Landesverband Berlin im
Deutschen Freidenker-Verband e.V.

Die russische Frage (1)

Mittwoch, 22. Juni 2016 von Webredaktion

Als Bruno Mahlow kürzlich bei den Berliner Freidenkern einen Vortrag über Russland hielt (neudeutsch: „einen hochkarätigen Vortrag“; sicherlich wird bald ein Videomitschnitt zu sehen sein) benutzte er eine mir altvertraute aber lange nicht gehörte Wendung: „Die russische Frage“. Bruno Mahlow erinnerte: „Plötzlich fanden sich 25 Millionen Russen außerhalb Russlands … das Weißbuch der Bundeswehr benennt Russland als Feind, wie den IS … Gehrke stellte auf dem Magdeburger Parteitag der Linken den Antrag, den 75. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion würdig zu begehen … nach dem Untergang der Sowjetunion, diesem „zivilisatorischen Rückschlag für die Menschheit“, gibt es sie wieder, „die russische Frage“.“

In meiner Sozialisation hat „die russische Frage“ frühzeitig eine Rolle gespielt. Als Heranwachsender fand ich die Formulierung interessant und zugleich geheimnisvoll. Ich konnte mir wenig darunter vorstellen. Mit 11, 12, Jahren begann ich Gorkis Romane und Erzählungen zu verschlingen (Mein Vater – Bau-Ingenieuer – war 1951 für gute Arbeit mit einem dicken Sammelband Gorki ausgezeichnet worden. Hier ist dieses Buch aus dem SWA-Verlag abgebildet.) Es war die Zeit der Stalinkult-Kriegsfilme. „Der Fall von Berlin“ riss mich mit, und es störte mich, dass mein Vater meine Begeisterung nicht teilte. (Mein erster, schwer beeindruckender Film war jedoch kein russischer –„Die letzte Etappe“ von Wanda Jakubowska (1948). Der ging in die persönlichen Grunderfahrungen ein.)

In Gesprächen geisterte ein Film aus noch früherer Zeit herum – „Die russische Frage“ nach Konstantin Simonow. Bereits 1947 hatte es eine gleichnamige Theateraufführung in Berlin unter der Intendanz Wolfgang Langhoffs gegeben. Der „Spiegel“ reagierte missvergnügt. In einer ausführlichen Besprechung „Der Fall Harry Smith“ vom 10.5.1947 haben bereits alle die Schreiber des Tages in den ideologischen Schützengräben Posten gefasst. 1947/48 „die russische Frage“ zu stellen, verletzte offensichtlich bereits ein Sakrileg. Das war knapp und speziell den Deutschen fasslich: Ami gut – Russe schlecht.

Wann waren die historischen Anfänge? Dämonisierung des „asiatischen Ostens“ bereits seit dem 15. Jahrhundert. Karl Marx spricht 1853 von der russischen Frage, doch, wie mir scheint, eher zufällig und in untergeordneter Bedeutung. Der alte Bebel erklärte bekanntlich noch 1907 seine Bereitschaft, im Rock des Kaisers gegen den Zaren, also den russischen Imperialismus, zu kämpfen. Den Sozialdemokraten blieb 1914 der Rock des Kaisers. Und vom Zarenreich im Osten blieb viel Weizen, viel Öl und viel, viel verlockender Lebensraum. Eine besondere russische Frage aber wurde damals meines Wissens im Westen noch nicht formuliert. Wohl aber von den Russen selbst. Einer fragte bereits 1863 „Was tun?“, und ein Zweiter stellte 1902 mit großem Nachdruck dieselbe Frage…

Langsam wird es verwirrend: Die Russen stellen sich selbst die „russische Frage“ und das offensichtlich wiederholt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt stellt sich im Westen (oder in der ganzen Welt?) jedenfalls aber in Deutschland die „russische Frage“. Schließlich bekenne ich, dass es für mich persönlich eine „russische Frage“ gibt. Was mag das Verbindende dieser verschiedenen Blickwinkel sein? Darüber nachgrübelnd stoße ich darauf, dass es die Revolution ist. Nein, nicht die Revolution allein, sondern ein Dreieck mit den Seiten: Revolution – Frieden – Faschismus. Und es stellt sich der bedrückende Gedanke ein, dass das deutsche Volk noch nie in einer Revolution oder wenigstens in einem großen Volkskrieg gesiegt hat.

Es scheint, dass die russische Frage uns seit etwa 100 Jahren verfolgt. Steht sie etwa heute wieder im Raum? Der Elefant, der im Mediennebel verschwindet? Wir sollten die Augen offen lassen, und wir sollten nicht aus dem Raum flüchten.

Das da ist wohl keine gute Antwort:

Zum „Die russische Frage“ Teil 2 hier.

Zum „Die russische Frage“ Teil 3 hier.

5000 Menschen protestieren in Ramstein – Drohnenkrieg ist Mord. Wir kommen wieder!

Montag, 13. Juni 2016 von Webredaktion

Es war die größte Protestaktion gegen Drohneneinsätze, es waren die größten Aktionen der Aufklärung und Information in der Geschichte des jahrzehntelangen Protestes gegen die Militärbasis der USA in Ramstein. Wir haben die Stimmung in der Region zugunsten von Frieden verändert. Das ist das Resümee der vielfältigen Aktivitäten in Ramstein vom 09. bis 12.06.2016. Die Aktionen waren jung. Gleichzeitig war es toll, auch viele langjährige AktivistInnen wieder zu treffen.

Albrecht und Dani - Stop Ramstein Webseite

  • 5.000 Menschen  bildeten bei strömenden Regen eine (fast) geschlossenen Menschenkette durch die Ortschaften um die Air Base Ramstein und der abschließenden Kundgebung am Kreisel vor den Toren der Base. Hand in Hand standen die Menschen an der mehr als 10 Kilometer langen Menschenkette, die bis auf kleine Lücken überall realisiert wurde. Der Dauerregen verhinderte eine noch größere Beteiligung. Die Abschlussmanifestation am Kreisel vor der Air Base brachte den ganzen Optimismus, das Bunte, das Vielfältige und Kreative der 5.000 Teilnehmenden zum Ausdruck. Hier wurde die Kraft dieser neuen Bewegung eindrucksvoll sichtbar. Dieser Optimismus und das Engagement der vielen werden weiterwirken. Das Mitwirken von Oskar Lafontaine und Tabea Rößner (MdB Bündnis 90/ Die Grünen) unterstrich die politische Bedeutung dieser Aktionen.

albrecht u dani IMG_6061 Webseite

  • Mehr als 600 Menschen beteiligten sich an der öffentlichen Abendveranstaltung am Freitag in der Versöhnungskirche mit Willy Wimmer und Albrecht Müller. Die Kirche war überfüllt. Die Diskussionen brachten ein klares Nein zum Krieg, zu Drohnen und Atomwaffen und einen geradezu leidenschaftlichen Appell für neue kooperative Beziehungen zu Russland zum Ausdruck. Die Erfahrungen zweier großer politischen Männer gipfelte in der Aussage: „Lasst uns Russland nicht wieder zum Feind machen“.
  • Mehr als 500 TeilnehmerInnen fanden sich zu vielfältigen Diskussionen im Friedenscamp zusammen und erzeugten damit neue, unerwartete, insgesamt aber kleine logistische Probleme. Das Friedenscamp, am Ende – trotz permanenten Regens – völlig überfüllt, war vielleicht der Höhepunkt des gesamten Wochenendes. Aktiv, bunt, offen und engagiert, so war die Stimmung trotz Regens. Das Versprechen „Wir kommen im nächsten Jahr wieder und bringen noch viele mit“ untermalt den optimistischen Grundtenor dieses so beeindruckenden Camps.

Die Wiese des Camps stellte ein örtlicher Landwirt kostenfrei zur Verfügung; ebenso wurde Infrastruktur durch Anwohner bereitgestellt. Dies wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen und unterstreicht die Veränderung des Klimas vor Ort.

  • Auch die inhaltlichen Veranstaltungen am Informationstag am Freitag waren überfüllt. Wann hat es in Kaiserslautern schon einmal an einem Nachmittag drei Veranstaltungen zu gesellschaftlich kontroversen Themen gegeben, die mit je mehr als 150 TeilnehmerInnen überfüllt waren? Diskutiert wurde u.a. über die Zukunft der NATO, den Drohnenkrieg und wie diese überwunden werden können sowie über die gleichzeitig in Dresden stattfindende Bilderberger Konferenz.
  • 10.000 Flugblätter und weiteres Informationsmaterial wurden zusätzliches an die örtliche Bevölkerung verteilt. In den letzten Monaten hat sich das öffentliche Bewusstsein massiv zugunsten des Friedens verändert. Speziell entlang der Strecke der Menschenkette wurde intensiv und nicht ohne Erfolg bei den dort lebenden Menschen für eine Teilnahme geworben.
  • Erstmals nahmen internationale Gäste aus einer ganzen Reihe von Ländern an der Menschenkette teil. Sie ergriffen auf den verschiedenen Kundgebungen das Wort. Die Internationalität der Veranstaltungen durch TeilnehmerInnen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg und Österreich unterstreicht die große Bedeutung dieser Aktionen.
  • Der Film „Ramstein, das letzte Gefecht“, der mit maßgeblicher Unterstützung der langjährigen  FriedensaktivistInnen und KlägerInnen gegen die US Air Base, Wolfgang Jung und Fee Strieffler, entwickelt wurde, wurde am Freitag in Kaiserslautern welturaufgeführt.
  • Mehr als 10 regionale Initiativen Stopp Ramstein haben sich bundesweit bisher gegründet. 13 Busse kamen voll mit Menschen nach Ramstein.

„Von deutschem Boden geht Krieg aus und wir fordern von der Bundesregierung, diese völkerrechtswidrige Kriegsführung der USA-Regierung zu beenden“, so Oskar Lafontaine, Eröffnungsredner auf einer der drei Auftaktkundgebungen.

 

(more…)

RUF DER FREIDENKERINNEN UND FREIDENKER!

Freitag, 10. Juni 2016 von Webredaktion

160608-AppellFrieden korrigierte Fassung 515

Rassist Schäuble

Donnerstag, 09. Juni 2016 von Webredaktion

Mehr dazu im opablog. 

Nein zur NATO! In Ramstein und überall!

Mittwoch, 08. Juni 2016 von Webredaktion

160608 Aufruf gegen die NATO - Expansion in Osteuropa_1 FD webseite

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