Teufel durch Beelzebub zu ersetzen.<\/em><\/p>\n<p><em>LENIN traf seine Aussage im April 1918, f\u00fcnf Monate nach der Oktoberrevolution, in seinem Aufsatz \u201eDie n\u00e4chsten Aufgaben der Sowjetmacht\u201c. Er nannte darin sowohl \u201eRahmenbedingungen\u201c als auch Zweck einer h\u00f6heren Arbeitsproduktivit\u00e4t. Des Zusammenhangs und Wechselspiels der Arbeitsproduktivit\u00e4t im Arbeiter-und-Bauern-Staat mit derjenigen in den umgebenden kapitalistischen Staaten war er sich wohl bewusst. Er sah in einer effektiven Arbeitsorganisation (\u201eTaylor-System\u201c), der wirtschaftlichen Rechnungsf\u00fchrung und der Entwicklung der energetischen Basis die n\u00e4chstliegenden Aufgaben, damit \u00bbjeder Werkt\u00e4tige nach Erf\u00fcllung des [werkt\u00e4glichen] achtst\u00fcndigen Pensums produktiver Arbeit unentgeltlich an der Aus\u00fcbung der Staatspflichten teilnimmt. (Darin [an der \u201eMitwirkung an Pflichten als Staatsb\u00fcrger\u201c]) \u2026 liegt das Unter-pfand f\u00fcr die endg\u00fcltige Festigung des Sozialismus.\u00ab Es ging ihm um die \u00bbHebung des produktiven K\u00f6nnens der Werkt\u00e4tigen\u00ab, damit diese Zeit f\u00fcr die Aus\u00fcbung politischer Aktivit\u00e4ten (f\u00fcr die \u201eVolksdemo-kratie\u201c) gew\u00f6nnen. \u201eStoppuhr\u201c und \u201eZiffernskala\u201c f\u00fcr einen schmalbahnigen Wettlauf, der ganz und gar nicht sportlich sein w\u00fcrde, nannte er nicht. LENIN sah ihn als einen disziplinierten \u00bbmassenhaften Vormarsch\u00ab an, nicht als ein Kampf um Symbole und Troph\u00e4en &#8211; und schon gar nicht als Selbstzweck.<\/em><\/p>\n<p><em>Was haben wir also falsch gemacht, seitdem LENIN als Vordenker ausschied? Oder &#8211; den geschichtlichen Zeitraum und die Verantwortung einengend &#8211; was haben die F\u00fchrer des \u201esozialistischen Lagers\u201c falsch gemacht, nachdem dieses Ende der 1940er Jahre durch Vormarsch der hoffnungsvollen Volksmassen in Osteuropa und in China rings um die Sowjetunion entstanden war? Haben die milit\u00e4rischen Sieger zu sehr auf ihr Marschall-Insignien gepocht? Haben sie geglaubt, da\u00df ein \u201eGleichgewicht des Schreckens\u201c ein \u201eGleichgewicht der Zufriedenheit\u201c ersetzen kann? Haben die sozialistischen Sieger gemeint, die \u201eZeit\u201c arbeite f\u00fcr sie (w\u00e4hrend die kapitalistischen Sieger \u201eGeld\u201c f\u00fcr sich arbeiten lie\u00dfen)? Warum unterlie\u00dfen es die sozialistischen Staatsf\u00fchrer, das \u201esozialistische Haus\u201c zu bauen, gemeinsam zu organisieren und vor ihren V\u00f6lkern Rechenschaft abzulegen?<\/em><\/p>\n<p><em>KRENZ\u2019 Report \u00fcber den Zustand des \u201eWarschauer Paktes\u201c (den \u201eRat f\u00fcr Gegenseitige Wirtschaftshilfe\u201c erw\u00e4hnt er gar nicht erst) im Jahre 1989 enth\u00fcllt erschreckende Vers\u00e4umnisse im Vordenken der Paktf\u00fchrer, ohne das ein \u00bbVormarschieren\u00ab gar nicht m\u00f6glich ist. Mit \u00bbStaatspflichten\u00ab hatte LENIN die \u201eSouver\u00e4ns-pflichten\u201c gemeint, das \u201eMitplanen\u201c und \u201eMitregieren\u201c. Es hat nicht an Versuchen der Volksmassen gefehlt, ihre \u201everordneten Staatsf\u00fchrer\u201c auf Vers\u00e4umnisse und Fehlentwicklungen hinzuweisen. Die Antwort war: \u201eKeine Fehlerdiskussion!\u201c Das \u201eReale\u201c war die weitverbreitete Selbstzufriedenheit mit dem \u00bbstaatskapi-talistisch\u00ab wirtschaftstechnisch Erreichten innerhalb der eigenen Grenzen und das Ausblenden der Sch\u00f6pfer-kr\u00e4fte der \u201eMassen\u201c &#8211; der \u201eSubsidiarit\u00e4t\u201c der gesellschaftlichen Entscheidungen. Technische Innovationen, die sowohl die Produktivit\u00e4t der eigenen Ressourcen steigern als auch die wirklichen Kosten der Produkte unter diejenigen des \u201eWeltmarktes\u201c senken, blieben Ausnahmen. Der \u201eschonungslose Weltstandsvergleich\u201c blieb eine Losung. Der Sozialismus existierte \u201ereal\u201c, aber er marschierte nicht vor. Gut ausgebildete \u201eK\u00f6pfe\u201c und \u201eH\u00e4nde\u201c rannten gegen \u201eideologische W\u00e4nde\u201c, lange ehe eine <\/em>\u201eMauer\u201c ge<em>baut wurde. Die \u00bbStaats-pflichten\u00ab wurden weder national noch im \u201eBruderbund\u201c erf\u00fcllt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 100. Jahrestag der Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution darf als geistige Herausforderung verstanden werden.\u00a0Das tiefere Begreifen der Geschichte k\u00f6nnte uns Orientierung, Kampfkraft und Schaffensfreude geben.\u00a0 Wir Berliner Freidenker nehmen die Herausforderung an, Lenin wieder und tiefer und vielleicht auch neu zu entdecken. 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