Landesverband Berlin im
Deutschen Freidenker-Verband e.V.

Über Fernwirkungen der Oktoberrevolution

Mittwoch, 15. November 2017 von Webredaktion

Veranstaltung „100 Jahre Oktoberrevolution – 100 Jahre Dekret über den Frieden“ des Deutschen Freidenker-Verbands, Berlin, 30.9.2017
Über Fernwirkungen der Oktoberrevolution
Referat von Andreas Wehr

Ich möchte mit einer Frage beginnen: Brauchen wir in unserer theoretischen Diskussion einen Neuanfang? Meine Antwort darauf lautet: Natürlich brauchen wir den! Denn viele der bis 1989 bestehenden Gewissheiten sind zerstoben. Unzählige Annahmen haben sich als falsch erwiesen. Darunter auch so manch ehernes Gesetz, das sich mit dem Begriff der „Allgemeinen Krise“ verbindet. Ich denke da an die folgende Aussage: “Der Imperialismus ist außerstande, seine verlorene historische Initiative wiederzuerlangen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Die Hauptrichtung der Entwicklung der Menschheit wird vom sozialistischen Weltsystem, von der internationalen Arbeiterklasse, von allen revolutionären Kräften bestimmt.“ (Beschluss der Internationalen Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau 1969) Das gilt heute natürlich nicht mehr, wenn es denn überhaupt jemals galt.

Den Stein des Weisen gibt es nicht

Aber Neuanfang darf nicht so verstanden werden, die Geschichte des Sozialismus entwerten zu wollen, indem man an einem imaginären „Nullpunkt“ ganz neu beginnen will. Solche Versuche hat es nach großen Niederlagen der Arbeiterbewegung immer wieder gegeben. Nicht wenige suchen in der reinen Wertformanalyse des Kapitals den „Stein des Weisen“. Natürlich ist es nicht falsch, sich die drei Bände des Kapitals erneut vorzunehmen, die Theorien über den Mehrwert und die Grundrisse dazu. All das kann natürlich nicht schaden.

Doch den berühmten „Stein des Weisen“ wird man hier nicht finden! Man wird ihn überhaupt nicht finden. Denn es gibt nicht die Fehlinterpretation des Marxismus, die alles danach Geschehene vorherbestimmte. Es gibt nicht den einen oder anderen Gedanken bei Marx, Engels oder Lenin der missachtet oder auch nur übersehen wurde, so dass danach alles weitere unweigerlich falsch laufen musste.

Nein, fast 70 Jahre Sowjetunion und gut 40 Jahre Volksdemokratien in Europa haben Fakten geschaffen. Entstanden ist in dieser Zeit ein riesiger soziologischer und ökonomischer Erfahrungsschatz, den wir zur Kenntnis nehmen müssen. Er gehört aufgearbeitet. Und es ist eine Tatsache: Hinter die gemachten Erfahrungen kann niemand mehr zurückgehen!

Wir müssen vielmehr begreifen, dass das Widersprüchliche in den sozialistischen Gesellschaften, beginnend mit der Oktoberrevolution, selbst zu einer geschichtlichen Tatsache geworden ist. Die marxistische Theorie wurde zwar als Anleitung benutzt. Sie hatte sich zu bewähren. Sie hatte ihren Praxistest zu bestehen. Und – und darauf kommt es mir hier besonders an – sie konnte dabei aber selbst nicht unverändert bleiben. Die marxistische Theorie wurde konkret, indem sie immer wieder neu interpretiert, indem sie fortlaufend ergänzt wurde. Dabei trat viel Neues hinzu, Unvorhergesehenes, Überraschendes. Anderes wurde verworfen, als untauglich erkannt. Würde man dies leugnen, würde man zugleich den dialektischen Geschichtsverlauf leugnen.

Und diese 1917 begonnene geschichtliche Etappe ist auch heute noch nicht zu Ende! Die Sowjetunion und auch die DDR gibt es zwar nicht mehr. Aber es gibt weiterhin Länder, deren führende Kräfte sich weiterhin auf den Roten Oktober berufen. Es gibt Länder, die sich als sozialistische Staaten verstehen. So China, Kuba, Vietnam und einige weitere Staaten, ich denke da an Lateinamerika. Das heißt: Der Schatz an sozialistischen Erfahrungen wächst auch heute noch weiter an. (more…)

2017 – Hundert Jahre Oktoberrevolution

Dienstag, 14. November 2017 von Webredaktion

2017 – Hundert Jahre Oktoberrevolution

Dieses epochale Ereignis, das nicht nur Russland sondern auch die Weltgeschichte nachhaltig verändert hat, wurde am vergangenen Samstag, dem 30. September, vom Deutschen Freidenkerverband im Rathaus Pankow in Berlin in angemessener Weise gewürdigt.

von Rainer Rupp

Der deutsche Freidenkerverband, der vor über hundert Jahren aus dem Kampf der Arbeiterbewegung gegen die geistige Unterdrückung mit Hilfe der Religion durch die herrschende Klasse hervorgegangen ist, hat guten Grund, die Große Oktoberrevolution zu feiern. Denn über viele Jahrzehnte war dieser Versuch, eine echte Alternative zum Kapitalismus und Imperialismus zu schaffen, von Erfolgen gekrönt, die für die Menschheit bis dahin unvorstellbar waren.

Aus Russland, dem rückständigsten Land Europas, dem Land des Analphabetentums, dem Land der absoluten Armut und des Hungers und der Knechtschaft der Massen, wurde innerhalb von zwei Jahrzehnten ein moderner Industriestaat mit einer hochgebildeten Arbeiterschaft und einer auf modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen bauenden, mechanisierten Landwirtschaft. Und all das hatte der neue Sowjetmensch aus eigener Kraft geschaffen, ohne ausländische „Investoren“ und Banker, ohne die herrschende Kapitalistenklasse und ihre Profiteure, die auch heute noch verächtlich auf die arbeitenden Menschen herunterschauen.

In der Sowjetunion war ein für alle Mal die Zeit vorbei, in der Arbeiter für den Kapitalisten nichts anders als Objekte waren, „Produktionsfaktoren mit Ohren“. Unter Führung der KPdSU hatte die sowjetische Arbeiter- und Bauernschaft ihr Schicksal in die eigene Hand genommen; es gab schon kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit von acht Stunden am Tag, bezahlten Urlaub, kostenlose Gesundheitsversorgung und gesicherte Renten, sowie kostenlose Aus- und Weiterbildung, Recht auf Arbeit und auf ein Dach über dem Kopf. Von diesen sozialen Menschenrechten, die übrigens unter dem Einfluss der Sowjetunion auch in die Charter der Vereinten Nationen eingegangen sind, können auch heute die Menschen in den meisten Ländern der Welt nur träumen, zum Beispiel in Brasilien und selbst in weiten Teilen der USA.

Zwei Dinge waren für diese fulminante Entwicklung in der jungen Sowjetunion hauptsächlich verantwortlich: Erstens, die Entfesselung der kreativen Kräfte des ganzen Volkes und zweitens, die Tatsache, dass die Früchte der gigantischen, wirtschaftlichen Errungenschaften und des technologischen Fortschrittes nicht in die Gewinnmaximierung von Konzernchefs oder in die Taschen der großbürgerlichen Coupon-Schneider geflossen sind, sondern stattdessen die materielle Grundlage für die Errichtung einer neuen, sozialistischen und emanzipatorischen Gesellschaft geschaffen haben; mit dem Ziel der Verwirklichung weitreichender humanistischer Ideale, nicht nur in der UdSSR sondern für die gesamte Menschheit.

Um die hundertste Wiederkehr dieses epochalen Ereignisses zu würdigen, waren am Samstag weit über hundert Menschen in den mit vergoldeten Wandelementen aus der Zeit des Jugendstils reich verzierten Großen Saal des Rathauses Pankow in Berlin gekommen. Der war schnell mit Publikum jeden Alters überfüllt, so dass die breite Zwischentür zum Nebenraum geöffnet werden musste. Denn der Bundesvorsitzende der Freidenker, Klaus Hartmann, hatte zu dem Anlass hochkarätige Experten auf das Podium gebracht. (more…)

24.11.2017 – „Berliner Runde – Freidenker im Gespräch“

Sonntag, 05. November 2017 von Webredaktion

Einladung zu unserer November-Veranstaltung

am Freitag, den 24.11.2017
um 18.00 Uhr
im neuen Veranstaltungsort der Berliner Freidenker
Kieztreff Wedding, Stralsunder Straße 6, 13355 Berlin*

mit dem Film zum Traum der Revolution „Comrade, where are you today?“, der auf die Geschichte und Gegenwart linker Bewegungen zurückblickt am Beispiel der FDJ-Jugendhochschule Bogensee bei Berlin, mit anschließendem Gespräch mit der Regisseurin (Film und Gespräch in deutscher Sprache).

Die finnische Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen war selbst eine der Studierenden aus über achtzig Ländern. Sie geht auf die Reise, rund um den Globus, nach Bolivien, Chile, in den Libanon und nach Südafrika, um ihre Studienkameraden von damals zu treffen und von deren heutigen Träumen zu hören. Was sind die Ideale von Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität heute noch wert? (W-film 2016/17).

Im Namen der Leitung
Uta Mader      5.11.2017,  (vorangekündigt am 2.10.)
uta.eduard.mader@arcor.de

* U8 – Bernauer Str. oder Voltastr., ca. 300m Fußweg entlang Brunnenstr. bis Stralsunder

11.10.2017 – „Berliner Runde – Freidenker im Gespräch“

Montag, 02. Oktober 2017 von Webredaktion

Da unsere Runde bekanntlich das Thema: „Selbstbestimmt leben – selbstbestimmt sterben“ hat, dazu eine eilige Vorabinformation: 

Zu diesem Thema gibt es einen brandaktuellen Fernsehtermin:

Am Montag, dem 2.10.2017, ab 20.15 Uhr zeigt das ARD-Fernsehen im Rahmen eines Themenabends „Selbstbestimmtes Sterben“ zunächst den Spielfilm „Die letzte Reise“ mit Christiane Hörbiger und im Anschluss eine 30-minütige TV-Dokumentation „Frau S. will sterben“. 

In einer aus dem Anlass dieser Filmvorführung durchgeführten Repräsentativ-Umfrage sagte eine Mehrheit der Befragten, dass sie ihren schwerstkranken Angehörigen beim Suizid helfen würde. 

Wer heute den Film verpasst, kann diesen bekanntlich nachträglich in der Mediathek der ARD abrufen.

Nach diesem ungewöhnlichen Vorspann aus aktuellem Anlass nun zum eigentlichen Einladungstext:

Liebe Freidenkerin, lieber Freidenker, liebe Freunde, wir laden herzlich ein zu unserer nächsten öffentlichen

Berliner Runde – Freidenker im Gespräch“

am Mittwoch, dem 11. Oktober 2017, 18.00 Uhr im Kieztreff Wedding, Stralsunder Straße 6, 13355 Berlin*.

Unser Thema:

Selbstbestimmt leben – selbstbestimmt sterben

Unser Referent und Gesprächspartner ist Michael Wardenga, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e. V.

Moderation: Klaus-Peter Kurch

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Nicht zuletzt der Initiative unseres 94-jährigen Mitglieds Karl-Heinz Schulz ist es zu verdanken, dass wir uns im Rahmen des weitgespannten Diskussionsthemas der Freidenker „Wie wollen wir leben?“ auch dem Lebensende zuwenden.

Wir teilen das Anliegen der DGHS, den Menschen auch zum Lebensende “unerträgliches und sinnloses Leiden zu ersparen und ihnen auch beim Sterben ihre Menschenwürde zu erhalten“. Dem gerecht zu werden, verlangt von jedem Menschen Aktivität, um sich zu informieren und rechtzeitig notwendige Entscheidungen zu treffen. Dem soll unsere Gesprächsrunde dienen.

Einleitend wird Dr. Kurch einige Gedanken zur Selbstbestimmung der Persönlichkeit vortragen und dabei die Vorzüge einer atheistischen Denkweise hervorheben, ohne problematische Momente zu ignorieren.

Doch der Schwerpunkt unserer Runde soll mehr auf konkret-praktische Probleme, die zum Lebensende auftreten können, gerichtet sein.

Herr Wardenga wird die rechtliche Situation nach der Verabschiedung des §217 des Strafgesetzbuches (Suizidhilfe-Verbot) durch den Deutschen Bundestag am 6.11.2015 erläutern.

Weitere Schwerpunkte sind:

Bedeutung von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Möglichkeiten und Grenzen der Palliativmedizin

Möglichkeit und Probleme des Sterbefastens.

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Wir immer freuen wir uns auf einen spannenden, sachkundigen Vortrag und auf eine lebhafte Diskussion mit vielen Teilnehmern im schönen Kieztreff im Wedding.

Wie immer findet ihr in den nächsten Tagen auf unserer Webseite weitere Hinweise, Literaturempfehlungen und eventuelle Aktualisierungen.

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Eure Kollektive Berliner Leitung

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* Der Kieztreff – „generationsübergreifender und kiezbezogener Treffpunkt für alle Anwohnergruppen“ – ist etwa gleich weit entfernt (ca. 300m Fußweg) von den U-Bahnhöfen Bernauer Straße oder Voltastraße. Die Stralsunder Straße kreuzt die Brunnenstraße. Im Bereich des Kieztreffs ist die Stralsunder Straße verkehrsberuhigt (ohne Autoverkehr), parkartig. Der Eingang zum Kieztreff ist von der Stralsunder Straße etwas zurückgesetzt („zweimal um die Ecke“), Dank Ausschilderung aber trotzdem gut zu finden.

„Mir geht es gut – sonst ist mir alles scheißegal!“

Mittwoch, 27. September 2017 von Webredaktion

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