{"id":5562,"date":"2020-06-04T11:22:48","date_gmt":"2020-06-04T09:22:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=5562"},"modified":"2020-09-18T13:02:14","modified_gmt":"2020-09-18T11:02:14","slug":"die-haeuser-sollen-nicht-brennen-bomber-soll-man-nicht-kennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=5562","title":{"rendered":"Die H\u00e4user sollen nicht brennen. Bomber soll man nicht kennen."},"content":{"rendered":"<p>Liane Kilinc:<\/p>\n<p>Rede zu \u201eK\u00fcndigt Ramstein jetzt!&#8220; am 30.05.2020 in Berlin<\/p>\n<p>\u201eDie H\u00e4user sollen nicht brennen.<br \/>\nBomber soll man nicht kennen.<br \/>\nDie Nacht soll f\u00fcr den Schlaf sein.<br \/>\nLeben soll keine Straf sein.&#8220;<\/p>\n<div id=\"js_b\" dir=\"LTR\">\n<p>Als Bert Brecht diese Zeilen 1951 schrieb, war der Frieden erst sechs Jahre alt, aber der beginnende Kalte Krieg hatte Deutschland bereits in zwei Staaten zerrissen. Der westdeutsche Teilstaat machte sich sehr schnell auf den Weg zur Wiederbewaffnung, anfangs v\u00f6llig geheim, weil klar gegen den Willen der eigenen Bev\u00f6lkerung. Die hausten oft noch in Ruinen und Kellerl\u00f6chern und hatten von nichts die Schnauze so voll wie vom Krieg.<br \/>\nTrotzdem standen sich ab 1956 zwei deutsche Armeen gegen\u00fcber, und w\u00e4re jemals aus dem kalten Krieg ein hei\u00dfer geworden, die erste Frontlinie w\u00e4re genau da verlaufen, wo wir heute stehen.<br \/>\nDie meisten Menschen in unserem Land haben heute nur eine ungef\u00e4hre Vorstellung von dem, was Krieg bedeutet. Wie es sich anf\u00fchlt, t\u00e4glich um sein Leben bangen zu m\u00fcssen. Wie es Kindern ergeht, die ihre N\u00e4chte in Luftschutzkellern verbringen m\u00fcssen, wie z.B. im Donbass.<br \/>\nWir von Friedensbr\u00fccke sind ein kleiner Verein, der seit Jahren humanit\u00e4re Hilfe leistet. Weil es keinen gro\u00dfen Apparat gibt, wir unsere Spenden selbst verpacken, f\u00fcr den Zoll vorbereiten und eben oft auch bis ins Zielgebiet begleiten, haben wir das immer wieder gesehen und hautnah erlebt und sind bei der Verteilung dieser Hilfe selbst unter Beschuss geraten.<br \/>\nDass es bei Kriegen um Menschenrechte geht, glaubt man auch nur, wenn man sicher zu Hause, weit entfernt, auf dem Sofa sitzt und ab und zu eine kurze Videoeinspielung in der Tagesschau sieht. Und dabei wird genau darauf geachtet, dass man allerh\u00f6chstens mal ein paar saubere Tote sieht; keine jungen M\u00e4nner, denen Schrapnellen die Beine abgerissen haben, keine Kinder, die noch Jahrzehnte sp\u00e4ter missgebildet geboren werden, durch Uranmunition wie im Irak oder bis heute durch Agent Orange, das US-Entlaubungsmittel, in Vietnam.<!--more--><\/p>\n<p>Krieg darf nicht aussehen wie Krieg, wenn man ihn den Zuschauern auf dem Sofa verkaufen will.<br \/>\nJa, es ist nicht die Bundesrepublik, die die meisten Kriege anf\u00e4ngt.<br \/>\nAber allein das Beispiel Agent Orange zeigt schon, dass sie irgendwie immer mit dabei ist. Dieses Gift wurde damals von Monsanto in Zusammenarbeit mit dem Chemiekonzern Bayer produziert.<br \/>\nAuch der von Saudi-Arabien mit Hilfe einer Hungerblockade gef\u00fchrte Krieg im Jemen schl\u00e4gt sich g\u00fcnstig in den Bilanzen der deutschen R\u00fcstungsschmieden nieder.<br \/>\nDas ist gute alte bundesdeutsche Tradition \u2013 schon das &#8218;Wirtschaftswunder&#8216; der 1950er beruhte in Wirklichkeit auf der Eroberung jener M\u00e4rkte, die die US-Industrie nicht mehr bedienen konnte, weil sie Bomben baute, um Korea zu zerst\u00f6ren.<br \/>\nDer Jemen, in dem Millionen vor dem Hungertod stehen, ist auch eines der Ziele, das von US-Drohnen unter Beteiligung von Ramstein angesteuert wird. Drohnen, die ihre Ziele nicht erreichen k\u00f6nnten, g\u00e4be es diese Station auf deutschem Boden nicht. Im g\u00fcnstigsten Fall, wenn mal keine Hochzeitsg\u00e4ste erwischt werden, sind das Maschinen zur Durchf\u00fchrung au\u00dfergesetzlicher Hinrichtungen in fremden L\u00e4ndern, ohne Verfahren und ohne Verteidigung&#8230;<br \/>\njeder einzelne Drohneneinsatz ist ein Kriegsverbrechen.<br \/>\nEs ist sicher heute schon viel gesagt worden, welch zentrale Rolle Ramstein als gr\u00f6\u00dfter US-Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Europa spielt.<br \/>\nEs war sicher schon die Rede von den 35.000 US-Soldaten auf deutschem Boden, dazu 17 000 zivile Bedienstete, dem gigantischen Armeelazarett, von seiner Rolle als Drehscheibe f\u00fcr Fracht- und Truppentransporte. Und jeder von uns wei\u00df, dass diese US-amerikanische Macht best\u00e4ndig neue Kriege beginnt und in den letzten Jahren auch der Kalte Krieg wiederbelebt wurde.<br \/>\nAber dabei sollte man nie vergessen, dass die US-Armee Teil eines Gesamtpakets ist, das mit der Erpressung von Freihandelsvertr\u00e4gen anf\u00e4ngt, \u00fcber Kreditauflagen des Internationalen W\u00e4hrungsfonds weitergeht und im Falle von allzu ausgepr\u00e4gter Souver\u00e4nit\u00e4t, die man auch mangelnde Bereitschaft, sich auspl\u00fcndern zu lassen, nennen k\u00f6nnte, weitergeht \u00fcber Sanktionen, Regimewechsel bis hin zu Kriegen.<br \/>\nMan konnte das j\u00fcngst in mehreren lateinamerikanischen L\u00e4ndern beobachten. Wenn die EU afrikanischen L\u00e4ndern Freihandel aufn\u00f6tigt, der immer nur hei\u00dft, dass europ\u00e4ische Waren afrikanische M\u00e4rkte \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, dann steht im Hintergrund immer die US-Armee als letzte Drohung; der Schl\u00e4gertrupp eines globalen Schutzgelderpresserrings.<br \/>\nNeben den dutzenden kleiner Kriege droht inzwischen auch wieder ein gro\u00dfer; man muss nur die Zeitung aufschlagen, um zu sehen, wie gegen Russland und China getrommelt wird. Ein Gro\u00dfman\u00f6ver nach dem anderen wird durchgef\u00fchrt, und \u201eDefender 2020&#8243;, das wieder aufgenommen wurde, sprengt dabei alle Dimensionen.<br \/>\nDiesen Krieg w\u00fcrden wir nicht nur im Fernsehen sehen; der f\u00e4nde vor unserer Haust\u00fcr, \u00fcber unseren K\u00f6pfen statt&#8230; und die tiefe Wirtschaftskrise, die gerade im Westen heranreift, macht ihn nur noch wahrscheinlicher.<br \/>\nEs ist also f\u00fcnf vor zw\u00f6lf, diese Kriegsmaschine zu stoppen. Humanit\u00e4re Hilfe, wie wir von Friedensbr\u00fccke sie leisten, ist ja immer nur das Pflaster auf einer Wunde, die zuvor geschlagen wurde. Auf Dauer kann sie nicht gen\u00fcgen.<br \/>\nRamstein schliessen, das w\u00e4re ein erster Schritt in diese Richtung. Ein erster Schritt, die deutsche Kooperation mit diesem Monster zu beenden.<br \/>\nEin Abzug der US-Truppen, ein Ende der Bundeswehreins\u00e4tze in aller Welt \u2013 damit t\u00e4ten wir nicht nur Gutes f\u00fcr unser Land, sondern auch f\u00fcr all die vielen V\u00f6lker, die in Armut und Abh\u00e4ngigkeit gehalten werden.<br \/>\nUnd wir k\u00e4men den Bitten der Kinder nach, die Brecht in seinem Gedicht formulierte:<\/p>\n<p>\u201eDie M\u00fctter sollen nicht weinen.<br \/>\nKeiner soll t\u00f6ten einen.<br \/>\nAlle sollen was bauen.<br \/>\nDa kann man allen trauen.<br \/>\nDie Jungen sollen&#8217;s erreichen.<br \/>\nDie Alten desgleichen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Liane Kilinc ist Vorsitzende der Friedensbr\u00fccke-Kriegsopferhilfe e.V. \u00ab\u041c\u043e\u0441\u0442 \u041c\u0438\u0440\u0430\u00bb und Mitglied im Berliner Freidenker-Verband<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liane Kilinc: Rede zu \u201eK\u00fcndigt Ramstein jetzt!&#8220; am 30.05.2020 in Berlin \u201eDie H\u00e4user sollen nicht brennen. 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