{"id":3688,"date":"2017-04-11T09:29:34","date_gmt":"2017-04-11T07:29:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3688"},"modified":"2017-04-11T09:33:17","modified_gmt":"2017-04-11T07:33:17","slug":"die-welt-in-der-man-leben-moechte-von-robert-steigerwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3688","title":{"rendered":"Die Welt in der man leben m\u00f6chte &#8211; von Robert Steigerwald"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008000;\">Der folgende Text von Robert Steigerwald geh\u00f6rt durchaus in den Themenumkreis unseres<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=3586\" target=\"_blank\">n\u00e4chsten Freidenkergespr\u00e4chs &#8222;Wie wollen wir leben?&#8220;.<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Zun\u00e4chst benennt Steigerwald den &#8222;Komplex der vorhandenen globalen Probleme&#8220; in seiner <em>Widerspr\u00fcchlichkeit<\/em> und charakterisiert ihn an Hand von etwa <em>zehn Kennzeichen.<\/em> Er f\u00fchrt <em>vier Gr\u00fcnde<\/em> an zum Beweis, dass\u00a0&#8222;die Probleme, die die gegenw\u00e4rtige Situation kennzeichnen, sich grunds\u00e4tzlich von allem unterscheiden, was uns aus der Vergangenheit bekannt ist&#8220;. Die skizzierten Probleme, so Steigerwald, terndieren zu krisenhafter Zuspitzung. &#8222;Unter dem Blickwinkel einer Perspektivprognose l\u00e4sst sich alles, was oben gesagt wurde, in Form einiger <em>Wahrscheinlichkeitsszenarien<\/em> darstellen&#8220;, erkl\u00e4rt der Autor und stellt vier solche Szenarien vor. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Die kritische Sichtung dieser Szenarien bringt Steigerwald zu dem Schluss, dass &#8222;unter den r\u00fcckwirkenden Faktoren &#8230; subjektive Aspekte des Kampfes zwischen den fortschrittlichen und reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften der Welt eine ausgesprochen gro\u00dfe Rolle (spielen)&#8230; Deshalb muss der Forscher unbedingt den <em>normativen Aspekt<\/em> und vor allem solche Faktoren wie die Zielsetzungen, die Planungen, die laufenden Entscheidungen politischen Charakters in Betracht ziehen.&#8220;\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Und weiter: &#8222;Wenn man auf dem Boden einer wissenschaftlichen Prognose bleibt, muss man sich unweigerlich auf ganz <em>allgemeine, grunds\u00e4tzliche qualitative Charakteristika j<\/em>ener Welt der Zukunft beschr\u00e4nken, die man sich w\u00fcnschen kann. Die ausschlaggebende Charakteristik setzt sich aus folgenden Parametern zusammen.&#8220; Folgend werden<em> 16 Parameter<\/em> formuliert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Ein schon etwas \u00e4lterer Diskussionsbeitrag, der gleichwohl viele bedenkenswerte Anregungen enth\u00e4lt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Komplex der vorhandenen globalen Probleme l\u00e4sst sich in ganz allgemeiner Form als objektiv bestehender und subjektiv zunehmend erkannten Widerspruch zwischen dem gegenw\u00e4rtigen Zustand der Natur, der Weltwirtschaft, der Kultur und der Politik (einschlie\u00dflich der internationalen Beziehungen und der T\u00e4tigkeit der internationalen Organisationen) und dem real m\u00f6glichen Zustand charakterisieren, der sich aus der Sicht der Interessen von Milliarden Menschen, ausnahmslos aller V\u00f6lker, ja der ganzen Menschheit von dem jetzigen weitestgehend positiv unterscheidet.<\/p>\n<p><strong>Kennzeichnend f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Zustand sind:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; das Weiterbestehen haarstr\u00e4ubender sozialer Ungerechtigkeit, sozialer Ungleichheit, der Unterordnung des Menschen und der Unterdr\u00fcckung der Pers\u00f6nlichkeit in weiten Gebieten der Welt;<\/p>\n<p>&#8211; die wachsenden Ausma\u00dfe des Wettr\u00fcstens, das nicht nur einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil der menschlichen Arbeit und ihrer Produkte beansprucht, sondern auch die Gefahr vergr\u00f6\u00dfert, dass die Menschen in einem neuen Weltkrieg in Massen sterben werden;<\/p>\n<p>&#8211; die Armut des weitaus gr\u00f6\u00dften Teils der Erdbev\u00f6lkerung und der Umstand, dass eine gro\u00dfe Anzahl von Menschen am Rande eines Hungerdaseins lebt beziehungsweise im wahrsten Sinne des Wortes am Hungertuch nagen muss;<\/p>\n<p>&#8211; die Ersch\u00f6pfung leicht zug\u00e4nglicher Vorr\u00e4te an Bodensch\u00e4tzen und die (infolge eines ganzen Komplexes komplizierter \u00f6konomischer und politischer Ursachen) st\u00fcrmisch wachsenden Energie-, Rohstoff- und Materialkosten;<\/p>\n<p>&#8211; die zunehmende Verschmutzung der Umwelt, die f\u00fcr das Leben und die Gesundheit der Menschen ausgesprochen negative Folgen hat;<\/p>\n<p>&#8211; wachsende Arbeitslosigkeit, von der gegenw\u00e4rtig, (zusammen mit den Familienangeh\u00f6rigen der Erwerbslosen) viele Hunderte Millionen Menschen betroffen sind, ganz zu schweigen von der so genannten versteckten Arbeitslosigkeit in den l\u00e4ndlichen Gebieten, die eine noch gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Menschen erfasst;<\/p>\n<p>&#8211; spontane Urbanisierung, widernat\u00fcrliche Konzentration gigantischer Menschenmassen in den Gro\u00dfst\u00e4dten einerseits und der Verfall der D\u00f6rfer andererseits, wobei die Auswirkungen f\u00fcr die Wirtschaft, \u00d6kologie, Kultur und soziale Psychologie der Menschen in beiden F\u00e4llen \u00e4u\u00dferst negativ sind;<\/p>\n<p>&#8211; akute Unzul\u00e4nglichkeit des Systems der Volksbildung und gigantische Ausma\u00dfe des Analphabetentum sowie allgemein recht niedrige physische, soziale, allt\u00e4gliche und geistige Kultur der Menschen;<\/p>\n<p>&#8211; akute Unzul\u00e4nglichkeit des Gesundheitsschutzes und vorzeitiges Massensterben von Menschen (ganz besonders von Kindern);<\/p>\n<p>&#8211; wachsende Ausma\u00dfe asozialer Erscheinungen (\u201eabweichendes Verhalten\u201c), einschlie\u00dflich der Rauschgiftsucht, des Rowdytums, der Korruption, der Schwarz M\u00e4rkte, der Kriminalit\u00e4t und so weiter<\/p>\n<p>Hinzuf\u00fcgen muss man noch die ungen\u00fcgende Effektivit\u00e4t der T\u00e4tigkeit der internationalen Organisationen, denen man mehr Autorit\u00e4t w\u00fcnschen m\u00f6chte und von denen man konstruktivere und wirksamere Aktivit\u00e4ten erwarten darf.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Wirklichkeit erscheint Weltma\u00dfstab tendiert in ihren Grundaspekten in ihren wichtigsten Elementen dazu, dass die gegenw\u00e4rtige problembeladene Situation in eine kritische hin\u00fcberw\u00e4chst. Man muss darauf hinwirken, dass die internationale \u00d6ffentlichkeit die Probleme wie die oben dargelegten erkennt und einen aktiven Kampf f\u00fcr deren L\u00f6sung entfaltet. Es liegt auf der Hand, dass <strong>die Probleme, die die gegenw\u00e4rtige Situation kennzeichnen, sich grunds\u00e4tzlich von allem unterscheiden, was uns aus der Vergangenheit bekannt ist.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Erstens<\/strong> hat die gegenw\u00e4rtige Situation globaler Charakter, was sich von den fr\u00fcheren nicht sagen l\u00e4sst. So umfangreich und kompliziert die Probleme waren, sie erfassten nie den ganzen Planeten, es blieben stets irgendwelche ungef\u00e4hrdeten Reservezonen, die im Falle eines Misserfolgs bei der L\u00f6sung der jeweiligen Probleme die Wiederherstellung des urspr\u00fcnglichen Zustandes erm\u00f6glichten. Heute steht das Schicksal des Planeten als Ganzes auf dem Spiel.<\/p>\n<p><strong>Zweitens<\/strong> hat die gegenw\u00e4rtige Situation totalen Charakter, das hei\u00dft, sie erfasst alle ausschlaggebenden Aspekte der Lebenswirklichkeit der Menschheit. Ginge es so wie fr\u00fcher um ein oder um einige wichtige Probleme, beispielsweise nur um die Ern\u00e4hrung oder den Umweltschutz, dann w\u00e4re die Situation wahrscheinlich nicht so kompliziert. Heute ist das Schicksal der Menschheit im allgemeinen gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p><strong>Drittens<\/strong> wird die gegenw\u00e4rtige Situation als k\u00fcnstlich begriffen, also als vom Menschen selbst herbeigef\u00fchrt, w\u00e4hrend alle fr\u00fcheren Situationen als nat\u00fcrlich, elementar oder zumindest quasi elementar, in der Art von Natur Erscheinungen aufgefasst wurden, deren Ursache unklar waren und gegen die als solche anzuk\u00e4mpfen keinen Sinn hatte. Heute ruft die Situation selbst den wachsenden Protest der internationalen \u00d6ffentlichkeit hervor.<\/p>\n<p><strong>Viertens<\/strong> wird die gegenw\u00e4rtige Situation als \u00e4nderbar verstanden, als eine der real m\u00f6glichen und dazu auch in zahlreichen Prognosen detailliert beschriebenen Situationen. Es ist noch nie vorgekommen, dass der ver\u00e4nderbare Charakter einer Situation derart deutlich erkannt wurde.<\/p>\n<p>Kurzum, man kann die heraufziehenden Probleme nicht umgehen. Sie lassen sich aber nicht einzeln l\u00f6sen, sie bilden einen Komplex und m\u00fcssten deshalb im Zusammenhang angepackt werden. Diese Probleme sind von den Menschen heraufbeschworen worden, die Menschen m\u00fcssen sie l\u00f6sen. Die Probleme als solche sind durchaus l\u00f6sbar. Die Zeit, die uns die Geschichte f\u00fcr die L\u00f6sung der globalen Probleme bis zu dem Zeitpunkt zur Verf\u00fcgung gestellt hat, bis zu dem diese Probleme in ein kritisches Stadium treten werden, ist relativ kurz, das sind nur einige wenige Jahrzehnte. Folglich muss man die anstehenden Probleme so zupackend und wie m\u00f6glich l\u00f6sen. Die Probleme sind \u00fcberaus kompliziert und schwierig, die konkreten Wege zu ihrer L\u00f6sung in vielen Einzelheiten unklar, folglich muss man sich in umso gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe auf Forschungserkenntnisse st\u00fctzen und so zielgerichtet wie nur m\u00f6glich vorgehen, unter Ber\u00fccksichtigung nicht nur der Perspektiv-, sondern auch der Normativprognosen. Die um sich greifende Armut, die immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Ausma\u00dfe der menschlichen Leiden, die Zerst\u00f6rung der Umwelt und die wachsenden internationale Spannungen sind nicht nur verbunden mit der Ungerechtigkeit und den sozialen Widerspr\u00fcchen, sie werden schlicht von diesen herbeigef\u00fchrt. Sie sind nat\u00fcrliche Produkte einer \u00fcberholten Produktionsweise, einer \u00fcberlebten Gesellschaftsordnung. Folglich m\u00fcsste man in der \u00c4ra der Zusammenarbeit und der wechselseitigen Verantwortung auch die Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen, dass die eigentlichen Ursachen der Armut, der Leiden, der sozialen Widerspr\u00fcche liquidiert werden und aufh\u00f6ren, jene Auswirkungen nach sich zu ziehen, die wir heute beobachten. <strong>Unter dem Blickwinkel einer Perspektivprognose l\u00e4sst sich alles, was oben gesagt wurde, in Form einiger Wahrscheinlichkeitsszenarien darstellen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Szenarium Nr. 1<\/strong>: Das Wachstum der Erdbev\u00f6lkerung verlangsamt sich weiterhin unbedeutend. Der Mangel an Lebensmitteln erreicht in einigen Entwicklungsl\u00e4ndern allm\u00e4hlich ein kritisches Niveau, muss zunehmend durch Lieferungen aus L\u00e4ndern wettgemacht werden, die Nahrungsmittel exportieren. Die Ausma\u00dfe des Elends und Hungers wachsen auf der Erde in direktem Verh\u00e4ltnis zum Bev\u00f6lkerungswachstum . Die fortdauernde Offensive gegen die Krankheiten schr\u00e4nkt allm\u00e4hlich die Ma\u00dfst\u00e4be der Verbreitung der parasit\u00e4ren Infektionen, Herz- und Kreislauferkrankungen, der Krebs-, der Nerven- und der Geisteskrankheiten ein, doch wird dieser Prozess gehemmt durch mangelhafte Ern\u00e4hrung, Analphabetentum und niedrige Kultur, durch unhygienische Lebensbedingungen, Verschmutzung der nat\u00fcrlichen Umwelt, Suburbanisierung und Arbeitslosigkeit, Sittenverfall und Rauschgiftsucht sowie durch andere negative soziale Faktoren. Der prozentm\u00e4\u00dfige Anteil der Analphabeten (und \u00fcberhaupt der Menschen mit niedrigem kulturellen Niveau) geht allm\u00e4hlich zur\u00fcck, doch ihre absolute Anzahl vergr\u00f6\u00dfert sich auf etwa 1,1 Milliarde und sogar mehr, wird also vergleichbar der Gr\u00f6\u00dfe der Erdbev\u00f6lkerung in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Die Konzentration der Bev\u00f6lkerung in den gro\u00dfen und super gro\u00dfen St\u00e4dten dauert an. Der Anteil der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung \u00fcbersteigt im Weltma\u00dfstab die H\u00e4lfte und n\u00e4hert sich zwei Dritteln, in den Industriel\u00e4ndern sind es sogar 90% und mehr. Davon konzentriert sich wiederum der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil in Gro\u00dfst\u00e4dten mit jeweils 500.000 Einwohnern und mehr. Unter diesen \u00fcberwiegt ihrerseits zunehmend die Bev\u00f6lkerung in Ballungsgebieten mit jeweils 10 Millionen Einwohnern und mehr. Abweichendes Verhalten in allen seinen Formen, einschlie\u00dflich der Rauschgiftsucht und der Kriminalit\u00e4t, ganz besonders des organisierten Verbrechens, breitet sich weiter aus. Immer gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe nimmt auch die Umweltverschmutzung an. Es wachsen die Preise f\u00fcr alle Arten von Mineralstoffen, f\u00fcr Holz und f\u00fcr S\u00fc\u00dfwasser, dies erfordert eine entsprechende Umgestaltung der Energie- und Rohstoffpreise der Produktion, der st\u00e4dtischen kommunalen Wirtschaft und des Verkehrs, der Kultur und der Lebensbedingungen der Menschen. Der Anteil der voll- beziehungsweise teilweise Arbeitslosen steigt in der kapitalistischen Welt etwa auf die H\u00e4lfte der erwachsenen Bev\u00f6lkerung im erwerbst\u00e4tigen Alter an. Das Wettr\u00fcsten kostet die Menschheit nicht mehr Milliarden, sondern Billionen Dollar, und seine Last wird allm\u00e4hlich vergleichbar mit den Belastungen der Kriegszeit in etwa in der Vergangenheit. Soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeiten nehmen immer gr\u00e4sslichere Formen an, die Unterjochung des Menschen und die Unterdr\u00fcckung seiner Pers\u00f6nlichkeit werden immer raffinierter. Die Welt bewegt sich unentwegt auf einen neuen alles vernichtenden Weltkrieg zu. Bei einer Extrapolation dieser Tendenz in noch fernere Zukunft &#8211; bis in die zweite H\u00e4lfte des einundzwanzigsten Jahrhunderts \u2013 ist ein Hin\u00fcberwachsen der gegenw\u00e4rtigen problematischen Situation in eine kritische mit allen entsprechenden Konsequenzen unvermeidlich.<\/p>\n<p><strong>Szenarium 2:<\/strong> Alle L\u00e4nder der Welt gehen bis zum Jahr 2000 zu einer bewussten Familienplanung \u00fcber. Die Zahl der Kinder betr\u00e4gt zwei bis drei je Familie, bleibt also auf dem Niveau der einfachen Reproduktion. Danach w\u00e4chst die Erdbev\u00f6lkerung gem\u00e4\u00df dem Tr\u00e4gheitsgesetz in rasch abnehmendem Tempo noch etwa ein Jahrhundert lang und stabilisiert sich gegen Ende des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf etwa 7,5 bis 8,5 Milliarden. Die Landwirtschaft der Entwicklungsl\u00e4nder erreicht allm\u00e4hlich das Niveau der Industriestaaten, wobei auch die Ressourcen der Weltmeere auf effektivere Weise genutzt werden. Hungersnot und Armut verschwinden allm\u00e4hlich, obwohl sie der Erdbev\u00f6lkerung noch viele Jahrzehnte in bedeutendem Ausma\u00df zu schaffen machen. Dasselbe geschieht mit dem Analphabetentum und dem Mangel an Kultur wie der hygienischen Lebensbedingungen. Die Spannung in den internationalen Beziehungen (die einen selbstst\u00e4ndigen sozialen Faktor darstellt) macht der Entspannung Platz, an die Stelle des Wettr\u00fcstens tritt eine teilweise und dann vollst\u00e4ndige Abr\u00fcstung, wobei die frei werdenden Mittel f\u00fcr friedliche Zwecke verwendet werden. Die Verbreitung der parasit\u00e4ren Infektionskrankheit en wird auf ein Mindestma\u00df reduziert, es sind beachtliche Erfolge im Kampf gegen die Herz- und Kreislauferkrankung en, die Krebs-, die Nerven- und die Geisteskrankheiten sowie gegen die Verkehrs-, Betriebs- und Alltagsunf\u00e4lle zu verzeichnen. Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen erh\u00f6ht sich dadurch \u00fcberall auf mindestens 80 bis 90 Jahre. Das System der Volksbildung erreicht allm\u00e4hlich jenes Entwicklungsniveau, das den Bed\u00fcrfnissen der gesellschaftlichen Produktion in der Welt gerecht wird. Aus den durch die allgemeine Entmilitarisierung gewonnenen Mitteln werden Hunderte Millionen zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze geschaffen. Dies geschieht im Rahmen verschiedener sozialer Programme (im Bereich der Volksbildung, des Gesundheitswesens und der Kultur) sowie im Rahmen von Programmen des St\u00e4dte- und Stra\u00dfenbaus wie auch der weltweite Nutzbarmachung und Neugestaltung der Erdoberfl\u00e4che. Die Konzentration der Menschen in gro\u00dfen und supergro\u00dfen St\u00e4dten wird durch die zielgerichtete Politik einer rationellen (optimalen) Verteilung der Bev\u00f6lkerung gebremst. Der Verschmutzung der Umwelt wird durch den Ausbau abfallfreier Produktion und Konsumtion sowie durch die Reduzierung jener T\u00e4tigkeit ein Riegel vorgeschoben, die auf die Befriedigung von Pseudobed\u00fcrfnissen gerichtet ist. Mit den gleichen und \u00e4hnlichen allgemein bekannten Methoden kompensiert man in bedeutendem Ma\u00dfe den unabwendbar wachsenden Mangel an Rohstoffen. Die Ausma\u00dfe der gef\u00e4hrlichsten Arten abweichenden Verhaltens sowie in gewissem Umfang die Ausma\u00dfe der Ungleichheit und Ungerechtigkeiten, der Unterjochung und Unterdr\u00fcckung verringern sich stetig, obwohl f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige \u00dcberwindung dieser sozialen \u00dcbel verst\u00e4ndlicherweise grundlegende soziale Ver\u00e4nderung im Weltma\u00dfstab erforderlich sind Wie wir sehen, liegt die L\u00f6sung der heutigen globalen Probleme durchaus im Rahmen des M\u00f6glichen. Wir haben an diese Stelle bewusst von der M\u00f6glichkeit und der Notwendigkeit sozialer Umgestaltungen im Ma\u00dfstab der ganzen Welt abstrahiert, denn dann w\u00fcrden wir unweigerlich den normativen Aspekt der Angelegenheiten ber\u00fchren, zu dem ich im abschlie\u00dfenden Teil dieses Kapitels \u00fcbergeben werden Wichtig ist, dass unser oberes Extrem auch bei einer solchen Einschr\u00e4nkung einem Szenarium normativen Charakter \u00e4u\u00dferst nahe liegt. Dies zeugt von der Realit\u00e4t der sozialen Zielsetzungen des Kampfes f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung, f\u00fcr eine neue, gerechte \u00f6konomische und soziale Ordnung in den internationalen Beziehungen, gegen Hungersnot und Armut, gegen Krankheiten und Kriminalit\u00e4t, f\u00fcr eine rationelle Bev\u00f6lkerungsverteilung und Besch\u00e4ftigung, sowie f\u00fcr eine saubere Umwelt, das hei\u00dft des Kampfes f\u00fcr die \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen problembeladenen Situation<\/p>\n<p><strong>Szenarium 3:<\/strong> Zu dem Wettr\u00fcsten gesellt sich ein \u201eBev\u00f6lkerungswettlauf\u201c, das Bestreben einzelner L\u00e4nder, anderen aus nationalistischen Beweggr\u00fcnden bei der Geburtenh\u00e4ufigkeit den Rang abzulaufen. Im Ergebnis w\u00e4chst die Weltbev\u00f6lkerung mindestens im heutigen oder gar noch gr\u00f6\u00dferem Tempo ununterbrochen in der ganzen \u00fcberschaubaren Zukunft und erreicht eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von Dutzenden Milliarden von Menschen. Bleibt man im Rahmen der realen Wirklichkeit, so muss man erkennen, dass in einem solchen Trend keine noch so gro\u00dfen Erfolge der Agrartechnik gestatten werden, alle Hungrigen satt zu machen, und keine Erfolge der Medizin den parasit\u00e4ren Infektionskrankheiten einen Riegel vorschieben k\u00f6nnen. Die Ausma\u00dfe der Armut, der Hungersnot und der Erkrankungen werden unweigerlich zunehmen, begleitet von sich ebenso zuspitzenden Konflikten innen- und au\u00dfenpolitischen Charakters. F\u00fcgt man das gegen\u00fcber dem jetzigen noch h\u00f6here Tempo des Wettr\u00fcstens hinzu, werden die Belastungen derart \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00df sein, dass sich die Bev\u00f6lkerung vieler L\u00e4nder in einer Situation wiederfinden wird, wie sie f\u00fcr die Zeit des Ersten oder des Zweiten Weltkriegs charakteristisch war, und zwar auch dann, wenn es nicht zu direkten Kriegshandlungen kommt, obwohl es bei einer derartigen Situation fast ununterbrochen bewaffnete Auseinandersetzung regionalen Charakters geben wird. Entsprechend verbreiten sich Analphabetentum und Kriminalit\u00e4t, die Konzentration riesiger Menschenmassen in supergro\u00dfen St\u00e4dten und die Arbeitslosigkeit, die Verschmutzung der Umwelt und die Verknappung der Natursch\u00e4tze. Es kommt nicht blo\u00df zur Unterjochung der Menschen und zur Unterdr\u00fcckung der Pers\u00f6nlichkeit &#8211; im Weltsystem des Kapitalismus tritt die Situation eines totalen Ausnahmezustands ein, der geringste Protest wird brutalster Weise polizeilich niedergeschlagen. Wir sehen hier bewusst von der j\u00e4h zunehmenden M\u00f6glichkeit eines neuen Weltkriegs ab, denn dies w\u00fcrde einen raschen \u00dcbergang von der problematischen zur katastrophalen Situation, m\u00f6glicherweise auch \u00fcber das Stadium des Heranreifens einer kritischen Situation hinweg, also den \u00dcbergang zu einem qualitativ neuen Zustand bedeuten, der ein grunds\u00e4tzlich neues Prognoseszenarium erfordert. Doch es ist auch ohnehin offensichtlich genug, dass unter solchen Umst\u00e4nden ein Hin\u00fcberwachsen der Problemsituation in eine kritische nicht erst im einundzwanzigsten Jahrhundert, sondern schon im n\u00e4chsten Jahrzehnt bzw. in den n\u00e4chsten beiden Jahrzehnten unabwendbar sein wird.<\/p>\n<p><strong>Szenarium 4<\/strong> Es stellt sich die Frage, ob ein solches Szenarium in dem von uns behandelten prognostischen Kontext \u00fcberhaupt eine Existenzberechtigung hat, denn unter den r\u00fcckwirkenden Faktoren spielen subjektive Aspekte des Kampfes zwischen den fortschrittlichen und reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften der Welt eine ausgesprochen gro\u00dfe Rolle, bei dem es darum geht, in welcher Richtung sich die Menschheit entwickeln soll. Deshalb muss der Forscher unbedingt den normativen Aspekt und vor allem solche Faktoren wie die Zielsetzungen, die Planungen, die laufenden Entscheidungen politischen Charakters in Betracht ziehen. In Abh\u00e4ngigkeit vom Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis, vom Charakter und von den Realit\u00e4ten dieses Kampfes weist der Zeiger des wahrscheinlichsten Trends von der Linie der mechanischen Extrapolation in Richtung des oberen beziehungsweise unteren Extrems ab, und zwar genau so weit, wie intensiv dieser Kampf ist und wie schwer seine Resultate ins Gewicht fallen. Unter diesem Blickwinkel ist es unseres Erachtens falsch und unvern\u00fcnftig, sich in ungerechtfertigter Sicherheit zu wiegen und darauf zu hoffen, dass uns das Schicksal schon nicht im Stich lassen werde. Doch dann stellt sich logischerweise die Frage nach einer Normativprognose, die Frage, f\u00fcr welche Art von Welt der Kampf gef\u00fchrt werden muss, wie jene Welt beschaffen sein soll, in der wir leben m\u00f6chten. <strong>Wenn man auf dem Boden einer wissenschaftlichen Prognose bleibt, muss man sich unweigerlich auf ganz allgemeine, grunds\u00e4tzliche qualitativer Charakteristika jener Welt der Zukunft beschr\u00e4nken, die man sich w\u00fcnschen kann. Die ausschlaggebende Charakteristik setzt sich aus folgenden Parametern zusammen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Parameter 1:<\/strong> Verwandlung der Arbeit in das erste Lebensbed\u00fcrfnisse der Menschen. Vorerst ist die Arbeit f\u00fcr die meisten Menschen ein Mittel, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie kann sich nur dann in ein Bed\u00fcrfnis verwandeln, wenn die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen liquidiert wird und der materielle Lebensstandard, die Kultur und das Bewusstsein der Menschen ein sehr hohes Niveau erreichen.<\/p>\n<p><strong>Parameter 2<\/strong>: H\u00f6chstm\u00f6gliche Arbeitsproduktivit\u00e4t auf der Basis der komplexen Mechanisierung, Automatisierung und Kybernetisierung der Produktion, ohne die wiederum auch die Verwandlung der Arbeit in das erste Lebensbed\u00fcrfnis der Menschen nicht m\u00f6glich ist. Sobald jegliche schwere, monotone, wenig verlockende Arbeit der Mechanik, Automatik und Elektronik \u00fcberlassen wird, bieten sich breitere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit, in der sich die allseitigen Begabungen des Menschen voll entfalten kann. Eine hohe Arbeitsproduktivit\u00e4t, Mechanik, Automatik und Elektronik haben jedoch ohne eine sch\u00f6pferische Einstellung zur Arbeit als Lebensbed\u00fcrfnisse kaum einen selbstst\u00e4ndigen Wert. Alles h\u00e4ngt von der jeweiligen Gesellschaftsordnung, h\u00e4ngt davon ab, um welche Ziele Willen wird die Mechanik, Automatik und Elektronik zum Einsatz gelangen und welchen Platz dabei die Pers\u00f6nlichkeit erh\u00e4lt<\/p>\n<p><strong>Parameter 3:<\/strong> \u00dcberfluss an materiellen und geistigen G\u00fctern und eine vollst\u00e4ndige Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse der Pers\u00f6nlichkeit und der Gesellschaft sichern. Hier gibt es zwei sich gegenseitig beeinflussende Aspekte. Erstens geht es um die vollst\u00e4ndige Befriedigung rationeller, vern\u00fcnftiger Bed\u00fcrfnisse, die eine objektive Grundlage haben. Diese Befriedigung h\u00e4ngt davon ab, was die jeweilige Gesellschaft der Pers\u00f6nlichkeit bieten kann und was f\u00fcr Prinzipien der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu Grunde liegen. Zweitens ist die Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse allseitig und harmonisch entwickelte Menschen gemeint, deren Kultur und Bewusstsein ein hohes Niveau aufweisen und f\u00fcr die nicht die Anh\u00e4ufung materieller G\u00fcter, sondern sch\u00f6pferische Arbeit das wichtigste Lebensbed\u00fcrfnis ist.<\/p>\n<p><strong>Parameter 4 und 5<\/strong>: Volle soziale Gleichheit und Gerechtigkeit. Die Gleichheit bedeutet dabei nicht dass alle gleich sein m\u00fcssen. Da wird es durchaus Unterschiede geben, erstens in Bezug auf die F\u00e4higkeiten, zweitens in Bezug auf Geschmack, Bed\u00fcrfnisse und Gewohnheiten, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, drittens in Bezug auf die berufliche Ausbildung und das Qualifikationsniveau der Arbeitskr\u00e4fte (denn die Wirtschaft und Kultur jedes Landes werden in jedem Entwicklungsstadium in einem bestimmten Verh\u00e4ltnis Fachkr\u00e4fte verschiedener Berufe und mit unterschiedlichem Qualifikationsniveau ben\u00f6tigen), viertens in Bezug auf die reale Leistung des konkreten Menschen. Gleich sein kann bei voller sozialer Gleichheit nur der Zugang zur Arbeit als (als erstes Lebensbed\u00fcrfnis) , zur Verwaltung der Gesellschaft, zu den materiellen und geistigen G\u00fctern, zu allen sozialen Werten, die f\u00fcr die allseitige Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit notwendig sind. Was die Kategorie Gerechtigkeit angeht, so setzt sie voraus, dass der reale Wert der einzelnen Individuen beziehungsweise sozialen Gruppen in der gesellschaftlichen Produktion und \u00fcberhaupt im Leben der Gesellschaft und deren soziale Stellung, dass die Rechte und Pflichten, die Leistungen und ihre W\u00fcrdigung, die Arbeit und deren Entlohnung, die Schuld und die S\u00fchne usw. einander entsprechen m\u00fcssen. Aus dieser Sicht bildet die Gleichheit eine der wichtigsten Voraussetzungen der Gerechtigkeit, denn gemeint ist das gleiche Verh\u00e4ltnis aller Mitglieder der Gesellschaft zu den Produktionsmitteln, die politische und nationale Gleichberechtigung sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau. All das schlie\u00dft jegliche Diskriminierung irgendeiner sozialen Gruppe der Bev\u00f6lkerung vollst\u00e4ndig aus<\/p>\n<p><strong>Parameter 6<\/strong>: Vollst\u00e4ndige soziale Ausgeglichenheit der Gesellschaft. Damit ist gemeint, dass die Produktionsmittel Eigentum des ganzen Volkes sind, dass alle gleichwertige inhaltsvolle Arbeit verrichten und die Unterschiede zwischen den Klassen verschwinden. Diese These hat nichts gemein mit der utopischen Forderung des Kasernenkommunismus nach einer gewaltsamen Liquidierung jeglicher Unterschiede zwischen den Individuen beziehungsweise Gruppen von Individuen. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder einander in jeder Hinsicht bis aufs Haar gleichen, ist nichts weiter als eine grauenvolle Antiutopie. Doch es gibt Unterschiede und Unterschiede. Zeugen die Unterschiede vom Fehlen der Gleichheit und Gerechtigkeit, so m\u00fcssen sie nat\u00fcrlich \u00fcberwunden werden. Stehen die Unterschiede jedoch in keinem Widerspruch zu den Grunds\u00e4tzen der Gleichheit und Gerechtigkeit, so zeugen sie lediglich vom Reichtum und vom hohen kulturellen Entwicklungsstand der Gesellschaft<\/p>\n<p><strong>Parameter 7:<\/strong> Herausbildung einer einheitlichen internationalen Menschengemeinschaft. Dieser Grundsatz hat wiederum nichts zu tun mit einer Politik der Assimilation, der gewaltsamen Abschaffung der Nation. Die Ann\u00e4herung der Nationen setzt das Aufbl\u00fchen der nationalen Kultur voraus. Es gilt, die reaktion\u00e4ren, \u00fcberholten nationalen Traditionen restlos zu \u00fcberwinden, alles Wertvolle und Fortschrittliche jedoch zu bewahren. Reichtum und Vielfalt der fortschrittlichen nationalen Traditionen bilden einen wichtigen Bestandteil des geistigen Reichtums der Menschheit.<\/p>\n<p><strong>Parameter 8 und 9<\/strong>: \u00dcberwindung der Gegens\u00e4tze und der wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen der k\u00f6rperlichen oder geistigen Arbeit. Es geht nicht darum, D\u00f6rfer in St\u00e4dte und k\u00f6rperliche Arbeit in geistig zu verwandeln oder umgekehrt. Es kommt darauf an, den St\u00e4dtebau so zu optimieren, dass man eine widernat\u00fcrliche Konzentration riesiger Menschenmassen in supergro\u00dfen St\u00e4dten einerseits und die Abgeschiedenheit des l\u00e4ndlichen Lebens andererseits vermeiden kann. Man muss den St\u00e4dten den gleichen Zugang zur Natur, zum Gr\u00fcn, dem klaren Wasser und zur reinen Luft wie auf dem Land sichern und gew\u00e4hrleisten, dass die Arbeits-, Einkaufs- und Kulturst\u00e4tten zu Fu\u00df erreichbar sind und alle die M\u00f6glichkeit haben, mit ihren Mitmenschen zu verkehren und sich als lebendige Teilchen der ganzen Gesellschaft f\u00fchlen k\u00f6nnen. Den Landbewohnern dagegen ebenso wie in der Stadt Komfortwohnungen, eine kulturelle und kommunale Betreuung auf hohem Niveau, mannigfaltige Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten und M\u00f6glichkeiten des gegenseitigen Verkehrs wie auch die anderen G\u00fcter der st\u00e4dtischen Zivilisation bieten. Ebenso setzt \u00dcberwindung des Gegensatzes zwischen der k\u00f6rperlichen und der geistigen Arbeit das Vorhandensein von Fachkr\u00e4ften mit hoher Allgemeinheit wie auch berufliche Kultur voraus, die mit den H\u00e4nden und mit dem Kopf gleich gut arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Parameterziffer 10:<\/strong> Hohes Niveau der materiellen oder geistigen Kultur des t\u00e4glichen Lebens bei vollst\u00e4ndiger tats\u00e4chlicher Gleichberechtigung der Frau. Hier kommt es auf eine komplexe Mechanisierung und Automatisierung der Haushalte an, die es gestattet, den Zeitaufwand bei der Arbeit im Haushalt zu verringern und den Inhalt dieser Arbeit auf ein h\u00f6heres Niveau zu heben. Das wichtigste ist der Inhalt des t\u00e4glichen Lebens und der Freizeit als solcher. Mit wahrer Kultur haben weder die endlose abstumpfende Hausarbeit, noch die Jagd nach materiellen G\u00fctern, noch jegliche Methoden, die Freizeit um die Ecke zu bringen, etwas gemeinsam. Wahre Kultur bedeutet sch\u00f6pferische Arbeit, sie bedeutet, dass man der Sch\u00e4tze der Wissenschaft und Kunst teilhaftig wird und seinen eigenen, wenn auch geringen, Beitrag zur Vergr\u00f6\u00dferung dieser Sch\u00e4tze leistet; sie bedeutet auch gesunde, aktive Erholung.<\/p>\n<p><strong>Parameter 11:<\/strong> Eine gl\u00fcckliche, stabile Familie, die auf der Liebe und der Gemeinsamkeit der Interessen aller ihrer Mitglieder beruht. Die Familie stellt bekanntlich eine ebenso historische Erscheinung dar wie, sagen wir, der Staat, deshalb ist es immer wichtig zu pr\u00e4zisieren, was f\u00fcr eine Familie gemeint ist. Wenn man die patriarchalische Familie nimmt. Die auf der Gewalt, auf der physischen Herrschaft des Familienoberhaupts \u00fcber die Frau und die Kinder beruht, welche seinerzeit \u00fcberhaupt als Bestandteil des Besitzes des Hausherrn, beinahe ebenso wie Hausvieh betrachtet wurden, so verschwindet die von der B\u00fchne der Geschichte. Geht es um die b\u00fcrgerliche Familie, die auf dem Prinzip der Berechnung des Vorteils, der \u00f6konomischen Herrschaft des Familienoberhaupts \u00fcber die Mitglieder dieser Familie beruht, so ist eine solche Familie historisch gleichfalls zum Untergang verurteilt. Doch es gibt auch eine solche Familie, deren Basis auf der Liebe und der Gemeinsamkeit der geistigen Interessen beruhende Gemeinschaft von Mann und Frau bildet. Diese Familie sichert ihren Mitgliedern ein vollwertiges Leben, eine vollwertige Erziehung des Nachwuchses, eine normale Reproduktion der folgenden Generation in quantitativer wie qualitativer Hinsicht.<\/p>\n<p><strong>Parameter 12:<\/strong> Volle Harmonie der Interessen der Pers\u00f6nlichkeit und der Gesellschaft. Dies kann man erfahrungsgem\u00e4\u00df nur beim Vorhandensein einer politisch-moralischen Einheit des Volkes in einer klassenlosen Gesellschaft erreichen, in der ein \u00dcberschuss an materiellen und geistigen G\u00fctern und volle soziale Gleichheit und Gleichberechtigung herrschen und deren Mitglieder ein H\u00f6chstma\u00df an Bewusstsein an den Tag legen.<\/p>\n<p><strong>Parameter 13<\/strong>: Gesellschaftliche Selbstverwaltung als Anliegen des ganzen Volkes, unmittelbare Teilnahme breiter Volksmassen an der Leitung der gesellschaftlichen Produktion und der Gesellschaft selbst. Bei der Entwicklung der gesellschaftlichen Selbstverwaltung unter den Bedingungen einer klassenlosen Gesellschaft von globalem Ausma\u00df werden spezielle staatliche Verwaltungsorgane und der Staat selbst entbehrlich.<\/p>\n<p><strong>Parameter 14:<\/strong> Ausrottung aller asozialen Erscheinung. Dieses Merkmal bedarf keiner besonderen Erl\u00e4uterung. Es liegt auf der Hand, das Rauschgift- und Trunksucht, Rowdytum und andere Formen der Verletzung der \u00f6ffentlichen Ordnung, Schwarzm\u00e4rkte und Kriminalit\u00e4t sich mit der Welt, in der man leben m\u00f6chte, auf keinerlei Weise vereinbaren lassen.<\/p>\n<p><strong>Parameter 15:<\/strong> Freie Entfaltung der F\u00e4higkeit jedes Menschen. Die hier auftretenden Schwierigkeiten haben eine objektive Seite, die verbunden ist mit der ungen\u00fcgend hohen Produktivit\u00e4t der gesellschaftlichen Arbeit, mit dem Entwicklungsstand der Wirtschaft und Kultur. Sie haben aber auch einen subjektiven Aspekt, der vorwiegend mit den M\u00e4ngeln im System der Bildung, der sozialen Kontrolle, der Organisation und der F\u00f6rderung der Arbeit zusammenh\u00e4ngt. Es kommt darauf an, dass jeder seinen Platz im Leben findet, dass seine Pers\u00f6nlichkeit zur vollen Entfaltung gelangen, Erfolge erreichen kann.<\/p>\n<p><strong>Parameter 16:<\/strong> Allseitige Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit, die geistigen Reichtum, moralische Reinheit und k\u00f6rperliche Vollkommenheit miteinander verkn\u00fcpft. Stellt die erste der oben genannten Charakteristika in gewissem Sinne das prim\u00e4re, dass Sch\u00fcsselmerkmal dar, so handelt es sich bei der letzten um das abschlie\u00dfende Merkmal, denn es geht hierbei um das Endziel des Aufbaus einer neuen Gesellschaft und den Selbstzweck der Entwicklung dieser Gesellschaft. Alles andere &#8211; die Arbeitsproduktivit\u00e4t, der \u00dcberschuss, die Gleichheit, die Gerechtigkeit &#8211; sind Voraussetzung f\u00fcr die allseitige Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit. Sogar der Dienst an der Gesellschaft, der Dienst an der Menschheit als h\u00f6chster Zweck des menschlichen Lebens f\u00fchrt dialektisch wiederum zur allseitigen Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit in voller Harmonie mit der Gesellschaft. Ebenso ist die L\u00f6sung der globalen Probleme der Gegenwart in letzter Konsequenz eben eine Voraussetzung f\u00fcr die allseitige Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit, sei es die Durchf\u00fchrung grundlegender sozialer Umgestaltung, der Aufbau einer Welt ohne Waffen, ohne Soldaten und Kriege, die \u00dcberwindung der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit und der Armut, die Optimierung der Energietr\u00e4ger- , der Rohstoff-, der Lebensmittel- , der Verkehrs- und der Handelsbilanz im Weltma\u00dfstab, die Sicherung eines globalen \u00f6kologischen und demographischen Gleichgewichts, die Erh\u00f6hung der Effektivit\u00e4t der Bildungs- und Kultureinrichtungen, der Institutionen des Gesundheitswesens und der Verwaltung, die \u00dcberwindung antisozialer Erscheinungen oder die Intensivierung der T\u00e4tigkeit der internationalen Organisation. 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