{"id":4610,"date":"2017-09-16T23:35:26","date_gmt":"2017-09-16T21:35:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=4610"},"modified":"2017-09-16T23:35:26","modified_gmt":"2017-09-16T21:35:26","slug":"nein-zum-krieg-gegen-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=4610","title":{"rendered":"Nein zum Krieg gegen Syrien!"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Rede von Sebastian Bahlo, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes im Rahmen des Weltfriedenstags, Frankfurt\/Main, 2.9.2017:<\/strong><\/h3>\n<p><em>&#8222;Liebe Friedensfreunde, Syrienverteidiger, geehrte Frankfurter B\u00fcrger, gestern gab es aus dem Umfeld der DGB-Gewerkschaften zum ersten Mal seit 40 Jahren in Frankfurt wieder eine Kundgebung zum Antikriegstag unter freiem Himmel. In allen Jahren zuvor wurden nur Saalveranstaltungen gemacht. Das ist sehr anerkennenswert. Es wurde auch ein sehr passender Ort gew\u00e4hlt. In der Gallusanlage gibt es das so genannte Opferdenkmal. Eine Skulptur mit einer interessanten Geschichte, die an alle Opfer, also nicht nur die deutschen, des Ersten Weltkriegs erinnert.<\/em><\/p>\n<p><em>Das zentrale Thema fast aller Redebeitr\u00e4ge bei dieser gestrigen Gewerkschaftskundgebung war R\u00fcstung. Man sprach sich gegen R\u00fcstungsproduktion und vor allem gegen Waffenexporte aus. Ich will nicht schlecht \u00fcber die Kollegen sprechen, die haben nat\u00fcrlich die besten Absichten, und jeder Mensch, der gegen Krieg auf die Stra\u00dfe geht, verdient unseren Respekt.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber es f\u00e4llt doch auf, dass diese R\u00fcstungskritik immer sehr an der Oberfl\u00e4che bleibt. Man sagt: Krieg ist schlimm, ohne Waffen g\u00e4be es keinen Krieg, deshalb m\u00fcssen die Waffen weg. Aber das ist leider eine Illusion. Krieg ist eine Sache zwischen Menschen, die Waffen schie\u00dfen nicht von selbst. Und wenn es keine Drohnen und keine Atomraketen, keine Panzer, M\u00f6rser, Handfeuerwaffen usw. mehr g\u00e4be, dann g\u00e4be es immer noch \u00c4xte und Messer, und die gesellschaftliche Ursache des Kriegs w\u00e4re immer noch nicht beseitigt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die R\u00fcstungskritiker scheuen sich auch, zwischen Aggression und Verteidigung zu unterscheiden. Ich war gestern sehr erstaunt, als in Bezug auf die Koreakrise sowohl Donald Trump als auch Kim Jong Un aufgerufen wurden, die Waffen schweigen zu lassen. Sehen deutsche Kriegsgegner denn nicht den fundamentalen Unterschied zwischen der gr\u00f6\u00dften Atommacht der Welt, der einzigen, die jemals Atombomben eingesetzt hat, und zwar gegen bewohnte Gro\u00dfst\u00e4dte, an deren H\u00e4nden das Blut von dutzenden Millionen Menschen klebt, die seit Jahrzehnten Nordkorea bedroht und mehrmals j\u00e4hrlich Milit\u00e4rman\u00f6ver dicht vor der nordkoreanischen Grenze abh\u00e4lt, einerseits und andererseits einem Land, das zur Sicherung seiner friedlichen Entwicklung ein atomares Abschreckungspotential entwickelt hat, um nicht mehr erpressbar zu sein? Haben sich die deutschen Kriegsgegner noch nie \u00fcberlegt, dass diese kluge Politik Nordkoreas einen Krieg vielleicht schon seit Jahren verhindert?<\/em><\/p>\n<p><em>Ein anderer erstaunlicher Satz fiel gestern, und der f\u00fchrt mich zu unserem eigentlichen Thema: Es wurde gesagt, man k\u00f6nne den &#8222;IS&#8220; nicht mit Waffen besiegen. Alle hier Anwesenden wissen, dass die Syrische Armee gerade dabei ist, unterst\u00fctzt von ihren Verb\u00fcndeten Russland, Iran und Hisbollah, den &#8222;IS&#8220; mit Waffen zu besiegen!<\/em><\/p>\n<p><em>Ich sage das alles nicht, um die Kollegen schlecht zu machen. Ich sage es, um zu verdeutlichen, wie wichtig unsere Demonstration ist, die mit ihren Aussagen und Forderungen nicht an der Oberfl\u00e4che bleibt, sondern konkret wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Denn auch diese Fehleinsch\u00e4tzung, dass der &#8222;IS&#8220; nicht mit Waffen besiegt werden k\u00f6nne, hat ihren Grund darin, dass der Krieg in Syrien von diesen Kriegsgegnern \u00fcberhaupt nicht richtig analysiert worden ist. Wer ist der Aggressor, und wer verteidigt die Souver\u00e4nit\u00e4t des angegriffenen Landes und damit den Frieden? Leider haben sich viele Menschen, auch wenn sie beste Absichten haben, nicht von den Einfl\u00fcssen der uns\u00e4glichen L\u00fcgenhetze befreit, die seit sechs Jahren von den Massenmedien gegen die syrische Regierung betrieben wird. Sie denken dann, in Syrien sind alle Seiten b\u00f6se, und das einzig Gute, was man den Menschen dort tun kann, ist, sie erstens als Fl\u00fcchtlinge bei uns aufzunehmen, und zweitens keine Waffen nach Syrien, egal an welche Seite zu liefern.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Tatsache ist, dass feindliche M\u00e4chte, allen voran die USA und andere f\u00fchrende NATO-L\u00e4nder, in enger Kollaboration mit dem NATO-Land T\u00fcrkei, aber auch Saudi-Arabien und Katar eine so genannte Regime-Change-Strategie in Syrien verfolgt haben. Dabei wird ein Land unter Ausnutzung innerer Widerspr\u00fcche, die es nat\u00fcrlich immer gibt, destabilisiert, indem eine so genannte &#8222;Oppositionsbewegung&#8220; aufgebaut wird, die sich zwar mit ein paar politischen Forderungen bem\u00e4ntelt, aber haupts\u00e4chlich Terror gegen Staat, Bev\u00f6lkerung und Infrastruktur ver\u00fcbt. Die notwendige und rechtm\u00e4\u00dfige Gegenwehr des Staates wird dann auf internationaler Ebene als &#8222;Unterdr\u00fcckung der Opposition&#8220; verleumdet und als Rechtfertigung f\u00fcr aggressive Ma\u00dfnahmen von au\u00dfen, von Sanktionen bis zu direkten milit\u00e4rischen Angriffen, benutzt.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Gegen die Regime-Change-Strategie<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<em>Erfunden hat diese Strategie Adolf Hitler. Nach diesem Muster brachte er 1938 England und Frankreich dazu, seiner Annexion der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei zuzustimmen, da die deutsche Minderheit angeblich vor dem Terror der Prager Regierung gesch\u00fctzt werden musste.<\/em><\/p>\n<p><em>Gesehen haben wir diese Strategie 1999 in Jugoslawien, als kosovo-albanische Terroristen mit ausl\u00e4ndischer Unterst\u00fctzung einen Krieg begannen, der von den westlichen L\u00fcgenschleudern als serbische Schl\u00e4chterei an den Albanern dargestellt wurde, um den verbrecherischen NATO-Angriffskrieg zu rechtfertigen. Nachdem dieser Krieg f\u00fcr die NATO zur Blamage geworden war, wurde im darauf folgenden Jahr in Jugoslawien die ber\u00fcchtigte Bewegung &#8222;Otpor&#8220; von westlichen Drahtziehern geschaffen, um einen Regime Change herbeizuf\u00fchren, leider erfolgreich.<\/em><\/p>\n<p><em>2011 der Krieg in Libyen: Geschickt in den Kontext des so genannten &#8222;arabischen Fr\u00fchlings&#8220; eingeflochten, lie\u00dfen die USA ihre dschihadistischen Bodentruppen von Bengasi aus einen Terrorkrieg gegen den libyschen Staat beginnen. Das &#8222;Regime&#8220; Muammar Gaddafis wurde wie \u00fcblich verteufelt. Als die libyschen Streitkr\u00e4fte dank gro\u00dfer Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung die Terroristen fast besiegt hatten, griff die NATO aus der Luft ein und verhalf ihren Sch\u00fctzlingen zur Eroberung der Hauptstadt.<\/em><\/p>\n<p><em>Libyen ist ein besonders mahnendes Beispiel f\u00fcr diese verbrecherische Strategie der Imperialisten. Noch vor sieben Jahren das Land mit dem h\u00f6chsten Lebensstandard in Afrika, ist es jetzt von Gesetzlosigkeit und Gewalt, Hunger und Elend beherrscht.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerade sehen wir, dass die Strategie schon wieder von den USA in Venezuela eingesetzt wird. Unsere Solidarit\u00e4t gilt der gro\u00dfen Mehrheit des venezolanischen Volks, seiner Regierung und Pr\u00e4sident Nicolas Maduro!<\/em><\/p>\n<p><em>Von den Kriegshetzern wird immer der Begriff Menschenrechte bem\u00fcht. Sie, denen Menschenleben v\u00f6llig egal sind, werfen Regierungen vor, dass sie die Menschenrechte verletzten. Das ist absurd, aber beeinflusst leider immer noch viele leichtgl\u00e4ubige Menschen. Die sagen dann: Aber wir k\u00f6nnen doch nicht den &#8222;Diktator&#8220; Assad unterst\u00fctzen, der sein Volk ermordet. Denen antworten wir nat\u00fcrlich auf der unmittelbaren Faktenebene: Der gew\u00e4hlte Diktator, der sein Volk so grausam ermordet, dass es aus den von den Gegnern besetzten Gebieten nach Damaskus flieht. Aber auch theoretisch ist diese ganze Menschenrechtsschutzideologie ein reiner Wahnsinn. Das Fundament aller Menschenrechte ist die Existenz eines stabilen Staates. Nur ein stabiler Staat kann Menschenrechte durchsetzen. Welche Menschenrechte gibt es in Libyen, in Somalia? Wer nach Menschenrechten schreit und gleichzeitig einen Staat zerst\u00f6rt, ist entweder verr\u00fcckt, oder ein L\u00fcgner aus der Schule von Hitler und Goebbels.<\/em><\/p>\n<p><em>Die gro\u00dfe Leistung des syrischen Volkes unter F\u00fchrung von Pr\u00e4sident Baschar al-Assad besteht darin, die Regime-Changer zur\u00fcckgeschlagen zu haben! Dies ist eine Inspiration f\u00fcr alle V\u00f6lker der Welt. Der Imperialismus ist nicht unbesiegbar. Nat\u00fcrlich hat er noch bei weitem nicht alle seine Mittel ausgesch\u00f6pft, aber die, die er bisher bereit war einzusetzen, sind gescheitert. Und wenn die USA nicht den Dritten Weltkrieg durch einen direkten Einmarsch in Syrien riskieren wollen, dann wird die syrische Armee im n\u00e4chsten Jahr den vollst\u00e4ndigen Sieg erringen und das ganze syrische Territorium wieder unter ihre Kontrolle bringen!<\/em><\/p>\n<p><em>Wir verlangen von der deutschen Regierung, beziehungsweise von der k\u00fcnftigen Regierung, da\u00df sie die Realit\u00e4t anerkennt und ihre Beteiligung am Krieg gegen Syrien beendet. Schluss mit der diplomatischen Isolierung der rechtm\u00e4\u00dfigen syrischen Regierung, Schluss mit den barbarischen Wirtschaftssanktionen, Schluss mit der Beteiligung der Bundeswehr an Milit\u00e4reins\u00e4tzen in Syrien!\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Und da gerade Wahlkampf ist, m\u00f6chte ich nicht vers\u00e4umen, darauf hinzuweisen, wer diese verbrecherische Politik zum Nachteil Syriens, aber auch zum Nachteil Deutschlands f\u00fcr die letzten vier Jahre zu verantworten hat: Die gro\u00dfe Koalition aus CDU und SPD! Diese beiden Parteien k\u00f6nnen wir am 24. September schon mal auf keinen Fall w\u00e4hlen!<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Deutschland raus aus der NATO! NATO raus aus Deutschland!<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Deutschland muss sich endlich aus der sklavischen Abh\u00e4ngigkeit von den Architekten der Neuen Weltordnung in den USA befreien. Deshalb fordern wir auch: Deutschland raus aus der NATO! NATO raus aus Deutschland! Diese Forderung werden wir auch wieder n\u00e4chsten Samstag bei der Demonstration zur Schlie\u00dfung der US-Airbase in Ramstein erheben!<\/em><\/p>\n<p><em>Zuguterletzt ein Wort zum Personenkult, der uns Verteidigern Syriens und seines Pr\u00e4sidenten immer vorgeworfen wird: Die Verehrung von Pr\u00e4sident al-Assad ist keine blinde Untert\u00e4nigkeit, sondern er hat sie sich durch seinen Mut und seine Standhaftigkeit und durch seine kluge Politik in diesen Krisenzeiten verdient! Und es ist nur selbstverst\u00e4ndlich, dass er unter diesen Bedingungen zu einer Integrationsfigur f\u00fcr den syrischen Widerstand und f\u00fcr den antiimperialistischen Kampf weltweit geworden ist!<\/em><\/p>\n<p><em>Als Freidenker \u00fcberlasse ich den Ruf, der mit &#8222;Allah&#8220; anf\u00e4ngt, anderen, und schlie\u00dfe meine Rede mit den Worten: Lang lebe Baschar al-Assad!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=24128\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neue Rheinische Zeitung<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Sebastian Bahlo, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes im Rahmen des Weltfriedenstags, Frankfurt\/Main, 2.9.2017: &#8222;Liebe Friedensfreunde, Syrienverteidiger, geehrte Frankfurter B\u00fcrger, gestern gab es aus dem Umfeld der DGB-Gewerkschaften zum ersten Mal seit 40 Jahren in Frankfurt wieder eine Kundgebung zum Antikriegstag unter freiem Himmel. 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