Liebe Freunde,
Hinweis auf kommende Veranstaltungen (siehe auch unter Termine/Veranstaltungen):
8. September: Referat um 18 Uhr im Kieztreff von Autor Stephan Ossenkopp,
der einen eigenen Blog betreibt, in Hildesheim Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Literaturwissenschaft und Journalistik studierte; in seinem jüngsten Newsletter schloss der Berliner Freidenker Stephan Ossenkopp mit bewegenden Worten zur Notwendigkeit, die „Fackel weiterzutragen“ – wie könnte man den friedenspolitischen und interkulturell erhebenden Anspruch der Freidenkertradition besser zusammenfassen als in diesem im 19. und frühen 20. Jahrhundert sehr beliebten Bild der Weitergabe des natürlichen Lichts?
I. Von Stephan Haube, 6. August 2026
In der sehr gelungenen Doku des „Hintergrund“ kommen quasi genau die amerikanischen Hardliner zu Wort, wie z.B. George Friedman von Stratfor oder Victoria Nuland, die aus ihrer Verachtung der EU und Deutschlands kein Geheimnis machen. Eklige Marionetten des US-Imperialismus sind aber auch sämtliche Bundeskanzler, mit Ausnahme Schröder vielleicht, der Nord Stream 2 in Deutschland auf die Erfolgsspur half.
Es wird einem nochmal exemplarisch vor Augen geführt, dass das billige russische Gas sämtlichen europäischen Volkswirtschaften großen Vorteil verschafft hatte. Nur Antikommunisten und Gegner eines freien Europa können das teure und Umwelt schädliche Fracking-Gas der USA favorisieren.
Interessant und erfreulich auch, dass der „Hintergrund“ offensichtlich aus seiner finanziellen Talfahrt heraus gekommen ist. Ein Abo dieser Zeitschrift lohnt sich in jedem Fall.
II. Von Tobias Baumann / Landesverband Berlin, überarb. Fass. 8. August 2026
Besprechung der neuen Dokumentation über die Zerstörung Nord Streams
‚Nord Stream – Die Sprengung‘
Als Pluspunkte sind die große Detailfülle (etwa eindrucksvolle Archivbilder von Nulands Treffen mit Großindustriellen von Chevron und die berühmte Aussage von Condoleezza Rice über die Notwendigkeit, mehr Frackinggas nach Europa zu exportieren von 2014) und die hervorragende Auswahl der Interviewpartner zu nennen: ein ehem. CIA-Analyst, ein sehr gut unterrichteter schwedischer Ingenieur, ein renommierter bayerischer Propagandaforscher und Dr. Werner Rügemer, General Kujat, der BPK-Journalist Florian Warweg (Nachdenkseiten, Ostdeutsche Allgemeine) sowie der bekannte Geopolitik- und Wirtschafts-Analyst Demostenes Floros.
Weiterer Vorteil des Dokufilms ist, dass die Propagandamethoden ausführlich erklärt werden (covert story, covert operation etc.) und der Mechanismus der NATO-Kriegsdynamik sehr plastisch wird – auch mit Hinweisen auf einen drohenden, weiteren imperialistischen Weltkonflikt gegen Moskau Ende dieses Jahrzehnts.
Es gilt jedoch bei dieser sehenswerten Dokumentation hinzuweisen auf einen Fehler in einem der präsentierten Interviews: Der Professor aus Cambridge, der die Quelle von Seymour Hersh verifizierte, behauptet in einem gezeigten Interview, dass die Zerstörung der drei Stränge der Pipeline die Industrie „Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens“ geschwächt hätte.
In Wahrheit waren allerdings insbesondere an Nord Stream 2 Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Italien und Österreich direkt beteiligt.
Dies ist umso relevanter, als bekanntlich das Vereinigte Königreich im Unterschied zu Kontinentaleuropa, vor allem zu Deutschland/Holland/Österreich/Norditalien, schon vor 2022 weitgehend deindustrialisiert war. Die City of London und ihre Regierung ist bekanntlich überdies eine der Haupttriebfedern des antieurasiachen Gefüges.
Überdies ist die präsentierte Stratfor-Analogie zum Ersten Weltkrieg irreführend; stattdessen besteht vielmehr eine relative Kontinuität seit der Ermordung des Außenministers Walther Rathenau im Juni 1922, woraufhin die atlantische Relegierung des Geistes von Rapallo mit voller Macht einsetzte sowie die nachfolgende, einhundertjährige deutsch-nordamerikanische Annäherung, die massive Investition von US-Kapital in Deutschland und die daraus folgende, zunehmend einseitige Westbindung (West-)Deutschlands.
Seit den 1920er Jahren ist Deutschland schließlich Hauptspringer auf dem Schachbrett des US-Imperialismus in Europa wider Eurasia und gegen nationale sowie Volkssouveränität.
Die wichtige Kontinuitätslinie, die in puncto (west)deutsch-russische Energiepartnerschaft von Walther Rathenau (Vertrag von Rapallo 1922) über Willy Brandt und dessen Ostpolitik (Export rheinland-westfälischer Erdgasrohre in die UdSSR etc.) über Schmidt bis Schröder und Merkel ist in der Dokumentation nur auszugsweise angedeutet. Die Zwischenkriegszeit ist in Gänze ausgeblendet, die Pionierrolle des ehem. Spanienkämpfers Willy Brandt hinsichtlich der russisch-westdeutschen Energiekooperation im Geiste Rapallos wird nicht aufgezeigt. Dafür erscheint Schmidt, der in Wahrheit in Brandts Fußstapfen trat und die Energiepartnerschaft auf den Ölbereich ausdehnte, breit dargestellt als Opfer der US-Einflusspolitik Anfang der 1980er Jahre. Auch Schröder und Merkel werden anerkennend in dieser souveränen Tradition der eurasischen Energiepolitik erwähnt, nicht jedoch deren Ursprung: der Vertrag, den Bonn und Moskau im April 1922 in Rapallo besiegelten und worin sogar geregelt war, dass das sowjetische Erdöl mit der Hilfe deutscher Raffinerietechnologie verarbeitet werden sollte – zu einer Zeit, als Öl noch gar nicht der Hauptenergieträger war (bis in die 1950er Jahre galt Kohle als wichtigster Energieträger).
Zusätzlich zur Bagdad-Bahn, die in der Doku großen Raum einnimmt, hätte also diese Kontinuitätslinie (1922-2022) hervorgehoben werden können – oder an ihrer statt.
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Am Dienstag, 11. August lesen wir um 18 Uhr im Kieztreff Wedding (Stralsunder Str. 6) weitere Auszüge aus:
„Die Deutschen“, Kai Homilius Verlag, Berlin 2010; dieses Buch ist gleichsam das einzige, das der Philosoph Domenico Losurdo gezielt in deutscher Sprache veröffentlichte, da es sich explizit an das deutsche Volk im Sinne der Überwindung des US-Vasallenstatus richtet, welcher Mitte der 1920er Jahre mitten im ersten kalten Krieg begonnen hatte. Genau wie Dr. Annie-Lacroix-Riz so konzeptualisierte auch der italienische Gelehrte auf sehr klare und lehrreiche Weise einhundertjährige, historische Kontinuitäten unter dem Leninschen Überbegriff Imperialismus.
Schon in seinem Werk „Der Marxismus Antonio Gramscis – von der Utopie zum kritischen Kommunismus“ aus dem Jahr 2000 fokussierte Losurdo auf die einzelnen Etappen des globalen Emanzipationsprozesses und warnte vor einer „Religion der Flucht“: Anspielung auf linken Utopismus, der sich Ende des 20. Jahrhunderts zur „imperialen Linken“ mauserte, wo es ein identitäres „Paradies der Gläubigen“ (beispielsweise die bellizistisch-spätmoderne Ideologie der Grünen) gebe, wobei konkrete Klassenkämpfe ausgeblendet seien. Losurdo ging es in seinem Gesamtwerk um eine zeitgemäße Revolutionstheorie sowie um die Theorie des Kritischen Kommunismus. Die oberflächliche bis nihilistische Haltung Rosa Luxemburgs zur Nation stufte die nationale Identität zu einem bloß nebensächlichen Vorurteil herab, das quasi vor der überragenden, raumgreifenden Klassenidentität verschwinden sollte: Luxemburg plädierte für die Auflösung der polnischen Nation in eine proletarische, russische Nationalität. Auch im heutigen Deutschland erkennt man seit Jahrzehnten eine Vernachlässigung der nationalen Frage, überschrieben von der imperialen EU-Supranationalitätsdoktrin, welche eine einseitige Westbindung zementierte.
Herzliche Grüße
Euer Landesvorstand Freidenker Berlin
Stephan hat zu dem Thema einen Text verfasst, der unter dem folgenden link abrufbar ist (PDF):
Wir freuen uns au die Klänge des Trío Palmera, die Gruppe wird wieder bei uns auftreten als feierlicher Auftakt für unser monatliches Treffen im Kieztreff Wedding (Stralsunder Str. 6, U 8 Voltastr./Bernauer Str.) am
Mittlerweile sind die letzten Ölreserven aufgebraucht, selbst jene des russischen Tankschiffs „Anatoly Kolodkin“, welches trotz verschärfter US-Blockade die kubanische Küste erreicht hatte. Zuletzt haben wir eine Verleumdungskampagne gegen Raúl Castro erlebt, während CIA-Direktor John Ratcliffe nach Havanna reiste (wo er mit dem Innenminister sowie hohen Führungskräften aus dem Sicherheitsapparat zusammentraf), um den Druck auf die souveräne, sozialistische Nation ins Unermessliche zu steigern. Schließlich kristallisierte sich heraus, dass die USA den ehemaligen Staatspräsidenten Raúl Castro mittels fadenscheiniger Vorwände anklagen, u.a. wegen angeblicher Verwicklung in Drogengeschäfte (ein fabriziertes Argument, das bereits zur Entführung Maduros bemüht wurde). Die revolutionäre Regierung in Havanna ging im Gegenzug dazu über, den Kubanern Evakuierungs- und Mobilisierungspläne für den Widerstand des Volks gegen die möglicherweise bevorstehende Militärinvasion zu verteilen. Die Behörden rufen entsprechend zur kollektiven Verteidigung der nationalen Souveränität auf. Aus diesem am 3. Januar gegen Caracas gestarteten und nun gegen den Tropensozialismus ausgeweiteten Recht des Stärkeren ist zu schließen, dass gut einhundert Jahre Völkerrecht erneut – wie zuletzt 1938 mit der Zerschlagung der Tschechoslowakei – vor dem Aus stehen.
In Folge der Idee von Léon Bourgeois entstand parallel zum ersten kalten Krieg 1920 der Völkerbund, dessen Strukturen wiederum nach dem Zweiten Weltkrieg in die UNO mündeten. Ein wesentlicher Vordenker war wiederum lange zuvor Christian Wolff aus Breslau, der einst aus Preußen vertrieben wurde, weil er das Ende der Missionierung in China gefordert hatte – schließlich hatte er als Professor an der Universität Wittenberg wissenschaftlich dargetan, dass die konfuzianische und die westliche Kultur auf gleichem zivilisatorischem Entwicklungsniveau angekommen waren. Diese Wurzeln der Vereinten Nationen aus dem frühen 18. Jahrhundert gilt es heute mehr denn je in Erinnerung zu rufen, denn die SCO wird hoffentlich ein Projekt für eine gänzlich neue Völkerrechtsunion mit Hauptsitz in Asien präsentieren, die auf diesen deutsch-französischen Wurzeln aus dem 18. und frühen 20. Jahrhundert aufbauen könnte.
Die imperialistische Führungsmacht fällt seit Januar dieses Jahres vom Neo- in den traditionellen Kolonialismus zurück; eine Regression, welche im NATO-Raum mit der vom Kapitalmedienkomplex forcierten kollektiven Kriegspsychose zusammenfällt.
Herzliche Grüße
Euer Landesvorstand Berlin
Ein Vortrag von Gerhard Mertschenk von 2024 auf rumble von „antikriegtv“:
>>https://odysee.com/@anti-kriegTV:a/rede-gerhard-mertschenk-%28gefis%29:d<<
Gerhard Mertschenk Vortrag 2024
Liebe Freunde,
1. kommenden Samstag treffen wir uns um 10 Uhr zur traditionellen Kranzniederlage anlässlich des Jahrestages der Befreiung
am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park bei der „Mutter Heimat“.
Herzlichen Dank an dieser Stelle an unser Vorstandsmitglied Stephan Haube, der für den FD-Kranz ein antifaschistisches Brecht-Zitat passend zur politischen Aktualität auswählte.
2. Kommenden Dienstag, 12. Mai lesen wir um 18 Uhr im Kieztreff Wedding (Stralsunder Str. 6, U 8 Bernauer Str.) Auszüge aus
„Die Deutschen„, Kai Homilius Verlag, Berlin 2010 mit einem Vorwort von Andreas Wehr (MEZ).
Dieses Buch (ausreichend Exemplare vorhanden) schrieb der Philosoph Domenico Losurdo auf Deutsch; es ist gleichsam das einzige, das er gezielt in deutscher Sprache verfasste, da es sich an das deutsche Volk richtet.
Ein von unten aus der Bevölkerung entstehendes Nationalgefühl könnte gegenwärtige Gesellschaftsprobleme wie die Erosion der nationalen Souveränität lösen, indem es einen deliberativen, also direkt-bewussten Zugang zu demokratischen Entscheidungsfindungsprozessen ermöglicht.
Herzliche Grüße
Euer Landesvorstand Freidenker
Weiterführende Informationen:
Andreas Wehr, Marx-Engels-Zentrum:
Zu Recht kann Domenico Losurdo als einer der wichtigsten marxistischen Denker der Gegenwart angesehen werden. Er war aber zugleich auch einer der produktivsten. Seine Bibliografie umfasst für die Jahre von 1983 bis 2021 nicht weniger als 32 Bücher. Nahezu alle wurden ins Deutsche übersetzt. Hinzu kamen mehr als 200 Essays und Artikel. Darüber hinaus hat er für 31 Bücher anderer Autoren Beiträge verfasst.
Losurdo gehört zu den wenigen Historikern und Philosophen dessen Werke in den verschiedensten Sprachen veröffentlicht werden. Allein sein Buch „Freiheit als Privileg“ wurde in 14 Sprachen übersetzt, auch in das Japanische und Chinesische. Sein Wirken beschränkte sich keineswegs nur auf Europa, so gilt er heute in Südamerika als der mit Abstand wichtigste marxistische Theoretiker der Gegenwart. In Brasilien erscheinen seine Bücher immer wieder in neuen, hohen Auflagen. Zu seinen Lesungen kamen dort regelmäßig Hunderte. Als langjähriger Präsident der „Gesellschaft Hegel – Marx, für dialektisches Denken“ unterhielt er weltweit fachliche und oft auch enge persönliche Verbindungen zu den marxistischen Philosophen und Historikern seiner Zeit. Zugute kam ihm dabei seine Fähigkeit auch auf Deutsch, Französisch und Englisch referieren zu können. Er war einer der heute ausgesprochen rar gewordenen kosmopolitischen Denker.
weiterlesen…:
https://www.andreas-wehr.eu/artikel-reader/der-marxismus-domenico-losurdos-ueber-den-zusammenhang-seines-denkens.html
https://mez-berlin.de/positionen-detailansicht/ein-deutscher-sonderweg.html
Domenico Losurdo (1941– 2018)
Mit großer Traurigkeit haben wir vom Tod des 76-jährigen Domenico Losurdo erfahren. Mit ihm hat das InkriT und haben seine Projekte, insbesondere das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus, den vielleicht bedeutendsten Theoretiker und Historiker marxistisch-leninistischer Provenienz verloren.
Gründungs- und Kuratoriumsmitglied des InkriT, fungierte er ab Band 3 des Wörterbuchs als Mitglied von dessen internationalem Beirat und steuerte den Artikel »Fundamentalismus« (Bd. 4) bei. Sein zweibändiges Werk Nietzsche, der aristokratische Rebell erschien in der vom InkriT herausgegebenen Reihe der Berliner Beiträge zur kritischen Theorie (2009).
Im Gegensatz zu einer tonangebend gewordenen »Hermeneutik der Unschuld«, die auch Nietzsches brutalste Stellungnahmen von der Unterstützung der Sklaverei bis zur Vernichtung der Schwachen nur als tiefsinnige Metapher verstehen wollte, verhalf Losurdo in diesem seinem Magnum Opus dem historisch-kritischen Herangehen wieder zu seinem Recht, indem er den philosophen im ideologischen Geflecht des späten 19. Jahrhunderts detailliert als radikalen Vertreter einer europäisch-westlichen Bewegung zur Abwehr und Überwindung der Französischen Revolution und des von ihr eingeleiteten Revolutionszyklus rekonstruierte. Der Zusammenstoß mit demokratischen Bewegungen erzeugte eine »Erbarmungslosigkeit der Elite« (Losurdo), der Nietzsche mit seiner Polemik gegen Mitleid und Nachgiebigkeit gegenüber den Subalternen ideologischen Ausdruck verlieh. Im Unterschied zu den Antisemiten seiner Zeit, die Nietzsche als »Plebejer« verachtete, entwickelte er einen »transversalen« Rassismus, der sich auf den Sozialantagonismus zwischen ›Vornehmen‹ und ›Plebejern‹ bezog und die subalternen Klassen unmittelbar in ›Rassen‹ verwandelte.
weiterlesen: https://www.inkrit.de/mediadaten/pdf/DA328_nachruf_losurdo.pdf
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