Die Berliner Freidenker wollen
In unserer Reihe der öffentlichen monatlichen Veranstaltungen „Freidenker im Gespräch“ hatten wir am 10. Februar 2016 Prof. Dr. Erich Buchholz zu Gast. Von dieser Veranstaltung gibt es diesen Audiomitschnitt:
Unser Mitglied Elke Zwinge-Makamizile, Moderatorin des Gesprächs, hat den folgenden Bericht verfasst, den wir hiermit allen, die nicht dabei sein konnten, zugänglich machen. Danke Elke!
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„Juristische und praktische Probleme der Menschenrechte“
Der Referent Erich Buchholz (* 8. Februar 1927 in Berlin) ist ein deutscher Jurist und Autor.
Er wurde 1991 nach der juristischen Annexion der DDR in die BRD im Zuge der radikalen Abwicklung aus der Humboldt-Universität entlassen.
Mit zahlreichen Publikationen (siehe unten) setzte er seine Tätigkeit als streitbarer Rechtswissenschaftler seit 1990 fort.
Von 1948 bis 1952 studierte Buchholz Jura an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er als wissenschaftlicher Assistent tätig war. 1956 promovierte Buchholz über Strafzumessung. Seit 1957 arbeitete der Jurist als Dozent, seit 1965 als Professor mit Lehrauftrag, später Ordinarius und Leiter des Instituts für Strafrecht.Seit 1965 war er Professor mit Lehrauftrag und Leiter des Instituts für Strafrecht, 1966 Dekan der jur. Fakultät, 1976 Direktor der Sektion Rechtswissenschaft. Seit 1952 erfolgten zahlreiche Publikationen auch in Polen, der Sowjetunion, Italien, Frankreich, Schweden, den USA und in der BRD. Er ist Mitautor des Buches „Sozialistische Kriminologie“, das ins Englische, Russische und Japanische übersetzt wurde. Teilnahme an zahlreichen wiss. Konferenzen im In- und Ausland, auch an von den Vereinten Nationen veranstalteten Kongressen.
Zum Vortrag von Erich Buchholz:
Erich Buchholz stellte einleitend den humanistischen und zivilisatorischen Wert der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heraus.
Er hob die Artikel 1-3 als herausragende menschheitsgeschichtliche Errungenschaft hervor :
Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
Artikel 2
Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.
Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.
Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Bekanntlich haben wir eine für den 9.3. 2016 geplante öffentliche Antikriegsveranstaltung in Berlin mit Ken Jebsen abgesagt. Hier wurden dazu erläuternde Informationen gegeben. Mit Rücksicht auf Drohungen gegen Dritte hatten wir den damaligen Einladungstext vom 25.2. 2016 offline gestellt.
Inzwischen stellen wir fest, dass sich viele Außenstehende für den Vorgang interessieren und Viele ihre Solidarität mit den Freidenkern und mit Ken Jebsen ausdrücken, z. B. hier, hier oder hier.
Um diesen GANZEN Vorgang, der ja Teil unserer Antikriegsaktivitäten ist (die damit keineswegs zu Ende sind!) für jede/jeden Außenstehende/n verständlich zu machen, stellen wir hiermit den ursprünglichen Einladungstext zu Dokumentationszwecken wieder online. Der Text ist aus dem oben erwähnten Grund um einige wenige, nicht sinntragende Wörter gekürzt. Die Auslassungen sind mit „…“ gekennzeichnet.
Wir möchten es nicht versäumen, uns bei den Kreuzbergern (und den anderen „Neuen“), die sich zur Veranstaltung mit Name und Adresse angemeldet hatten, für ihr Interesse zu bedanken. Vielleicht können wir ihnen schon zum Ende der kommenden Woche ein neues Angebot machen. 😉
Das Leitungskollektiv der Berliner Freidenker
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09.03.2016 – „Berliner Runde – Freidenker im Gespräch“
Liebe Freidenkerin, lieber Freidenker, liebe Freunde,
wir laden ein zu unserer nächsten
„Berliner Runde – Freidenker im Gespräch“
am Mittwoch, den 9. März 2016, 18.00 Uhr
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„Die drohende Kriegsgefahr und was wir dagegen tun können“
Referent und Diskussionspartner: Ken Jebsen
Moderation: Daniel Becker, Dr. Klaus-Peter Kurch
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Ken Jebsen wird kein umfassendes Referat halten, sondern eher Probleme für die Diskussion anreißen, etwa zu diesen Fragen:
– „Grundlinien der US-amerikanisch-deutschen Mobilisierung gegen Russland“
– „Wer, was, wo ist die deutsche Friedensbewegung?“
– „Was können wir tun für den so notwendigen Aufschwung der Friedensbewegung?.
Diese unsere thematischen Interessen stehen in engem Zusammenhang mit dem Aufruf:
„Sagt NEIN, ächtet Aggressionen, bannt die Weltkriegsgefahr!“ (Nein zur NATO) und dem dringenden Appell:
„Multipolare Welt gegen Krieg“ (Für eine multipolare Koalition des Friedens)
Wir wünschen uns eine intensive, streitbare und auf die praktische Förderung der Friedensinitiativen gerichtete Diskussion.
Es erübrigt sich, unserer Meinung nach, Ken Jebsen im Rahmen dieser Einladung vorzustellen. Wir verweisen jedoch auf problemorientierte Beiträge wie diesen oder diesen auf unserer Webseite und gegebenenfalls weitere, die in den nächsten Tagen erscheinen. Selbstverständlich steht die Webseite für Meinungsäußerungen offen.
Mit solidarischen Grüßen
Daniel Becker, Klaus-Peter Kurch
im Auftrag des Leitungskollektivs.
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… Da die Veranstaltung im Rahmen unserer Freidenker-Gesprächsreihe stattfindet, wird jedem unserer Mitglieder und regelmäßigen TeilnehmerInnen ein Sitzplatz garantiert. Darüber hinaus sind interessierte Gäste willkommen! Wir bitten aber in Anbetracht der begrenzten Platzzahl um rechtzeitige Anmeldung (bitte mit Tel.Nr. für etwaigen Rückruf). …
Die am 3. März veröffentlichte Absage des Leitungskollektivs der Berliner Freidenker die öffentliche Diskussion betreffend, die mit Ken Jebsen zu dem Thema „Die drohende Kriegsgefahr und was wir dagegen tun können“ geführt werden sollte, verlangt nach Begründung, Erläuterungen und, wie wir meinen, auch Schlussfolgerungen.
1. Unsere Absage ist nicht freiwillig erfolgt. Es sind keinerlei bisher unbekannte Argumente aufgetaucht, die uns zu neuen Einsichten verholfen und in der Folge zur Änderung unserer Position bewogen hätten. Es ist in keiner Weise argumentiert worden, stattdessen wurde Druck aufgebaut.
2. Der Druck wurde organisiert auf der bekannten Webseite „indymedia“. Das Startposting strapazierte reflexartig aber offenbar frei von Sachkenntnis den Begriff „Querfront“. An dieses Posting schlossen sich 29 Kommentare an, 28 davon anonym. Aus der Anonymität heraus zu kommunizieren, genauer: Druck aufzubauen, gilt dort offensichtlich als normale Verhaltensweise.
3. Wir standen vor der Frage, der angedrohten Verhinderung der Veranstaltung entgegen zu treten. Sicherheitsmaßnahmen jedoch, die üblich sein mögen, wenn ein Enkel etwa von Frau v. d. L. durch die Muskauer Strasse gefahren wird, hatten für uns keinen Reiz. Das eigentliche Ziel der Veranstaltung wäre im Tumult auf der Strecke geblieben. Ganz abgesehen von den Belastungen für unsere Mitglieder und Gäste.
4. Am großen Thema und Ziel der nun abgesagten Veranstaltung halten wir gegen alle Widerstände mit aller Energie fest. Es sei hier noch einmal hervorgehoben:
„Thema: „Die drohende Kriegsgefahr und was wir dagegen tun können“
Diskussionsfragen: – „Grundlinien der US-amerikanisch-deutschen Mobilisierung gegen Russland“ – „Wer, was, wo ist die deutsche Friedensbewegung?“ – „Was können wir tun für den so notwendigen Aufschwung der Friedensbewegung?“
Alle unsere Diskussionen stellen wir in engen Zusammenhang mit den Aufruf:
„Sagt NEIN, ächtet Aggressionen, bannt die Weltkriegsgefahr!“ (Nein zur NATO) und den dringenden Appell:
„Multipolare Welt gegen Krieg“ (Für eine multipolare Koalition des Friedens)
Wir wünschen uns eine intensive, streitbare und auf die praktische Förderung der Friedensinitiativen gerichtete Diskussion.“
5. Diese unsere politische und Diskussionsorientierung vor Augen, sollte sich keiner der anonymen Eiferer (die sich „linksunten“ sehen) nunmehr als Sieger fühlen. Sie mögen glauben, für diesmal eine Diskussion verhindert zu haben, eine Diskussion, die sie eigentlich aus tiefstem Herzen begrüßen sollten. Ob der Eine oder die Andere bei all dem kämpferischen Gebaren nicht einmal ein Gefühl von Leere oder gar Schwäche erlebt? Ein Gefühl, gegen das der ruhige Austausch mit vernünftigen Menschen, die Linke sind oder auch mit vernünftigen Menschen, die keine Linken sind, hilfreich sein könnte?
6. Wir meinen nicht, dass „Anonyme“ und „Freidenker“ Kanonen aufeinander richten sollten. (Wenn Spatzen das machen, haben Andere ihr Gaudi.) Wir sollten miteinander reden, je zeitiger, je offener, je öffentlicher, umso besser. Wir haben oben unseren Themenvorschlag noch einmal hervorgehoben. Wir sind aber auch für andere Themenvorschläge offen.
Machen wir also aus der Absage mehr – ein Angebot, das sich auf die Zukunft richtet.
Wir wollen doch alle Zukunft oder?
Das Leitungskollektiv der Berliner Freidenker
Auf seinem Internetkanal „KenFM“ ist Ken Jebsen in verschiedenen Formaten im Gespräch. Manchmal bietet er auch Monologe und spricht dann oft sehr schnell, was ihm manche ankreiden. In den Gesprächen in Form von Interviews oder auch in den Gesprächsrunden mit vier Gästen, die „Positionen“ genannt werden, ist Ken Jebsen nicht der Hauptredner, sondern der dem Gespräch dienende Moderator. Er kann auch zuhören.
Die „Positionen“-Gespräche erstrecken sich über fast drei Stunden, und ich gestehe, dass ich es gestern zum ersten Mal geschafft habe, die jüngste Sendung, die vierte, von Anfang bis Ende zu verfolgen. „Positionen 4“ steht seit 19 Stunden bei Youtube und hat 28.285 Aufrufe. (Die „Positionen“ eins bis drei, die seit eins bis acht Monaten im Internet stehen, haben derzeit zwischen 600.000 und 200.000 Aufrufe.)
GesprächspartnerInnen waren Evelyn Hecht-Galinski, Rüdiger Lenz, Dr. Rainer Rothfuß und Gerhard Wisnewski. Das Thema war: „Kooperation oder Konkurrenz – Braucht der Mensch ein Feindbild?“
Alle Gesprächsteilnehmer hatte Ken Jebsen früher schon interviewt, und ein Skeptiker hätte erwarten können, dass zumindest phasenweise ein Einheitsbrei herauskommt. Diese Befürchtung wurde nicht wahr.
Ich war am Ende beeindruckt, welche geistige Vielfalt zum Ausdruck gekommen war. Aber Vielfalt ist ein zu schwacher Ausdruck. Es war geistige Wechselwirkung, geistige Auseinandersetzung, die sich manchmal bis zum geistigen Kampf steigerte. Was sich dort über die intensive Sachdiskussion hinaus an gruppendynamischem und sozialpsychologischem „Subtext“ entwickelte (und intensiv zu beobachten war und auch nachträglich weiter analysiert werden kann), war außerordentlich.
Vielleicht kann so der Mensch, bei aller Trostlosigkeit, die uns umgibt, geistig-moralisch vorankommen – sage ich mit aller Vorsicht.
Mensch muss selbst sehen und mitdenken, deshalb gehe ich nicht in die Einzelheiten. Nur das möchte ich doch hervorheben: Das Ergebnis wurde nur dadurch möglich, dass ein unverzichtbarer Grundsatz eingehalten wurde:
Keine Denk- und Sprechverbote!
Und eine kleine (für mich) Wichtigkeit am Rande: Keine solche Runde sollte ohne wenigstens eine/einen kompetente/n Teilnehmerin/Teilnehmer mit DDR-Sozialisation stattfinden. Es fehlt etwas Wichtiges, wenn Grundfragen menschlicher Existenz verhandelt werden und die 70 Jahre realsozialistischer Erfahrungen eines Gutteils der Menschheit unbeachtet bleiben.
Ich empfehle mit Wärme, in die „Positionen“ zu gehen.