{"id":4692,"date":"2017-11-14T23:31:22","date_gmt":"2017-11-14T21:31:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=4692"},"modified":"2017-11-15T11:23:50","modified_gmt":"2017-11-15T09:23:50","slug":"2017-hundert-jahre-oktoberrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=4692","title":{"rendered":"2017 &#8211; Hundert Jahre Oktoberrevolution"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/WOna_WKa844\" width=\"510\" height=\"265\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">2017 &#8211; Hundert Jahre Oktoberrevolution<\/span> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Dieses epochale Ereignis, das nicht nur Russland sondern auch die Weltgeschichte nachhaltig ver\u00e4ndert hat, wurde am vergangenen Samstag, dem 30. September, vom Deutschen Freidenkerverband im Rathaus Pankow in Berlin in angemessener Weise gew\u00fcrdigt.<\/strong><\/p>\n<p>von\u00a0Rainer Rupp<\/p>\n<p>Der deutsche Freidenkerverband, der vor \u00fcber hundert Jahren aus dem Kampf der Arbeiterbewegung gegen die geistige Unterdr\u00fcckung mit Hilfe der Religion durch die herrschende Klasse hervorgegangen ist, hat guten Grund, die Gro\u00dfe Oktoberrevolution zu feiern. Denn \u00fcber viele Jahrzehnte war dieser Versuch, eine echte Alternative zum Kapitalismus und Imperialismus zu schaffen, von Erfolgen gekr\u00f6nt, die f\u00fcr die Menschheit bis dahin unvorstellbar waren.<\/p>\n<p>Aus Russland, dem r\u00fcckst\u00e4ndigsten Land Europas, dem Land des Analphabetentums, dem Land der absoluten Armut und des Hungers und der Knechtschaft der Massen, wurde innerhalb von zwei Jahrzehnten ein moderner Industriestaat mit einer hochgebildeten Arbeiterschaft und einer auf modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen bauenden, mechanisierten Landwirtschaft. Und all das hatte der neue Sowjetmensch aus eigener Kraft geschaffen, ohne ausl\u00e4ndische \u201eInvestoren\u201c und Banker, ohne die herrschende Kapitalistenklasse und ihre Profiteure, die auch heute noch ver\u00e4chtlich auf die arbeitenden Menschen herunterschauen.<\/p>\n<p>In der Sowjetunion war ein f\u00fcr alle Mal die Zeit vorbei, in der Arbeiter f\u00fcr den Kapitalisten nichts anders als Objekte waren, \u201eProduktionsfaktoren mit Ohren\u201c. Unter F\u00fchrung der KPdSU hatte die sowjetische Arbeiter- und Bauernschaft ihr Schicksal in die eigene Hand genommen; es gab schon kurz nach dem Ende des B\u00fcrgerkriegs eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit von acht Stunden am Tag, bezahlten Urlaub, kostenlose Gesundheitsversorgung und gesicherte Renten, sowie kostenlose Aus- und Weiterbildung, Recht auf Arbeit und auf ein Dach \u00fcber dem Kopf. Von diesen sozialen Menschenrechten, die \u00fcbrigens unter dem Einfluss der Sowjetunion auch in die Charter der Vereinten Nationen eingegangen sind, k\u00f6nnen auch heute die Menschen in den meisten L\u00e4ndern der Welt nur tr\u00e4umen, zum Beispiel in Brasilien und selbst in weiten Teilen der USA.<\/p>\n<p>Zwei Dinge waren f\u00fcr diese fulminante Entwicklung in der jungen Sowjetunion haupts\u00e4chlich verantwortlich: Erstens, die Entfesselung der kreativen Kr\u00e4fte des ganzen Volkes und zweitens, die Tatsache, dass die Fr\u00fcchte der gigantischen, wirtschaftlichen Errungenschaften und des technologischen Fortschrittes nicht in die Gewinnmaximierung von Konzernchefs oder in die Taschen der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Coupon-Schneider geflossen sind, sondern stattdessen die materielle Grundlage f\u00fcr die Errichtung einer neuen, sozialistischen und emanzipatorischen Gesellschaft geschaffen haben; mit dem Ziel der Verwirklichung weitreichender humanistischer Ideale, nicht nur in der UdSSR sondern f\u00fcr die gesamte Menschheit.<\/p>\n<p>Um die hundertste Wiederkehr dieses epochalen Ereignisses zu w\u00fcrdigen, waren am Samstag weit \u00fcber hundert Menschen in den mit vergoldeten Wandelementen aus der Zeit des Jugendstils reich verzierten Gro\u00dfen Saal des Rathauses Pankow in Berlin gekommen. Der war schnell mit Publikum jeden Alters \u00fcberf\u00fcllt, so dass die breite Zwischent\u00fcr zum Nebenraum ge\u00f6ffnet werden musste. Denn der Bundesvorsitzende der Freidenker, Klaus Hartmann, hatte zu dem Anlass hochkar\u00e4tige Experten auf das Podium gebracht.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Oktoberrevolution als Aufbruch in gesellschaftliches Neuland<\/strong><\/p>\n<p>Bruno Mahlow, der 1937 in Moskau als Kind kommunistischer Emigranten geboren wurde und von 1973 bis 1989 stellvertretender Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen im Zentralkomitee (ZK) der SED war, sprach von der Oktoberrevolution als \u201eAufbruch in gesellschaftliches Neuland\u201c. Mahlow, ein Mitglied im \u00c4ltestenrat der Partei Die Linke, betonte, dass es damals keine Blaupausen daf\u00fcr gegeben habe, wie die neue Gesellschaft ohne Ausbeutung aufgebaut werden sollte.<\/p>\n<p>Mit der Oktoberrevolution habe man vielmehr einen Weg in Gefilde betreten, die in der Menschheitsgeschichte noch nie beschritten worden waren. Dabei galt der Marxismus nicht als Dogma sondern als Kompass, also als Instrument der Analyse der gesellschaftlichen Realit\u00e4ten, aus denen dann \u2013 unverf\u00e4lscht von Religion und Aberglauben und basierend auf den Erfahrungen der Arbeiter und Bauern \u2013 die entsprechenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Handlungsanweisungen abgeleitet wurden. Leider sei in den letzten Jahrzehnten der Sowjetunion diese Vorgehensweise zunehmend vom Dogmatismus abgel\u00f6st worden. Der Besitz des Parteibuchs sei von vielen Mitgliedern der KPdSU zunehmend als F\u00fchrerschein zur Karriere im Apparat angesehen worden. Diese und andere Probleme h\u00e4tten schlie\u00dflich zur Aush\u00f6hlung des Systems gef\u00fchrt, mit dem bekannten Ergebnis.<\/p>\n<p><strong>\u201eFrauen als Gestalterinnen der Geschichte &#8211; Oktoberrevolution und ihre Folgen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr einen absoluten H\u00f6hepunkt der Konferenz sorgte Frau Professor Dr. Helga H\u00f6rz mit ihrem Vortrag \u201eFrauen als Gestalterinnen der Geschichte &#8211; Oktoberrevolution und ihre Folgen\u201c. Die ehemalige Lehrstuhlleiterin f\u00fcr Ethik an der Humboldt Universit\u00e4t Berlin (von 1969 bis 1990) und Vorsitzende der UNO-Weltfrauenkonferenz im Jahr 1990 pr\u00e4sentierte ein ersch\u00fctterndes Bild von der Realit\u00e4t der Lage der Frauen im vor-revolution\u00e4ren Russland. Laut Prof. H\u00f6rz mussten die Frauen damals noch unter dem \u201eFeudalprinzip\u201c mehr vegetieren als leben. Die Frau wurde als Objekt behandelt. Sie war Eigentum des Mannes und seine Sklavin. Ihr Tag war gekennzeichnet von Schl\u00e4gen, Arbeit und Furcht. Zugleich waren viele Frauen bereits in den Prozess der kapitalistischen Ausbeutung integriert, mit einem Arbeitstag zwischen 14 bis 18 Stunden. Der Lohn eines Mannes betrug damals 1 Rubel und 41 Kopeken, der einer Frau gerademal 72 Kopeken f\u00fcr die gleiche Arbeit.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs und dann des B\u00fcrgerkriegs habe dann das Elend des gemeinen Volkes weiter zugenommen, vor allem aber das der Frauen. Und es waren die Frauen, die bei der Oktoberrevolution eine herausragende aufopfernde Rolle gespielt haben, die Lenin besonders gew\u00fcrdigt hat. Unmittelbar nach dem Ende des B\u00fcrgerkriegs geh\u00f6rte das Dekret zur gesetzlichen Gleichstellung der Frauen zu den ersten Handlungen der jungen Sowjetunion. Dazu geh\u00f6rte gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit, der 8-Stunden-Tag, die Anerkennung der Mutterschaft als soziale Aufgabe, das Gesetz zum Schutz von Mutter und Kind, die gesetzliche Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern, usw., usf.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es auf Grund der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit des Landes, vor allem in den s\u00fcdlichen Regionen, bei der Umsetzung der neuen Gesetze zur Befreiung der Frau \u00fcber viele Jahre erhebliche Schwierigkeiten von Seiten starrsinniger M\u00e4nnerclans. Aber die Probleme wurden, teils unter gro\u00dfen Opfern, nach und nach aber unnachgiebig ausgemerzt.<\/p>\n<p>So kam es, dass zum ersten Mal in der Weltgeschichte ausgerechnet im r\u00fcckst\u00e4ndigsten Land Europas die Frau dem Mann absolut gleichgestellt war, nicht nur auf dem Papier sondern auch im Arbeitsleben und in der Ehe. Auf diese Freiheiten mussten Frauen in den meisten, so genannten \u201ehoch entwickelten\u201c L\u00e4ndern Westeuropas noch Jahrzehnte warten. Der Vortrag von Prof. H\u00f6rz erntete gro\u00dfen Applaus.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Kontroverse sorgte dagegen der Beitrag von Michael Kubi zum Thema: <strong>\u201eStalin, Repressionen, Sowjetdemokratie: UdSSR &#8211; eine Kriminalgeschichte?\u201c<\/strong>. Der zweisprachig (russisch und deutsch) aufgewachsene Kubi zeichnete unter Verweis auf die in Moskau inzwischen ge\u00f6ffneten Geheimarchive aus der Stalinzeit ein ganz anderes, differenzierteres Bild, als das von dem \u201eMonster Stalin\u201c, das sich nach der Chruschtschow-Rede auf dem 20. Parteitag der KPdSU in Ost und West in den K\u00f6pfen festgesetzt hat. Damit war Kubi zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis gekommen, wie auch eine Reihe von anglo-amerikanischen Historikern nach dem Studium der Stalin Geheimarchive. Die neuen Erkenntnisse haben sie in einer Reihe von Artikeln und Buchver\u00f6ffentlichungen festgehalten.<\/p>\n<p>Mit seinem Vortrag r\u00fcttelte Kubi jedoch an einem, bei vielen Menschen im Publikum sehr tief sitzenden Tabu. Es kam zu teils starken Reaktionen und Zwischenrufen. In der Diskussion einigte man sich aber darauf, dass man die neu zug\u00e4nglichen Fakten und Dokumente von und \u00fcber Stalin nicht einfach ignorieren k\u00f6nne, sondern dass diese gr\u00fcndlich studiert werden m\u00fcssten und im Licht der Ergebnisse eventuell die Person Stalins neu bewertet werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p><strong>\u201eFernwirkungen der Oktoberrevolution\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes sprach Dr. Andreas Wehr \u00fcber die \u201eFernwirkungen der Oktoberrevolution\u201c. Der 1954 in Berlin geborene Jurist leitet zusammen mit Dr. Marianne Schauzu das Marx-Engels-Zentrum in Berlin. Zuvor war er bis 2014 f\u00fcr 15 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fraktion der Linksparteien im Europ\u00e4ischen Parlament in Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fcr die Fernwirkungen der Oktoberrevolution auch heute noch in Deutschland verwies Dr. Wehr darauf, dass in den neuen Bundesl\u00e4ndern die DDR \u2013\u00a0trotz aller propagandistischen Anstrengungen zu ihrer Verteuflung als Unrechtstaat \u2013 die real erfahrenen Errungenschaften des Sozialismus nicht aus den K\u00f6pfen der Menschen verschwunden sind.<\/p>\n<p>\u201eDas gesellschaftliche Bewusstsein der Einwohner der f\u00fcnfeinhalb neuen Bundesl\u00e4nder ist weiterhin ein anderes als das in der alten Bundesrepublik. Und es sieht ganz so aus, dass diese Besonderheit auch in der n\u00e4chsten Generation erhalten bleibt\u201c, so Dr. Wehr w\u00f6rtlich. Tats\u00e4chlich k\u00f6nne man in vielen L\u00e4ndern weltweit beobachten, wie sich die \u201eEchowellen\u201c der Oktoberrevolution \u201eheute sogar wieder verst\u00e4rken\u201c. Diese Fernwirkungen seien auch in den internationalen Beziehungen zu sp\u00fcren, f\u00fchrte Dr. Wehr weiter aus:<\/p>\n<p>Es ist eine Tatsache, dass es nach dem Ende des europ\u00e4ischen Sozialismus nicht zu einer vollst\u00e4ndigen Beherrschung der Welt durch den US-gef\u00fchrten Imperialismus gekommen ist. Und das ist vor allem das Verdienst Russlands und Chinas, einem fr\u00fcheren, beziehungsweise einem weiterhin am Sozialismus festhaltenden Land. Man muss schon sehr kurzsichtig sein, wenn man nicht zu erkennen vermag, dass sich diese beiden L\u00e4nder st\u00e4ndig und mit einigem Erfolg f\u00fcr eine Demokratisierung der internationalen Beziehungen einsetzen und f\u00fcr eine multipolare Weltordnung streiten.<\/p>\n<p>Weiter sagte Dr. Wehr:<\/p>\n<p>Russland und China wandten sich gegen alle imperialistischen Abenteuer der Neuzeit. Ich frage hier: Wer ist denn f\u00fcr die Kriege, f\u00fcr Not und Flucht in der Welt verantwortlich? Wer hat den Irak gleich zweimal angegriffen, wer Libyen \u00fcberfallen und wer f\u00fchrt heute Krieg gegen den Jemen? Wer destabilisiert seit Jahren Syrien und interveniert ungeniert milit\u00e4risch gleich in mehreren Staaten Afrikas. Und wer droht heute Nordkorea offen mit Krieg? Diese Liste lie\u00dfe sich verl\u00e4ngern. In jedem dieser Konflikte sind es die westlichen NATO-Staaten, zusammen mit ihren jeweiligen Verb\u00fcndeten, die die Verantwortung tragen. Und ihnen stehen vor allem Russland und China entgegen.<\/p>\n<p><strong>\u201eImmer wieder ostw\u00e4rts: Die Konfrontationspolitik der NATO\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sprach der 1945 geborene, gelernte Dipl. Volkswirt, Publizist und Journalist Rainer Rupp zum Thema \u201eImmer wieder ostw\u00e4rts: Die Konfrontationspolitik der NATO\u201c. Rupp, der seit 1977 in der Politischen Abteilung des Hauptquartiers der NATO in Br\u00fcssel t\u00e4tig war, hatte von dort unter dem Decknamen \u201eTopas\u201c bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1993 Informationen der h\u00f6chsten Geheimhaltungsstufe aus dem Inneren der NATO an den Auslandsgeheimdienst der DDR geliefert. Im Juli 1993 wurde er verhaftet und zu 12 Jahren Freiheitsstrafe wegen Landesverrats verurteilt.<\/p>\n<p>Rupp legte dar, dass durch die Befreiung der Werkt\u00e4tigen das r\u00fcckst\u00e4ndige Russland bis dahin in der Menschheit unvorstellbare wirtschaftliche und technologische Gro\u00dfleistungen vollbracht hat. Deshalb ging allein durch die Existenz der Sowjetmacht &#8211; ohne ihr eigenes Zutun &#8211; bereits eine t\u00f6dliche Bedrohung f\u00fcr das kapitalistische Gesch\u00e4ftsmodell aus, denn im Westen bestand die Gefahr einer Nachahmung der Oktoberrevolution. Daher j\u00e4hrt sich im Juni 2018 auch der erste Versuch der westlichen, imperialistischen M\u00e4chte, unter anderem der USA, durch milit\u00e4rische Interventionen die Gro\u00dfe Russische Revolution bereits im Keim zu ersticken, zum hundertsten Mal. Diese Versuche scheiterten zum Gl\u00fcck kl\u00e4glich am Widerstand der Roten Armee. Dennoch lie\u00dfen die ungeheuren Anstrengungen des Westens nicht nach, immer wieder neu zu versuchen, die Sowjetunion in die Knie zu zwingen.<\/p>\n<p>Auch nach 1991, also nach dem Zerfall der UdSSR in ihre Teilrepubliken, setzten sich \u2013 nur unterbrochen von der korrupten Jelzin-Herrschaft \u2013 die westlichen Bem\u00fchungen fort, Russland gef\u00fcgig zu machen. Denn unter der F\u00fchrung von Pr\u00e4sident Putin hatte Russland seine nationale Souver\u00e4nit\u00e4t wieder hergestellt. Seither gilt es wieder als Erzfeind Washingtons, weil es sich au\u00dferhalb der von den USA 1991 aus der Taufe gehobenen, US-gef\u00fchrten, neo-liberalen \u201eNeuen Weltordnung\u201c gestellt hat.<\/p>\n<p>Ein Aspekt dieser verwerflichen Sonderstellung Russlands ist, dass es sich bei den neuen Ordnungskriegen, mit denen die westliche liberale Wertegemeinschaft ganze Regionen der Welt mit Tod und Verderben \u00fcberzieht, nicht nur nicht beteiligt, sondern sich \u2013 wie zuletzt in Syrien \u2013 aktiv quer stellt. Dadurch stellt Russland, das inzwischen mit China gemeinsame Sache gegen die US-gef\u00fchrte \u201eNeue Weltordnung\u201c macht, eine ernste Bedrohung f\u00fcr das neo-liberale Gesch\u00e4ftsmodell des Westens dar, von dem vor allem die selbst erkl\u00e4rten Eliten auf Kosten der breiten Masse der arbeitenden Bev\u00f6lkerung profitieren.<\/p>\n<p><strong>\u201eAlternative Russlands zur Expansion der EU in Osteuropa\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Zum Abschluss der Konferenz referierte Prof. Dr. Anton Latzo \u00fcber die \u201eAlternative Russlands zur Expansion der EU in Osteuropa\u201c. Professor Latzo war in der DDR Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Geschichte und Politik der sozialistischen Staaten Europas und hat seit den 1990er Jahren in linken Medien immer wieder zu Fragen des internationalen Friedenskampfes, der Au\u00dfenpolitik der BRD, Geschichte, Entwicklung und Politik der Staaten Osteuropas sowie zur internationalen Arbeiterbewegung Stellung genommen.<\/p>\n<p>Vor allem ist Prof. Latzo \u00fcber die negative Neueinsch\u00e4tzung Russlands in dem 2016 erschienenen \u201eWei\u00dfbuch zur Sicherheitspolitik und der Zukunft der Bundeswehr\u201c besorgt. Darin wird Russland jetzt als \u201eeine Herausforderung f\u00fcr die Sicherheit auf unserem Kontinent\u201c dargestellt. Moskau wird der Vorwurf gemacht, \u201edie europ\u00e4ische Friedensordnung offen in Frage\u201c zu stellen. Die Einsch\u00e4tzung Russlands als \u201eFeind\u201c sei nicht mehr fern, warnte Latzo.<\/p>\n<p>Dabei w\u00fcrden deutsche Regierungsvertreter und Berater zunehmend das Konzept einer Doppelstrategie gegen\u00fcber Russland verfolgen. \u201eWas wir brauchen, ist eine Doppelstrategie, mit der wir einerseits Putins machtpolitische Zugriffsm\u00f6glichkeiten in Europa verwehren und andererseits mit ihm den Dialog \u00fcber Zusammenarbeit f\u00fchren und fortsetzen, so schwierig das unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen auch sein mag\u201c, zitiert Latzo den Leiter der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger.<\/p>\n<p>Noch deutlicher sei die Absicht in dem neuen Strategiepapier der Bunderegierung \u201eNeue Macht, neue Verantwortung\u201c zu erkennen. Darin ginge es darum, den Zielen des deutschen Imperialismus verst\u00e4rkt Geltung zu verschaffen. Zugleich aber habe Ischinger darauf hingewiesen, dass es nicht angehe, dass \u201eunsere Russlandpolitik vom amerikanischen Kongress oder von Entscheidungstr\u00e4gern in europ\u00e4ischen Parlamenten in Geiselhaft genommen&#8220; werde.<\/p>\n<p>Laut Latzo sei der deutsche Imperialismus offensichtlich gewillt, jede Situation zu nutzen, um Deutschland von einer \u201eGestaltungsmacht im Wartestand\u201c zu einer der F\u00fchrungsm\u00e4chte aufsteigen zu lassen. Dazu sei man bereit, sowohl \u201ekooperative Techniken\u201c (Wandel durch Ann\u00e4herung), aber auch milit\u00e4rische Mittel \u201ebis zum Kampfeinsatz\u201c einzusetzen.<\/p>\n<p>Damit endete die von allen Beteiligten als sehr erfolgreich eingesch\u00e4tzte Konferenz des deutschen Freidenkerverbandes zum Thema 100 Jahre Oktoberrevolution.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2017 &#8211; Hundert Jahre Oktoberrevolution Dieses epochale Ereignis, das nicht nur Russland sondern auch die Weltgeschichte nachhaltig ver\u00e4ndert hat, wurde am vergangenen Samstag, dem 30. 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