{"id":6352,"date":"2022-09-28T11:27:00","date_gmt":"2022-09-28T09:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=6352"},"modified":"2022-09-28T11:27:00","modified_gmt":"2022-09-28T09:27:00","slug":"heisser-herbst-wo-stehen-wir-wogegen-und-wofuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=6352","title":{"rendered":"Hei\u00dfer Herbst \u2013 Wo stehen wir? Wogegen und Wof\u00fcr?"},"content":{"rendered":"<div class=\"v1pre\"><strong>Wann: Dienstag, 11. Oktober 2022, 18 Uhr<\/strong><br \/>\n<strong>Wo:\u00a0Kieztreff\u00a0Wedding,\u00a0Stralsunder\u00a0Stra\u00dfe\u00a06<\/strong><br \/>\n<strong>13355\u00a0Berlin<\/strong><\/div>\n<div class=\"v1pre\">\n<strong>Referent:\u00a0Thomas\u00a0Loch\u00a0(Deutscher\u00a0Freidenker\u00a0Verband\u00a0Sachsen-Anhalt)<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten versuchen, die Lage zu umrei\u00dfen, in der diese Diskussion stattfindet:<\/p>\n<p>Rasante hausgemachte Inflation, gro\u00dffl\u00e4chige Zerst\u00f6rung von Produktion, Handel und Lieferketten, Zusammenbruch der Energie- und Nahrungsversorgung, \u201eFrieren und Hungern gegen Putin\u201c (also: &#8222;f\u00fcr die USA&#8220;), Dauerpropaganda zur Unterst\u00fctzung eines offenkundig faschistischen Staates (Ukraine) und seines nicht gewinnbaren Krieges; das alles mit selbstverst\u00e4ndlichem Auftreten der BRD als Kriegspartei &#8211; und nun ein offener Terrorakt zum Nutzen der Kriegstreiber gegen die deutsche und europ\u00e4ische Gasversorgung:<\/p>\n<p>Auch unter den schwierigen deutschen Klassenkampf-Bedingungen ist es un\u00fcbersehbar, dass Werkt\u00e4tige und Kleinunternehmer gemeinsam gegen die existenzbedrohende Regierungs-, EU- und NATO-Politik aufstehen. Das geschieht teilweise unter sehr bewussten Losungen, teilweise schwach organisiert und spontan. Es betrifft die Stimmungen im Lande auch da, wo noch nicht demonstriert wird. In anderen L\u00e4ndern der EU dasselbe Bild, wobei die Proteste dort teilweise weiter fortgeschritten sind.<\/p>\n<p>Es waren die herrschenden Kreise der BRD selber, die angesichts ihrer volksfeindlichen Politik das Gespenst von &#8218;Massenaufst\u00e4nden im Herbst&#8216; beschworen. Das geschah sogar durch den Mund jener Speerspitze, die am fanatischsten f\u00fcr die deutsche Beteiligung am dritten Weltkrieg gegen Russland und f\u00fcr den Faschismus trommelt: Au\u00dfenministerin Baerbock brachte vor einigen Monaten das Wort \u00a0\u201eVolksaufst\u00e4nde\u201c auf. Das wurde durch s\u00e4mtliche NATO-Medien \u201ein gro\u00dfer Sorge\u201c weiterverbreitet.<\/p>\n<p>Daran\u00a0ist\u00a0zweierlei\u00a0bemerkenswert.<\/p><\/div>\n<div class=\"v1pre\">\nErstens, dass die herrschende Klasse selber einen \u201ehei\u00dfen Herbst\u201c herbeizuschreiben versuchte. Sie versuchte vorgreifend, Proteste gegen ihre Politik als \u201estaatsfeindlich\u201c, \u201erechts\u201c usw. abzustempeln und dann gegebenenfalls zu kriminalisieren, bevor sie \u00fcberhaupt stattfanden. Vor dem Hintergrund des unbedingten Schulterschlusses mit dem ukrainischen und dem NATO-Faschismus kann aus dieser Stimmungsmache die Grundlage tiefgreifender Repressionen und Einschr\u00e4nkungen der Rede- und Versammlungsfreiheit erfolgen. Auch, wo es nicht zu Verboten kommt, ist die bekannte Methode einer Spaltung der Bev\u00f6lkerung offensichtlich. Parallel wird versucht, Proteste weitgehend zu kanalisieren und unter die Losungen der Kriegstreiber zu bringen (so etwa die NATO-Demagogie vom \u201ezu verurteilenden russischen v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg\u201c).<\/div>\n<div class=\"v1pre\">\nZweitens ist daran bemerkenswert, dass diejenigen, die hier pl\u00f6tzlich von \u201eVOLKSaufst\u00e4nden\u201c sprachen, bisher bei jeder Gelegenheit behaupteten, dass es so etwas wie ein \u201eVolk\u201c gar nicht gebe.<\/p>\n<p>Nun steht der Herbst vor der T\u00fcr. Die Liste von Protestkundgebungen in deutschen St\u00e4dten ist bereits zu lang, um hier angef\u00fchrt zu werden. Allein in Plauen und Lubmin waren am vergangenen Wochenende zusammengenommen \u00fcber 10 000 B\u00fcrger auf der Stra\u00dfe, es kommen zahlreiche weitere Kundgebungen dazu, nicht nur an Wochenenden, nicht nur &#8222;im Osten&#8220;.<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div><\/div>\n<div class=\"v1pre\">Bereits Ende Juni kam es zu einer kraftvollen Kundgebung in Schwedt gegen das antirussische \u00d6l-Embargo und die Schlie\u00dfung der PCK-Raffinerie. \u201eWirtschafts- und Klimaminister\u201c Habeck konnte dort mit Ach und Krach seine Rede unter Buhrufen zu Ende bringen \u2013 abgefedert von ausgew\u00e4hlten Vorrednern, die die aufgebrachten Massen mit antirussischen Parolen \u201emoralisch\u201c einzusch\u00fcchtern versuchten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"v1pre\">Im August rief die Kreishandwerkerschaft Dessau-Ro\u00dflau mit weiteren Werkt\u00e4tigen zu einer starken Kundgebung nach Dessau. Es ging gegen die antirussische Sanktions- und NATO-Kriegspolitik mit ihren eintretenden wirtschaftlichen Folgen, f\u00fcr deutsch-russische Freundschaft. Auch hier konnten zwar \u201eBewegungsmanager\u201c ihre Redebeitr\u00e4ge unterbringen. Ihre Ans\u00e4tze, die anwesende Masse mit antirussischen Zungenschl\u00e4gen zu beschwichtigen, spiegelten aber nicht mehr die Haltung und den Aufruhr der Versammelten wider.<\/p>\n<p>In den Metropolen, wo die gut eingespielten Netzwerke der rot-gr\u00fcnen Reaktion und ihrer Vorfeldorganisationen als Verl\u00e4ngerung der NATO-\/EU-Politik in die \u201eZivilgesellschaft\u201c wirken, sieht die Sache h\u00e4ufig noch anders aus. Wer die Entwicklungsstadien eines \u201ehei\u00dfen Herbstes\u201c verfolgt, sieht, dass es \u201edie Peripherie\u201c, \u201edas Land und Umland\u201c ist, wo B\u00fcrger gegen diese Regierung am entschlossensten auf die Stra\u00dfe gehen. \u201eDem Osten\u201c kommt eine Vorreiter-Rolle zu, aber er steht nicht allein. Es sind Kleinunternehmer, B\u00e4cker, Handwerker, Bauern, Proletarier, auch solche Gruppen wie Biker, die auf die Stra\u00dfe gehen, weil ihre Lebensverh\u00e4ltnisse in der Substanz zerst\u00f6rt werden. Ein \u00dcberblick \u00fcber die Losungen zeigt, dass es gegen die Sanktionspolitik, f\u00fcr die Einschaltung von Nordstream 2, gegen die Inflationspolitik und um die Verteidigung der Produktionssph\u00e4re geht. Immer wieder taucht der Ruf auf: \u201eWir lassen uns nicht spalten!\u201c.<\/p><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"v1pre\">Vielen Demonstrierenden ist auch bewusst, dass das alles nicht erst Ergebnis der neuen Kriegswirtschaft gegen Russland (und China) ist. Dieselbe zerst\u00f6rerische Politik trat vor der milit\u00e4rischen Sonderoperation Russlands als \u201eEnergiewende\u201c, \u201eDefossilisierung\u201c und \u201eKlimarettung\u201c auf \u2013 mit Abwicklung von Kohlekraftwerken samt Belegschaften, mit Auspl\u00fcnderung unter dem Vorwand \u201eKlima-Abgaben\u201c, mit schon 2021 explodierenden Energiepreisen. Die Nicht-Inbetriebnahme von Nordstream 2 war Programm der USA-h\u00f6rigen GR\u00dcNEN lange bevor die Russische F\u00f6deration die Donbass-Republiken anerkannte. Dass das jetzt \u201egegen Putin\u201c, als \u201eSolidarit\u00e4t mit der Ukraine\u201c auf die Spitze und in die gesellschaftliche Katastrophe getrieben werden kann, ist ein willkommener Vorwand. \u201eLinke\u201c, auch \u201eFriedensbewegte\u201c, machten und machen diese Agenda weitgehend mit. Dadurch haben sie in den Augen breiter Schichten keine Glaubw\u00fcrdigkeit mehr, wenn sie sich nun als Sachwalter \u201eder sozialen Frage\u201c empfehlen wollen \u2013 zu Recht. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass die Kernlosungen der jetzigen Proteste objektiv Losungen der Arbeiterbewegung (also \u201elinks\u201c) gegen die Macht der Monopole, f\u00fcr den Frieden, f\u00fcr Kooperation mit Russland und China, gegen jede deutsche Kriegsbeteiligung und gegen den Faschismus sind.<\/p>\n<p>Die Frontlinie ist klar und einfach. Aber die Gesamtlage, in der wir nach einer Strategie und Taktik zur Unterst\u00fctzung der Proteste suchen m\u00fcssen, ist wie immer kompliziert und oft von Fallstricken durchsetzt.<\/p>\n<p>Wir freuen uns, dass unser Genosse Thomas Loch aus Quedlinburg die Einf\u00fchrung ins Thema \u00fcbernimmt. Er ist seit \u00fcber zwei Jahren ein aufmerksamer Beobachter und Teilnehmer von Protesten in seiner Region.<\/p>\n<p>Wir hoffen auf einen Austausch, in den viele Aspekte aus eigenen Erfahrungen der Teilnehmer einflie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"v1pre\">Der Landesvorstand der Berliner Freidenker<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann: Dienstag, 11. 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