{"id":5329,"date":"2020-01-03T20:10:41","date_gmt":"2020-01-03T18:10:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=5329"},"modified":"2020-02-06T10:19:33","modified_gmt":"2020-02-06T08:19:33","slug":"die-verteidigung-der-aufklaerung-ist-die-verteidigung-der-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=5329","title":{"rendered":"Die Verteidigung der Aufkl\u00e4rung ist die Verteidigung der DDR"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\">Anl\u00e4sslich der Feiern zum 70. Jahrestag der DDR am 7.Oktober 2019 ver\u00f6ffentlichte das OKV eine, inzwischen vergriffene Brosch\u00fcre, die seinen Mitgliedsverb\u00e4nden Gelegenheit zur Selbstauskunft gab. Hier folgt der Text der Berliner Freidenker:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verteidigung der Aufkl\u00e4rung ist die Verteidigung der DDR<\/p>\n<p class=\"western\">Seit dem 1. Juni 1991 sind die Freidenker wieder in einem gemeinsamen Deutschen Freidenker-Verband und Landesverb\u00e4nden in allen Bundesl\u00e4ndern vereinigt. Die Freidenker sind ein &#8222;Ost-West-Verband&#8220;, d.h. wir haben unseren Zusammenschluss 1991 als Kontrastprogramm zu der in anderen Organisationen \u00fcblichen &#8222;feindlichen \u00dcbernahme&#8220; organisiert \u2013 verbindlich sind Anerkennung der jeweiligen Geschichte und Identit\u00e4t, Ost-West-Parit\u00e4t bei der Besetzung aller Leitungsfunktionen. Der deutsche Freidenker-Verband ist eine Weltanschauungsgemeinschaft. Wir betrachten Aufkl\u00e4rung als die Hauptaufgabe unserer weltanschaulichen T\u00e4tigkeit. Welche Weltanschauung ist gemeint \u2013 und was meinen wir mit Aufkl\u00e4rung? <!--more-->Der DFV ist weltanschaulicher Verein auf der Grundlage der sozialistischen und kommunistischen Arbeiterbewegung. Ohne Partei zu sein, ist unsere Weltanschauung die wissenschaftliche des dialektischen und historischen Materialismus. Das hei\u00dft nicht, dass vertiefte Kenntnisse der marxistischen Philosophie die Eintrittsbedingung unseres Verbandes w\u00e4ren! Aber wir halten die Grundfrage der Philosophie f\u00fcr entschieden: im Sinne des Materialismus, gegen den Idealismus. Wir sehen sie als philosophischen Ausdruck der bestehenden Klassenfront: zwischen Bourgeoisie und Arbeiterbewegung, zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Das ist im Imperialismus von heute, 30 Jahre nach der Konterrevolution, wie es zu Zeiten von Marx, Engels und Lenin war. Aber es ist kein Hinderungsgrund, mit allen konsequenten Friedenskr\u00e4ften auch idealistischer oder religi\u00f6ser Pr\u00e4gung zusammenzugehen. Im engeren Sinne ist der DFV Interessenvertretung der Konfessionslosen und Atheisten. Allerdings sind wir keine Agnostiker. Wir halten die Wirklichkeit f\u00fcr erkennbar, wissenschaftliche Fragen f\u00fcr letztlich entscheidbar. Den Begriff \u201eAufkl\u00e4rung\u201c verstehen durchaus wir im Sinne des selbstbestimmten, vorurteilslosen Denkens eines jeden \u2013 als \u201eAusgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit\u201c (Kant). So wie die Aufkl\u00e4rung des revolution\u00e4ren B\u00fcrgertums gegen die Fesseln der feudalen Ordnung k\u00e4mpfte, indem sie sich gegen \u201eGottgewolltheit\u201c, Mystik, Aberglauben, Autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigkeit und Pfaffentum wandte \u2013 f\u00fcr die Freiheit des wissenschaftlichen und weltanschaulichen Denkens \u2013 so tun wir dies gegen den heutigen Imperialismus. Wir wenden uns dabei gegen jede Form des Irrationalismus \u2013 oder, wie das bei Marx und Engels noch hie\u00df, der Mystifizierung der Verh\u00e4ltnisse. In unserer Berliner Erkl\u00e4rung, beschlossen 1994, umrei\u00dfen wir unsere Schwerpunkte: \u201eWof\u00fcr tritt der DFV ein?\u201c \u201eF\u00fcr eine Welt ohne Krieg. Die dringlichste Aufgabe ist die Bannung jeglicher Kriegsgefahr. Krieg und Gewaltanwendung d\u00fcrfen nicht als Mittel der Politik rehabilitiert werden, sie m\u00fcssen international ge\u00e4chtet werden. Der DFV wendet sich gegen jede Form innerer und \u00e4u\u00dferer Kriegsvorbereitung, sei sie \u00f6konomischer, politischer, milit\u00e4rischer oder ideologischer Art.\u201c \u201eF\u00fcr Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen. Fremdbestimmung, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung sind mit menschenw\u00fcrdigen Verh\u00e4ltnissen unvereinbar.\u201c \u201eDamit die auf Grundlage der Naturbeherrschung entwickelten Produktivkr\u00e4fte nicht zu Destruktivkr\u00e4ften werden, die den Untergang der Menschheit heraufbeschw\u00f6ren, m\u00fcssen die Menschen auch die Entwicklungsgesetze der Gesellschaft erlernen und beherrschen, um die F\u00e4higkeit zur gesellschaftlichen Selbstbeherrschung zu erlangen.\u201c \u201eF\u00fcr die Trennung von Staat und Kirche, Kirche und Schule sowie den Dialog mit religi\u00f6sen Menschen. Der DFV vertritt traditionell die Interessen konfessionsfreier Menschen.\u201c Und: \u201eDarum betrachten wir Antifaschismus als Schl\u00fcssel f\u00fcr das \u00d6ffnen und Offenhalten einer menschlichen Zukunft. Daf\u00fcr haben Freidenkerinnen und Freidenker ihr Leben eingesetzt.\u201c Unsere Arbeit gegen imperialistische Kriege, f\u00fcr das V\u00f6lkerrecht, ist bekanntlich heute auch mit der von DFV und Arbeiterfotografie initiierten Kampagne \u201eRaus aus der NATO \u2013 NATO raus aus Deutschland\u201c verbunden. Als Materialisten wissen wir, dass das Verh\u00e4ltnis zwischen US- und BRD-Imperialismus ein dialektisches ist: Kampf und Einheit der Gegens\u00e4tze. Das betrifft auch das Verh\u00e4ltnis zur NATO und EU, sowie der durch beide ungeheuer gesteigerten Aggressivit\u00e4t insbesondere gegen Ru\u00dfland. Die Friedenspolitik findet in uns eine konsequente Kraft, seit es galt, den Widerstand gegen den NATO-Krieg gegen Jugoslawien mitzuorganisieren. Dieser v\u00f6lkerrrechtswidrige \u00dcberfall mit deutscher Beteiligung ist in mehrfacher Hinsicht ein Wendepunkt. Nicht nur wurden hier die einst aus den westdeutschen \u201e68ern\u201c und ihrem damaligen Protest gegen den Vietnamkrieg hervorgegangenen Neu-Eliten zur propagandistischen Speerspitze der imperialistischen Kriegstreibereri. Nicht nur gewannen sie Teile des Hinterlandes mit der perfidesten Begr\u00fcndung, n\u00e4mlich der Pervertierung des Antifaschismus zur Losung, dieser Krieg m\u00fcsse \u201ewegen Auschwitz\u201c gef\u00fchrt werden. Sondern dieser Durchbruch zur Reaktion auf ganzer Linie l\u00e4\u00dft sich nur begreifen als Moment jenes anderen Wendepunkts: Der Liquidierung und Annexion der DDR. Die Zerst\u00f6rung und Enteignung der DDR \u2013 der gr\u00f6\u00dften antifaschistischen Friedensbewegung auf deutschem Boden \u2013 d\u00fcrfte das einzige Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte seit, f\u00fcr das die Bezeichnung \u201eRechtsruck\u201c im vollen Sinne zutrifft. Alles weitere seither ist Entfaltung der Konterrevolution, gegen die auch wir Freidenker uns stellen. Erst dieser ungeheure \u201eRechtstruck\u201c erm\u00f6glichte es dem deutschen Imperialismus, eingebunden in die Hebelkraft der NATO und den Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen seit der bedingungslosen Kapitulation Rechnung tragend, die alten Kriegsziele des alldeutschen Verbandes wieder in die strategische Diskussion zu bringen \u2013 aber diesmal unter libert\u00e4r-kosmopolitscher Maske. Seither folgt an der imperialistischen Weltfront ein arrangierter \u201eGleiwitz-Vorfall\u201c dem andern. Das, was die KPD der 1920er Jahre schon die \u201eHugenbergsche L\u00fcgenpresse\u201c nannte, hat sich zu einer vierten Gewalt der Vernebelung und Rundum-Propaganda perfektioniert \u2013 auch des Chauvinismus, z.B. gegen Griechen und Slawen, und immer wieder, Tag und Nacht, gegen die DDR und ihre B\u00fcrger. Das verlangt wachsamste Aufkl\u00e4rungsarbeit, der wir Freidenker, wenn auch mit begrenzten Kr\u00e4ften, verpflichtet sind. Viele, die der \u201ehumanistisch\u201c maskierten Kriegstreiberei vor 20 Jahren noch Glauben schenkten, erfahren heute scharf: Das Wort \u201eFrieden\u201c hat in der deutschen Sprache zwei Bedeutungen. Die erste: Im Frieden alles tun, um im Frieden den Krieg zu verhindern. Das war der Friede der DDR. Die zweite: Im Frieden alles anzuwenden, was man aus den vorigen Versuchen gelernt hat, um im Frieden den Krieg vorzubereiten. Das ist der \u201eFrieden\u201c der BRD. Wir Freidenker m\u00f6chten, dass die, die das begriffen haben, mehr werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Der DFV g\u00e4be was drum, wenn echter Antifaschismus heute wieder \u201everordnet\u201c w\u00e4re; womit ja nichts anderes gesagt ist, als dass er zur Staatsr\u00e4son, zur Schulbildung, Justiz und Kultur eines demokratischen Gemeinwesens unver\u00e4u\u00dferlich dazugeh\u00f6rt. Genau das war in der DDR der Fall. Was von der Sieger- und Besatzungsmacht hingegen verordnet wird \u2013 Propaganda f\u00fcr das V\u00f6lkergef\u00e4ngnis EU und die mit der faschisierenden Tendenz zuinnerst verbundene NATO-Kriegspolitik unter einem pseudo-antifaschistischen Aush\u00e4ngeschild \u201egegen rechts\u201c: das erfordert unser aller Anstrengung im Sinne eines Schwerpunktes, der f\u00fcr uns Freidenker von besonderer Bedeutung ist: Die Richtigstellung der Begriffe. Daf\u00fcr wirken wir weiter, gem\u00e4\u00df den Worten von Brechts Galilei: \u201eEs setzt sich nur soviel Wahrheit durch, wie wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vern\u00fcnftigen sein.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich der Feiern zum 70. Jahrestag der DDR am 7.Oktober 2019 ver\u00f6ffentlichte das OKV eine, inzwischen vergriffene Brosch\u00fcre, die seinen Mitgliedsverb\u00e4nden Gelegenheit zur Selbstauskunft gab. 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