Landesverband Berlin im
Deutschen Freidenker-Verband e.V.

Ja geht’s noch?

Samstag, 05. Dezember 2020 von Webredaktion

Schluß mit den Provokationen gegen Russland und China durch die deutsche Politik!

Rede von Ingrid Koschmieder (Deutscher Freidenker-Verband) auf der Berliner Friedenstour am 28.11.2020 anläßlich der Aktionswoche „Abrüsten statt Aufrüsten“.

Hallo! Warum stehen wir hier? Mit unserem Corso möchten wir, Berliner Friedensbewegte, darauf aufmerksam machen, dass in knapp zwei Wochen, am 11.12.2020, im Bundestag über den Haushalt (Staatsausgaben) für das nächste Jahr entschieden wird. Knapp 47 Milliarden Euro Steuergelder sollen laut Plan der Regierungskoalition für Rüstung und Militär verwendet werden. Das bedeutet, trotz Wirtschaftseinbruch in diesem Ressort einen Zuwachs von über 1,7 Milliarden zum Vorjahr. Sie nennen es Sicherheit und Verteidigung.

Wir normalen Leute haben mit Covid19 eigentlich schon genug Probleme. Noch ist nicht klar, wie lange die Pandemie dauert! Oder wie einschneidend die weltweiten Folgen von Corona für uns sein werden. Und welche sozialen und wirtschaftlichen Härten die Politik hier am Ende für zumutbar hält! Auch deswegen hat sich die Friedensbewegung entschlossen in vielen Städten Alarm zu schlagen. Trotz Wirtschaftskrise und pandemiebedingten Einschränkungen, sollen vom nächsten BT-Haushalt fast 10% verwendet werden, um Militär und Aufrüstung zu „stärken“, wie „Verteidigungs“-ministerin Kramp-Karrenbauer es so gern ausdrückt.

Dafür ist beispielsweise geplant, bereits für Überwachungsflüge genutzte Drohnen zu bewaffnen, d.h. mit Raketen auszustatten. Angeblich zur Sicherheit der Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen. Dumm nur, dass bekannt ist, dass seit vielen Jahren kein einziger Soldat direkt im Einsatz getötet wurde. Durch Selbstmorde aber schon. Wozu also bewaffnete Drohnen? Weil andere in der Nato sie auch haben? Weil Rüstungslobbyisten erfolgreich waren? Um als Militär Herr über Leben und Tod über die da unten in armen Ländern wie Afghanistan, Mali und Syrien spielen zu können?

Milliarden Euro sind auch für ein besonderes Lieblingsthema der deutschen Politik reserviert, für die Fortführung der „Nuklearen Teilhabe“! Die Deutschen dürfen ja eigentlich gar keine Atomwaffen haben, schon die alte BRD trat 1969 dem Atomwaffensperrvertrag bei – und das ist gut so! Aber die USA machen den Atombombeneinsatz möglich, indem sie mit deutscher Genehmigung Atombomben bei uns lagern. Wenn die USA eines Tages das Zeichen geben, dürfen dafür trainierte Bundeswehrpiloten die Bomben in einem Kamikaze-Job nach Russland tragen, was mutmaßlich den dritten Weltkrieg auslöst. Die jetzigen Trägerflugzeuge gelten als in 5 Jahren zu alt und so braucht es neue Bomber, die praktischerweise in den USA zu kaufen sind, was die transatlantischen Bindungen festigen würde (und manche an Belohnungen für die deutschen Musterschüler denken lässt?). Dafür brauchen Frau Merkel und Frau Kramp-Karrenbauer eben siebeneinhalb Milliarden – Nutzung, Wartung und Modernisierung zählen extra! Faktisch wäre es so einfach, das Leben für uns alle sicherer zu machen: Deutschland könnte sich entschließen und nach Kanada und Griechenland die nukleare Teilhabe beenden und von der Beschaffung neuer Trägersysteme absehen. In Italien, den Niederlanden, Belgien und der Türkei – wo weitere Atombomben gelagert sind – würde man das mit großem Interesse verfolgen!

Etwa 40% des „Verteidigungs-“Budgets sind Personalkosten, kein Wunder bei den vielen Auslandseinsätzen! Die Bundeswehr ist keine Verteidigungsarmee mehr, wie nach dem 2.WK hoch und heilig versprochen, sondern in eine Einsatzarmee umstrukturiert worden und typischerweise sind deutsche Truppen dort im Einsatz, wo NATO-Staaten vorher dafür gesorgt oder zumindest mitgeholfen haben, dass fremde Truppen dort was zu tun haben. „Verantwortung übernehmen“ wird das genannt. Auf dem Balkan und im Baltikum, in Afghanistan, in Irak und in Syrien, im Mittelmeer und in Mali, am Horn von Afrika und – vielleicht will die Bundeswehr ja auch bald im indopazifischen Raum bei den Chinesen ein bisschen mithelfen, für Ordnung zu sorgen. Das kann nicht so weitergehen!

Unser Militär hat mit Ländern, die uns nicht bedrohen und angreifen, nichts zu schaffen. Unser Militär ist auch nicht dafür da, Teil einer umfassenden Bedrohungskulisse gegen ein Nachbarland zu sein, nämlich Russland, das uns nicht nur nichts getan hat, sondern im Gegenteil uns zahllose, kaum erwiderte Kooperationsangebote machte – uns, die wir vor noch nicht all zu langer Zeit gegen Polen und die Sowjetunion einen entsetzlichen Raub- und Vernichtungskrieg führten, der in Teilen genozidale Züge trug. Was ist nur in die deutsche Politik gefahren, dass sie mit wachsender Lautstärke die Russen brüskiert und provoziert? Dafür ja selbst ökonomische Nachteile durch ein Teil-Embargo im Kauf nimmt. Ja, geht’s noch?

Weitere rüstungspolitische Vorhaben, teils als Gemeinschaftsprojekte mit anderen Staaten, sind große Transporthubschrauber, Panzer, Euro-Drohnen und Kampfflugzeuge. Auch da fragt sich: wofür werden diese militärischen Megapotentiale gebraucht? Welche Regionen auf der Erde sollen damit überzogen werden können? Ist das wirklich das, was wir Menschen in Deutschland, wir Deutsche tun und verantworten wollen und können?

Klar ist: Mehr fürs Militär, mehr Rüstung führt zu mehr Kriegsgefahr … mit Kriegsverbrechen inklusive … und am Ende hält die Bevölkerung in den angegriffenen Ländern wie auch hier den Kopf dafür hin! Das wollen wir nicht! Runter mit der Rüstung! Ein Hoch für Frieden und Völkerverständigung!

Welche Situation haben wir jetzt? Der Paritätische Wohlfahrtsverband formuliert es aktuell so: Deutschland zeige sich „als ein in großer Ungleichheit zerrissenes Land, in dem die Gruppe der über mangelndes Einkommen Marginalisierten seit 2006 im Trend beständig zunimmt. Volkswirtschaftliche Erfolge kommen nicht bei den Armen an, sondern vergrößern in ihrer Verteilungswirkung ganz offensichtlich noch Ungleichheit und Ausgrenzung. Die Auswirkungen der Corona-Krise dürften diesen Trend noch einmal spürbar beschleunigen.“ Bezeichnenderweise betitelt der PW seinen diesjährigen Armutsbericht mit „Gegen Armut hilft Geld“! Und, möchte ich hinzufügen: die Haltung dazu. „Gestärkt werden“ sollte bei uns nicht das Militärbudget, sondern die Angleichung der Lebensbedingungen, das gesellschaftliche Gefüge, der Zusammenhalt! Wir haben bei uns jedenfalls sehr viel in Ordnung zu bringen, angefangen damit, uns zu fragen, wie wir als Gesellschaft leben wollen.

In einer Rede für den Frieden führte Bertolt Brecht 1952 aus:

»Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer. Die Beschreibungen, die der New Yorker von den Gräueln der Atombombe erhielt, erschreckten ihn anscheinend nur wenig. Der Hamburger ist noch umringt von Ruinen, und doch zögert er, die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben. Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht nass, sagen viele. Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns schon heute vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen. Und doch wird nichts mich davon überzeugen, dass es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche im Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.« Diese Gedanken sind aktuell wie nie zuvor.“

In einer Woche, am Sa 5.12. um 13.30 Uhr wollen wir uns mit vielen anderen zwischen Kanzleramt und Bundestag treffen um unseren Protest zu zeigen, mit Reden, Aktionen und einer Menschenkette! Kommen Sie dorthin, werdet Teil eines Protests für Vernunft, für Frieden und einer Welt der Solidarität, nicht des Krieges!

Abrüsten statt Aufrüsten

Dienstag, 24. November 2020 von Webredaktion

Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen,

am 11. Dezember 2020 wird der Bundestag voraussichtlich den Bundeshaushalt 2021 abstimmen.

Aus diesem Anlass wird am 5. Dezember auch in Berlin eine Kundgebung im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages „Abrüsten statt Aufrüsten“ durchgeführt. Sie wird organisiert von der Berliner Friko und „Abrüsten statt Aufrüsten“.

Die Kundgebung beginnt um 13:30 vor dem Bundeskanzleramt. Anschließend wird es eine Menschenkette um den Bundestag geben.

Ein Aufruf der Friko ist über diesen Link zu finden:

http://www.frikoberlin.de/

Indem wir den Aufruf weiterleiten, möchten wir einige Gedanken anfügen, die in den letzten Monaten häufig in unseren Freidenkerveranstaltungen, aber auch mit befreundeten Organisationen zur Sprache kamen. (more…)

Halten wir an unserer Sprache fest!

Montag, 16. November 2020 von Webredaktion

Zur Problematik von „Coronaprotesten“ und „Gegenprotesten“

von Liane Kilinc

Viele von uns betrachten die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen mit Unbehagen. Letztes Wochenende wurde in Leipzig auf der Querdenker-Demonstration ein Transparent getragen, auf dem geschrieben stand:

„Das bösartigste Virus auf der Welt ist die Kommunistische Partei Chinas“.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir alle haben die immer wiederkehrenden Vorwürfe im Ohr, die Grundrechtseinschränkungen, die durch die Pandemie begründet werden, seien ‚DDR 2.0‘, während gleichzeitig das Grundgesetz in den Himmel gehoben wird als sei es tatsächlich die beste aller deutschen Verfassungen. Maskenzwang ist Faschismus oder Stasi, egal, beides gleich böse…

Welch ein Durcheinander in den Köpfen, man weiß gar nicht, an welcher Stelle man anfassen kann, um diesen Knoten zu entwirren.

Und auf der anderen Seite? Da ist die Rede von Coronaleugnern und es fällt das vertraute ‚rechtsoffen‘. Und es denke keiner, da sei der Verstand klarer.

Wie kann es sein, dass Menschen auf die Straße gehen und erklären, sie glaubten nicht, was über die Pandemie in den Medien steht, aber dennoch unverbrüchlich glauben, was dieselben Medien, die selbe Regierung über die DDR erzählen?

Kann man wirklich die eine Erzählung so grundsätzlich in Frage stellen und die andere unüberdacht lassen? Und wie kann es sein, dass irgendwie in dem Ganzen die wirklichen, die sozialen Fragen gar nicht benannt werden? Weder von den sogenannten Leugnern, die sich am Grundgesetz festgebissen haben, noch von jenen, die meinen, der Regierung die Stange halten zu müssen, auch wenn viel für die Konzerne und wenig für die Menschen getan wird? (more…)

Rapoport- Gesellschaft in Berlin gegründet

Dienstag, 13. Oktober 2020 von Webredaktion

Am 14. August 2020 wurde an der Berliner Charité die „Ingeborg-Syllm-Rapoport-und-Samuel-Mitja-Rapoport-Gesellschaft“, kurz Rapoport- Gesellschaft gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Prof. Dr. K. Fuchs- Kittowski (Mitglied der Leibniz-Sozietät), Prof. H. Kreibich, Dr. Niemann ( IPPNW), Klaus Hartmann (Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, Dr. D. H. Rapoport, Dr. U. Schagen, Medizinhistoriker, Verband Demokratischer Ärzte und Ärztinnen sowie weitere Einzelpersönlichkeiten.

Eine Gründungsversammlung verabschiedete den Auftrag für einen gemeinnützigen Verein, der die wissenschaftlichen Leistungen und die gesellschaftliche Wirksamkeit von Prof. Dr. Ingeborg Syllm-Rapoport und Prof. Dr. Samuel Mitja Rapoport erforscht, um die Erinnerung und das Andenken an ihr Leben und Lebenswerk wachzuhalten und es für die Gegenwart produktiv und nutzbar zu machen.

Vorausgegangen war Ende 2019 eine wissenschaftliche Konferenz zum Wirken der Rapoports im Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf mit mehr als 150 Besuchern. Bei dieser Veranstaltung trafen sich die Rapoport Schüler und Mitstreiter, wie Frau Prof. G. Jacobasch, Dr. Niemann, Prof. Kreibich, Dr. Linke, Dr. Siems, Klaus Hartmann, Mitglieder der Familie Rapoport, die Leitung des Dekanats des UKE, Prof. Koch-Gromus sowie weitere interessierte Organisationen. Diese Veranstaltung verdeutlichte die große Anerkennung die Inge & Mitja Rapoport als Wissenschaftler, Antifaschisten, als Familie und Freunde, als Lehrer, erfahren haben. (more…)

Freidenker und das Vermächtnis der Rapoports

Dienstag, 13. Oktober 2020 von Webredaktion

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen.

Vermutlich stellen sich einige von Ihnen die Frage, was die Freidenker mit dem Inhalt dieser Veranstaltung im Allgemeinen zu tun haben, und was speziell mit Ingeborg und Mitja Rapoport. Daher werde ich etwas dazu sagen, was die Freidenker hierher führt und welche Inhalte uns dabei bewegen. Bitte erlauben Sie mir eine kurze Ausführung über die Entstehung und Entwicklung der organisierten Freidenkerbewegung.

Bei Gründung der ersten Freidenker-Organisation in Deutschland wurde Prof. Dr. Ludwig Büchner zum Vorsitzenden gewählt. Er war Bruder des Schriftsteller und Dramatikers Georg Büchner, der wegen der Herausgabe des „Hessischen Landboten“- v.a. bekannt: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ verfolgt wurde.

Ludwig war – wie viele, die sich bei den Freidenkern organisierten – Teilnehmer der leider wenig erfolgreichen 1848er Revolution. Büchner war Arzt, Naturwissenschaftler und Philosoph und gemeinsam mit Carl Vogt und Jakob Moleschott führender Vertreter des naturwissenschaftlichen Materialismus. Sein Buch „Kraft und Stoff“ wurde zu einem Bestseller in der demokratischen und Arbeiterbewegung, aber auch zum Grund für den Entzug seiner Lehrbefugnis in Tübingen. (more…)

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