{"id":6909,"date":"2025-06-10T14:31:37","date_gmt":"2025-06-10T12:31:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=6909"},"modified":"2025-06-10T14:34:48","modified_gmt":"2025-06-10T12:34:48","slug":"neutralitaet-ist-voraussetzung-des-friedens-ariet-guettinger-interviewt-von-elke-zwinge-makamizile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/?p=6909","title":{"rendered":"Neutralit\u00e4t ist Voraussetzung des Friedens: Ariet G\u00fcttinger &#8211; interviewt von Elke Zwinge-Makamizile"},"content":{"rendered":"<h3>Wir ver\u00f6ffentlichen hier den Artikel der Freidenkerin Elke<span class=\"text_small\"> Zwinge-Makamizile, erschienen<\/span>\u00a017. April 2025 in Neue Rheinische Zeitung, in voller L\u00e4nge:<\/h3>\n<h2><span class=\"text_small_linespace\"><strong>Krieg und Frieden<\/strong><\/span><\/h2>\n<h3><span class=\"text_small\">Zur Situation in der Schweiz und in Deutschland &#8211; <\/span><span class=\"text_red_times_big\">Neutralit\u00e4t ist Voraussetzung des Friedens<\/span><\/h3>\n<h3><span class=\"text_small\">Ariet G\u00fcttinger &#8211; interviewt von Elke Zwinge-Makamizile<\/span><\/h3>\n<p>Im M\u00e4rz 2025 ist in der Schweiz die &#8222;Bewegung f\u00fcr Neutralit\u00e4t&#8220; gegr\u00fcndet worden. Sie &#8222;versteht die Neutralit\u00e4t als Voraussetzung des Friedens und der direkten Demokratie. Denn wer sich Machtbl\u00f6cken oder milit\u00e4rischen B\u00fcndnissen &#8218;ann\u00e4hert&#8216;, gibt seine Souver\u00e4nit\u00e4t st\u00fcckweise auf. Und gerade in der existenziellen Frage von Krieg und Frieden muss jeder Entscheid direkt-demokratisch zustandekommen&#8220;. Da die Neutralit\u00e4t in der Schweiz gef\u00e4hrdet ist, ist es Ziel der Bewegung, die Neutralit\u00e4t \u00fcber einen Volksentscheid in der Verfassung zu verankern. Ariet G\u00fcttinger engagiert sich in der &#8222;Bewegung f\u00fcr Neutralit\u00e4t&#8220; und ist Teil ihres Vorstands. Sie sieht auch die Entwicklungen in Deutschland. Dazu \u00e4u\u00dfert sie: &#8222;Die Kampagne &#8218;F\u00fcr ein neutrales Deutschland&#8216; ist von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Es ist eine echte Friedensinitiative in einer Zeit, in der sich auch Gr\u00fcne- und SPD-Politiker in Deutschland als imperialistische Kriegspropagandisten geb\u00e4rden.&#8220; Elke Zwinge-Makamizile hat Ariet G\u00fcttinger interviewt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Sie sind seit vielen Jahren als Friedensk\u00e4mpferin in Wort und Tat bekannt und gesch\u00e4tzt. Sie setzten sich ein f\u00fcr das Selbstbestimmungsrecht der Sahraouis in der Westsahara. Sie waren 2018 f\u00fcr drei Monate im Auftrag von Peace Watch Switzerland als Menschenrechtsbeobachterin nach Pal\u00e4stina und Israel gereist und verfassten das Buch &#8222;Das ist Pal\u00e4stina \u2026 ist das Pal\u00e4stina?&#8220; (1) Als Schweizerin, aber nicht nur als Schweizerin unterst\u00fctzen Sie eine dauerhafte Neutralit\u00e4t, die es mehr und mehr zu verteidigen gilt. Worin besteht der historische und gegenw\u00e4rtige Wert einer Neutralit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst m\u00f6chte ich etwas sagen zur Geschichte der Neutralit\u00e4t. W\u00e4hrend der napoleonischen Kriege war die Schweiz inmitten des Kriegsgeschehens mit all den leidvollen Erfahrungen f\u00fcr die damalige Bev\u00f6lkerung. Beim Wiener Kongress wurde der Schweiz dann 1815 der neutrale Status zugesprochen.<\/p>\n<p>1907 schlossen verschiedene L\u00e4nder in Den Haag ein \u201eAbkommen betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen M\u00e4chte und Personen im Falle eines Landkriegs\u201c, das von der Schweiz 1910 ratifiziert und in Kraft gesetzt wurde.<\/p>\n<p>Das wichtigste Recht eines neutralen Staates ist im Artikel 1 festgelegt: \u201eDas Gebiet der neutralen M\u00e4chte ist unverletzlich.\u201c Artikel 2 legt fest: \u201eEs ist den Kriegf\u00fchrenden untersagt, Truppen oder Munitions- oder Verpflegungskolonnen durch das Gebiet einer neutralen Macht hindurchzuf\u00fchren.\u201c Artikel 3 und 4 verbieten den Kriegf\u00fchrenden, das Staatsgebiet einer neutralen Macht f\u00fcr ihre Interessen zu nutzen.<\/p>\n<p>Die neutrale Macht hat folgende Pflicht: \u201eArtikel 5 Eine neutrale Macht darf auf ihrem Gebiete keine der in den Artikeln 2-4 bezeichneten Handlungen dulden.\u201c<\/p>\n<p>Beim Export von R\u00fcstungsg\u00fctern muss eine neutrale Macht alle Kriegsparteien gleich behandeln. Zudem muss eine neutrale Macht daf\u00fcr sorgen, dass sie sich gegen Angriffe von aussen milit\u00e4risch erfolgreich verteidigen kann. Daher sprechen wir in der Schweiz von einer \u201ebewaffneten Neutralit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>Zur Schweiz im 1. Weltkrieg: F\u00fcr den Bestand der Schweiz im ersten Weltkrieg war die Neutralit\u00e4t ein Segen. Im deutschsprachigen Norden gab es Kreise, die sich gerne den Mittelm\u00e4chten angeschlossen h\u00e4tten, im franz\u00f6sischsprachigen Teil gab es Kreise, die mit Frankreich sympathisierten. Dank der neutralen Haltung der Schweiz kam es nicht zu einer innerstaatlichen Zerrei\u00dfprobe. Zudem blieb die Schweiz von einem Krieg verschont. Auch auf meine Familiengeschichte hatte dies einen Einfluss. Mein Gro\u00dfvater aus dem Elsass, damals noch unter dem deutschen Kaiserreiches, war mit seiner Familie kurz vor dem 1. Weltkrieg nach Schaffhausen gezogen. Als ihn der Kaiser zum Kriegsdienst einziehen wollte, blieb er in der neutralen Schweiz und ist damit vermutlich dem Tod auf dem Schlachtfeld entgangen\u2026<\/p>\n<p>Zur Schweiz im 2. Weltkrieg: Im 2. Weltkrieg blieb die Schweiz dank ihrer bewaffneten Neutralit\u00e4t von einem Anschluss an das nazistische 3. Reich und damit vom Kriege verschont. Ich erinnere mich an einen Besuch bei Verwandten in Deutschland nach dem Krieg. Zerbombte H\u00e4user, ein riesiger Saal, in dem meine Verwandten &#8211; einer der S\u00f6hne war im Osten gefallen &#8211; mit anderen Fl\u00fcchtlingsfamilien, abgetrennt mit Vorh\u00e4ngen, hausten. Unsere Mitbringsel waren bitter ben\u00f6tigte Artikel des t\u00e4glichen Bedarfs. Das ist der Schweiz dank ihrer bewaffneten Neutralit\u00e4t erspart geblieben.<\/p>\n<p>Die Neutralit\u00e4t hat der Schweiz auch weltweit einen guten Ruf eingetragen. Sehr oft haben sich in der Vergangenheit L\u00e4nder an die Schweiz gewandt, und diese gebeten bei der L\u00f6sung von innerstaatlichen Konflikten behilflich zu sein. Dabei spielte die Diplomatie eine herausragende Rolle, wie ich in einem Interview mit dem ehemaligen Schweizer Diplomaten Georges Martin erfahren habe. (2) Auf meine Frage \u201eGibt es Beispiele f\u00fcr die Bedeutung der schweizerischen Neutralit\u00e4t, wenn man in der Geschichte zur\u00fcckschaut?\u201c, antwortete er: \u201eJa, es gibt sehr, sehr viele. Die Neutralit\u00e4t ist wie die Luft. Die Schweiz atmet mit der Neutralit\u00e4t. Die Au\u00dfenpolitik der Schweiz war immer eine neutrale Au\u00dfenpolitik. Was hei\u00dft das? L\u00e4nder, die Probleme hatten miteinander, sind zu uns gekommen und haben gefragt: \u201aK\u00f6nnen Sie helfen?\u2018 Es gab zahlreiche Beispiele in Afrika: Tschad, Mali und so weiter. Als ich in Indonesien war, war f\u00fcr die Indonesier die Schweiz die Mutter aller Neutralit\u00e4t. In Aceh haben wir nach dem Tsunami mitgeholfen, den drei\u00dfigj\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieg zu beenden. Bei den Iranian Nuclear Talks in Genf war die Schweiz hilfreich. Die Libanon-Gespr\u00e4che haben in der Schweiz und mit Schweizer Hilfe stattgefunden. Auch die Verhandlungen in Kolumbien zwischen der FARC-Guerilla und der Regierung wurden von der Schweiz unterst\u00fctzt. Nach dem Krieg zwischen Russland und Georgien haben wir die russischen Interessen in Tiflis und die georgischen Interessen in Moskau vertreten. Es gibt keinen Kontinent, wo wir nicht aktiv waren. Es gab kaum eine Woche ohne Meldungen \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der Schweiz in Sachen Frieden und Friedensverhandlungen.\u201c<\/p>\n<p>Das w\u00e4re eigentlich der gegenw\u00e4rtige Wert der Neutralit\u00e4t, der leider nicht mehr vollumf\u00e4nglich wahrgenommen wird. Mit den einseitigen Sanktionen, die die Schweiz 2022 &#8211; ohne dazu verpflichtet zu sein &#8211; \u00fcbernommen hat, wurde die Neutralit\u00e4t der Schweiz empfindlich verletzt. Damit hat das Ansehen der Schweiz weltweit Schaden genommen. Die guten Dienste der Schweiz werden nur noch selten wahrgenommen, so der ehemalige Diplomat: \u201eJetzt, mit dem Krieg in der Ukraine, hat die Schweiz ihre diplomatischen Dienste angeboten. Aber f\u00fcr Russland kommt die Schweiz nicht mehr in Frage. Russland will nicht, dass die Schweiz ihre Interessen in der Ukraine vertritt, weil die Schweiz mit der Neutralit\u00e4tspolitik gebrochen hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wie wird in der Schweiz auf diesen Bruch mit der Neutralit\u00e4tspolitik reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Aus der schweizerischen Bev\u00f6lkerung gibt es einige Bestrebungen, die Neutralit\u00e4t zu erhalten, zu st\u00e4rken und in der Verfassung zu verankern. Dank der direkten Demokratie gibt es in der Schweiz die M\u00f6glichkeit mit einer Volksinitiative die Bundesverfassung zu \u00e4ndern oder zu erg\u00e4nzen. Dazu m\u00fcssen 100.000 Unterschriften von Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern gesammelt werden. Letztes Jahr ist eine solche Volksinitiative zustande gekommen, die die Neutralit\u00e4t in der Verfassung verankern soll. Vermutlich im n\u00e4chsten Jahr wird das Schweizer Volk \u00fcber diese Volksinitiative abstimmen k\u00f6nnen. Folgender Artikel soll neu in die Schweizerische Bundesverfassung eingef\u00fcgt werden:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"text-align: left;\">\u201eArt. 54a Schweizerische Neutralit\u00e4t<\/ol>\n<\/li>\n<li>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>1) Die Schweiz ist neutral. Ihre Neutralit\u00e4t ist immerw\u00e4hrend und bewaffnet.<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>2) Die Schweiz tritt keinem Milit\u00e4r- oder Verteidigungsb\u00fcndnis bei. Vorbehalten ist eine Zusammenarbeit mit solchen B\u00fcndnissen f\u00fcr den Fall eines direkten milit\u00e4rischen Angriffs auf die Schweiz oder f\u00fcr den Fall von Handlungen zur Vorbereitung eines solchen Angriffs.<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>3) Die Schweiz beteiligt sich nicht an milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwischen Drittstaaten und trifft auch keine nichtmilit\u00e4rischen Zwangsmassnahmen gegen kriegf\u00fchrende Staaten. Vorbehalten sind Verpflichtungen gegen\u00fcber der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) sowie Massnahmen zur Verhinderung der Umgehung von nichtmilit\u00e4rischen Zwangsmassnahmen anderer Staaten.<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>\n<ul>4) Die Schweiz nutzt ihre immerw\u00e4hrende Neutralit\u00e4t f\u00fcr die Verhinderung und L\u00f6sung von Konflikten und steht als Vermittlerin zur Verf\u00fcgung.\u201c<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch die Schweizerische Friedensbewegung (3) kritisiert die Aufweichung der Neutralit\u00e4t. Im Sommer 2024 hat der Bundesrat die Teilnahme der Schweiz an zwei PESCO-Projekten der EU bewilligt: Military Mobility und Cyber Ranges Federation. Military Mobility beinhaltet, dass der Bundesrat Transportbewilligungen durch die Schweiz f\u00fcr ausl\u00e4ndische Truppen und ihre milit\u00e4rischen G\u00fcter erteilen kann. Dagegen hat die Schweizer Friedensbewegung Einspruch erhoben. Auch im italienischen Teil der Schweiz wird die Schw\u00e4chung der Neutralit\u00e4t scharf kritisiert von jungen Mitgliedern der KP Ticino. Wenn die Schweiz sich weiter an die EU und die Nato ann\u00e4here, bestehe \u00abdie Gefahr, dass wir in k\u00fcnftige milit\u00e4rische Konflikte verwickelt werden.\u00bb Mit einer Liste \u00abNo UE \u2013 No Nato\u00bb(deutsch:\u00abNo EU \u2013 No Nato\u00bb) und nicht mit ihrem Parteinamen traten sie zu den Wahlen im Tessin an. Zwei ihrer Vertreter sitzen jetzt im Tessiner Parlament und ihre Anzahl in den Gemeindeparlamenten ist von 11 auf 17 Mitglieder angestiegen.<\/p>\n<p>Im Mai 2024 wurde dann in Bellinzona der Verein \u00abFronte per la Neutralit\u00e0 e il Lavoro: No UE \u2013 No Nato\u00bb gegr\u00fcndet. Gem\u00e4ss Alberto Togni, dem jungen Pr\u00e4sidenten des Vereins \u00abwill der Verein eine \u2039Einheitsfront\u203a bilden, die all jenen offensteht, die unabh\u00e4ngig von ihrem politischen Hintergrund die Verteidigung der schweizerischen Neutralit\u00e4t und Arbeit, den Verzicht auf jegliche Integration in die EU und die Nato als oberste Priorit\u00e4t auf der politischen Agenda betrachten.\u00bb (4)<\/p>\n<p>Der ehemalige Schweizer Diplomat Jean-Daniel Ruch hat in Genf ein Zentrum f\u00fcr Neutralit\u00e4t gegr\u00fcndet, das in der heutigen Welt die Unparteilichkeit f\u00f6rdern wird und es Konfliktparteien erm\u00f6glicht, ihre Konflikte in einem sicheren Rahmen in einer neutralen, konstruktiven Atmosph\u00e4re beizulegen.<\/p>\n<p>Zudem ist am 14. M\u00e4rz 25 in der Schweiz die &#8222;Bewegung f\u00fcr Neutralit\u00e4t&#8220; gegr\u00fcndet worden f\u00fcr eine Schweiz der guten Dienste. \u201eDie Bewegung versteht die Neutralit\u00e4t als Voraussetzung des Friedens und der direkten Demokratie. Denn wer sich Machtbl\u00f6cken oder milit\u00e4rischen B\u00fcndnissen &#8218;ann\u00e4hert&#8216;, gibt seine Souver\u00e4nit\u00e4t st\u00fcckweise auf. Und gerade in der existenziellen Frage von Krieg und Frieden muss jeder Entscheid direkt-demokratisch zustandekommen\u201c, so die Bewegung f\u00fcr Neutralit\u00e4t in ihrer Mitteilung an die Medien. (5)<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz 25 hat der Journalist Christian M\u00fcller von Globalbridge unter \u201aDie Schweiz online\u2018 eine neue Plattform gegr\u00fcndet zur Wahrung der Schweizer Neutralit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Ihre friedenspolitische Leitlinie ist das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht und die UN-Charta mit ihren Prinzipien der Selbstbestimmung, Souver\u00e4nit\u00e4t und Nichteinmischung. Bedeutet der Kampf des globalen S\u00fcdens um Entkolonialisierung eine Chance f\u00fcr den Weltfrieden? <\/strong><\/p>\n<p>Mit der Resolution 1514 (6) verk\u00fcndete die Generalversammlung der Uno am 14. Dezember 1960 \u201efeierlich die Notwendigkeit, dem Kolonialismus in allen seinen Erscheinungsformen rasch und bedingungslos ein Ende zu machen\u201c mit folgender Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>\u201e1. Die Unterwerfung von V\u00f6lkern unter fremde Unterjochung, Herrschaft und Ausbeutung stellt eine Verweigerung grundlegender Menschenrechte dar, steht im Widerspruch zur Charta der Vereinten Nationen und ist ein Hindernis f\u00fcr die F\u00f6rderung des Friedens und der Zusammenarbeit in der Welt.<\/p>\n<p>2. Alle V\u00f6lker haben das Recht auf Selbstbestimmung; kraft dieses Rechts bestimmen sie frei ihren politischen Status und verfolgen frei ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.\u201c<\/p>\n<p>Bis heute wird das Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker von den USA wirtschaftlich, politisch oder milit\u00e4risch hintertrieben. So \u00e4usserte der neue amerikanische Vizepr\u00e4sident Cyrus Vance, dass die ehemaligen Kolonien des globale S\u00fcdens auch weiterhin an unterster Stelle der globalen Wertsch\u00f6pfungskette verbleiben m\u00fcssen. Die internationale Arbeitsteilung m\u00fcsse so bleiben, wie sie sei. Die armen L\u00e4nder produzieren Billigprodukte mit wenig Wertsch\u00f6pfung w\u00e4hrend die reichen L\u00e4nder dank ihrer Technologien eine hohe Wertsch\u00f6pfung mit entsprechender Rendite erzielen. (7)<\/p>\n<p>L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens haben sich unter grossen Opfern ihr Recht auf Selbstbestimmung &#8211; von Vietnam \u00fcber Kuba, Venezuela und andere &#8211; erk\u00e4mpft. Zudem hatte sich &#8211; initiiert von Tito (Jugoslawien), Nasser (\u00c4gypten), Nehru (Indien) und Sukarno (Indonesien) 1961 die Bewegung der Blockfreien gebildet, die sich weder den USA noch der UDSSR anschlie\u00dfen wollten. Die Bewegung der Blockfreien setzte sich f\u00fcr Abr\u00fcstung und eine friedliche Koexistenz von kapitalistischen und sozialistischen Staaten ein, auf der Grundlage der Uno-Charta, die man mit Fug und Recht als Friedenscharta bezeichnen kann. Damit haben sich die L\u00e4nder des S\u00fcdens explizit f\u00fcr ein friedliches, gleichwertiges Zusammenleben der weltweiten V\u00f6lkergemeinschaft ausgesprochen. Ihre Frage, ob der Kampf des S\u00fcdens f\u00fcr eine Entkolonisierung eine Chance f\u00fcr den Weltfrieden sei, kann ich daher mit einem klaren \u201aJa\u2018 beantworten.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4nder wie Indonesien, seit 2025 Vollmitglied von BRICS und Turkmenistan, Beobachter bei BRICS, bestehen auf ihrem Status als souver\u00e4nes Land mit neutraler Au\u00dfenpolitik. Russland und China betonen das Recht jeden Landes auf seine eigene Entwicklung. Sehen Sie in einer multipolaren Weltordnung die Chance friedlicher Kooperation souver\u00e4ner Staaten?<\/strong><\/p>\n<p>Die von ihnen in der Frage beschriebene Entwicklung gibt Anlass f\u00fcr Optimismus. Dass L\u00e4nder wie Indonesien und Turkmenistan eine neutrale Au\u00dfenpolitik verfolgen ist sehr wichtig. Es ist zu hoffen, dass dies auch andere L\u00e4nder dazu veranlassen wird, sich einer neutralen Aussenpolitik zuzuwenden. Selbstverst\u00e4ndlich haben auch die L\u00e4nder der BRICS ihre Interessen, die sie verfolgen. Sie setzen dabei jedoch nicht wie die USA auf Kriege und Destabilisierung wie j\u00fcngst in Syrien. Die L\u00e4nder der BRICS wollen Austausch und Handel betreiben, so zum Beispiel China mit dem Projekt Neue Seidenstrasse. Die Voraussetzung dazu sind stabile, sichere souver\u00e4ne L\u00e4nder, die untereinander friedlich kooperieren.<\/p>\n<p><strong>In Deutschland ist die Kampagne &#8222;F\u00fcr ein neutrales Deutschland&#8220; gestartet. Erachten Sie in der zugespitzen Kriegsgefahr und Kriegsbereitschaft des globalen Westens diese Kampagne als sinnvoll?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kampagne \u201eF\u00fcr ein neutrales Deutschland\u201c ist von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Es ist eine echte Friedensinitiative in einer Zeit, in der sich auch Gr\u00fcne- und SPD-Politiker in Deutschland als imperialistische Kriegspropagandisten geb\u00e4rden. F\u00fcr die Friedensinitiative \u201eF\u00fcr ein neutrales Deutschland\u201c w\u00fcnsche ich Euch eine weite Verbreitung, um der Kriegspropaganda entgegenzuwirken und damit den Boden zu legen f\u00fcr ein friedliches Zusammenwirken der V\u00f6lker in Europa, zu denen auch das russische Volk geh\u00f6rt. Eine neue Zeit der Entspannung muss wieder m\u00f6glich gemacht werden. So wie wir es auf dem europ\u00e4ischen Kontinent zu Zeiten von Olof Palme, Willy Brandt und Bruno Kreisky erlebt haben, als damals Friede und Entspannung mit Russland noch zuoberst auf der Traktandenliste der Sozialdemokratie stand.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview, liebe Ariet G\u00fcttinger!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p>1 Henriette Hanke G\u00fcttinger, Das ist Pal\u00e4stina &#8230; ist das Pal\u00e4stina?, ISBN: 978-3-033-08597-8. Das Buch kann f\u00fcr 20 Euro (inkl. Versand) unter henriettehankeguettinger@gmail.com bestellt werden. Die 20 Euro gehen an ein Projekt im Gazastreifen.<br \/>\n2 https:\/\/zgif.ch\/2025\/02\/04\/die-neutralitaet-ist-unser-schutz-und-unsere-raison-detre\/<br \/>\n3 https:\/\/www.friedensbewegung.ch\/<br \/>\n4 Weichenstellung &#8211; Schweiz wohin? Unter das Joch von EU und Nato oder unabh\u00e4ngig und neutral bleiben? Zeitgeschehen im Fokus, Nr. 20, 19. Dezember 2024.<br \/>\n5 bene-schweiz.info<br \/>\n6 1514 (XV). Erkl\u00e4rung \u00fcber die Gewaa hrung der Unabh\u00e4ngigkeit an koloniale L\u00e4nder und V\u00f6lker https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/gv-early\/ar1514-xv.pdf<br \/>\n7 https:\/\/uncutnews.ch\/us-vizepraesident-jd-vance-gibt-zu-dass-west-den-globalen-sueden-am-unteren-ende-der-wertschoepfungskette-gefangen-halten-will\/<\/p>\n<p><strong>Zum Thema Neutralit\u00e4t siehe auch:<\/strong><\/p>\n<p>Website der Kampagne &#8222;F\u00fcr ein neutrales Deutschland&#8220;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/deutschlandneutral.de\">https:\/\/deutschlandneutral.de<\/a><\/p>\n<p>Kongress \u201eKrieg und Frieden\u201c der Neuen Gesellschaft f\u00fcr Psychologie am 11. April 2025 in Berlin<br \/>\nEine &#8222;Internationale der Neutralit\u00e4t&#8220; \u2013 das schaffen wir!<br \/>\nAnneliese Fikentscher und Andreas Neumann &#8211; interviewt von Yavuz \u00d6zoguz (Muslim-Markt)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29467\">http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29467<\/a><\/p>\n<p>Podium \u201eDeutschland. Aber Neutral\u201c auf der Ersten Alternativen Medienmesse am 29. M\u00e4rz 2025 in Berlin<br \/>\nDer Samen f\u00fcr die Neutralit\u00e4t ist gelegt<br \/>\nVon NRhZ-Redaktion<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29449\">http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29449<\/a><\/p>\n<p>Gef\u00e4hrdet der R\u00fcstungskonzern Rheinmetall im Schweizer Kanton Schwyz die Neutralit\u00e4t?<br \/>\nWiderstand gegen Rheinmetall in der Schweiz<br \/>\nVon Ariet G\u00fcttinger<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29450\">http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29450<\/a><\/p>\n<p>Offener Brief an Martin Pfister (neuer Schweizer Bundesrat und &#8222;Verteidigungsminister&#8220;), Bern, 31. M\u00e4rz 2025<br \/>\nHoffnungen, Sorgen und ein wachsamer Blick auf Ihre Arbeit<br \/>\nVon Vorstand der Schweizer &#8222;Bewegung f\u00fcr Neutralit\u00e4t&#8220;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29451\">http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=29451<\/a><\/p>\n<p><span class=\"text_small_linespace\">Online-Flyer Nr. 845\u00a0 vom 17.04.2025<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hier den Artikel der Freidenkerin Elke Zwinge-Makamizile, erschienen\u00a017. April 2025 in Neue Rheinische Zeitung, in voller L\u00e4nge: Krieg und Frieden Zur Situation in der Schweiz und in Deutschland &#8211; Neutralit\u00e4t ist Voraussetzung des Friedens Ariet G\u00fcttinger &#8211; interviewt von Elke Zwinge-Makamizile Im M\u00e4rz 2025 ist in der Schweiz die &#8222;Bewegung f\u00fcr Neutralit\u00e4t&#8220; gegr\u00fcndet [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,45,175,8],"tags":[771,757,774,772,773],"class_list":["post-6909","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-friedensbewegung","category-nato","category-standpunkte","tag-deutschland-neutral","tag-frieden","tag-interview","tag-neutralitaet","tag-schweiz"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/py5dN-1Nr","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6909"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6932,"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6909\/revisions\/6932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.berlin.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}