Landesverband Berlin im
Deutschen Freidenker-Verband e.V.

Sonntag, 26. Juni 2016 von Webredaktion

Wort zum Sonntag #14 – heute u. a. von Ricken Patel (CIA?)

Sonntag, 26. Juni 2016 von Webmaster

Avaaz wurde vom Brexit alarmiert und hat eine fast zu Tränen rührende „Wertefanfare“ angestimmt. Was da losgelassen wurde, hätte Orwell neidisch gemacht.

Avaaz, das betrügerische „44-Millionen-Netzwerk“, dürfte Freidenkern hinreichend bekannt sein. Hier zum Nachlesen oder hier oder sehr ausführlich hier.

Bitte Herr Patel (er ist dort der Boss):

„Liebe Avaazer,

heute ist ein schmerzhafter und schockierender Tag für Großbritannien, Europa und unsere Welt (Webmaster: Na, na!)

Doch vielleicht brauchten wir diesen Moment in gewisser Hinsicht.

Der Fortschritt, den wir in unserer offenen, toleranten und vernetzten Welt erreicht haben, ist nicht selbstverständlich. Wir müssen ihn sorgsam und kontinuierlich pflegen. Die Institutionen, die uns verbinden (Webmaster: z. B. die NATO), müssen in unseren Herzen und Köpfen existieren. Sie dürfen nicht nur als bürokratische, zweckmäßige Instrumente dienen. Wir brauchen eine Ethik, einen Geist und eine Kultur des menschlichen Zusammenhalts (Webmaster: Und – nach Gauck – ohne Glückssüchtigkeit, dafür Todesbereitschaft.) Nur so können wir die dunklen Mächte unserer Vergangenheit – Nationalismus und Rassismus – unter Kontrolle halten.

Die Kampagne für den Verbleib Großbritanniens in der EU war stark von Angst und Eigeninteresse geprägt — wie viel Geld man damit verdienen oder verlieren könnte. Auf wunderbare Weise hat unsere Gemeinschaft Themen wie Liebe und Zusammenhalt in die Debatte eingebracht. Doch diesmal hat es nicht für den Erfolg gereicht. Eine Reihe von Journalisten und opportunistischen Politikern hat dazu beigetragen, 51.9 % der Menschen davon zu überzeugen, die EU für ihr Leid verantwortlich zu machen.

Doch wir dürfen jetzt nicht ins Wanken geraten. Dies ist nur eine von vielen Baustellen und diejenigen, die Angst und Spaltung schüren, haben Aufwind — von Nationalisten, die Europa zerstören, bis zu Donald Trump, der in den USA jahrelange Fortschritte gegen Rassismus (Webmaster: „rassistische Polizeitaktik mit einem unvorstellbaren Maß an Gewalt“) und für Zusammenhalt zunichte machen könnte. Wir müssen den Brexit zu einem Weckruf für unsere Bewegung machen. Zu einem Funken, der ein Feuer in uns entfacht — um das Projekt der Einheit und des Friedens (Webmaster: besonders erfolgreich vor Lampedusa oder Melilla) zu verteidigen und wieder aufleben zu lassen, das unsere Eltern und Großeltern so weise aus ihren eigenen schmerzhaften Erfahrungen heraus ins Leben gerufen haben.

Junge Menschen in Großbritannien haben mit überwältigender Mehrheit für Europa gestimmt, genau wie sie Trump und seinesgleichen ablehnen. Die Zukunft gehört uns, wenn wir diese Fackel lange genug tragen, um sie an künftige Generationen weiterzureichen. Fassen wir also Mut, um uns mit Hingabe für die Welt einzusetzen, von der wir alle träumen. Klickt hier, um eine Botschaft der Inspiration, Solidarität oder Hoffnung für die Zukunft zu teilen… 

—————————————–
Webmaster: Genug Mister Patel. Junge Leute, vielleicht klickt Ihr lieber bei Deolinda und ihrem Publikum 😛 :
„Ich verdiene zwar nichts, aber das finde ich ganz normal – wie blöd bin ich eigentlich?

Besonders toll fühle ich mich, wenn ich einen Praktikumsplatz finde. Wie blöd bin ich eigentlich?

Und wie blöd muss diese Welt sein, in der man, um zum Sklaven zu werden, einen Uni-Abschluss braucht?“
Quelle

Freidenker zum 75. Jahrestag des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion

Donnerstag, 23. Juni 2016 von Webmaster

Erklärung des Verbandsvorstands

(Hervorhebungen/Fettdruck durch den Webmaster)

Am 22. Juni 2016 gedenken wir der 27 Millionen Sowjetbürger, die beim Überfall der faschistischen Wehrmacht die Sowjetunion ihr Leben verloren.

Am 30. Januar 1933 hatte Reichspräsident von Hindenburg im Auftrag des monopolistischen Finanzkapitals die Regierungsgewalt in Deutschland an die Hitler-Faschisten übertragen. Die Verfolgung von Antifaschisten begann umgehend, ihre Organisationen wurden verboten: zuerst im März 1933 die Kommunistische Partei Deutschlands und der Deutsche Freidenker-Verband, die Gewerkschaften im Mai und die SPD im Juni 1933.

Die Aggression nach außen begann mit dem Raub der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei, beglaubigt mit dem „Münchner Abkommen“ vom 30. September 1938, gefolgt vom Überfall auf Polen am 1.September 1939, der allgemein als offizieller Beginn des 2. Weltkriegs gilt.

Der unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ seit Mitte 1940 vorbereitete Überfall auf die Sowjetunion musste aufgrund des Balkanfeldzugs ab 6. April 1941 verschoben werden, nachdem die Serben den Beitritt zum Dreimächtepakt verweigert hatten.

Am 22. Juni 1941 begann der Vernichtungskrieg mit dem Ziel der „Ausrottung des Kommunismus für alle Zeiten“ durch die „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und kommunistischen Intelligenz“.

Es war ein barbarischer, ein totaler Krieg, bis heute ohne Beispiel. Angesichts über 50 Millionen Toten, darunter China mit 13,5 Millionen und die Sowjetunion mit 27 Millionen, bekräftigen wir an diesem Tag: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“

Heute jedoch sind die Regierenden weit davon entfernt, die Lehren aus diesem verbrecherischen Krieg zu beherzigen:

Die USA, die NATO und die EU betreiben seit 1991 eine Politik der Einkreisung, Zurückdrängung und Destabilisierung Russlands. Mit dem Putsch in der Ukraine, ständigen Manövern und dem Vorrücken der NATO direkt an die russische Westgrenze wird eine Zuspitzung der unmittelbaren Konfrontation betrieben.

Das AEGIS-Raketensystem, stationiert auf vier Kriegsschiffen und landgestützt seit Juni 2016 in Rumänien sowie ab Herbst in Polen, verkürzt die Raketen-Vorwarnzeiten für Russland. 
Die USA wollen sich die „risikofreie“ nukleare Erstschlagfähigkeit sichern, indem ein Gegenschlag ausgeschaltet wird. Das irreführend „Raketenabwehrschild“ genannte AEGIS-System ist offensiv: Auf Knopfdruck von der US-Air Base Ramstein können die landgestützten Startvorrichtungen auch die seit 1987 verbotenen atomar bestückbaren Cruise-Mittelstreckenraketen abschießen, was eine neue Qualität der nuklearen Bedrohung nach Europa zurückbringt.

Russland bedroht kein Land in Europa und der Welt und setzt sich weltweit für kollektive Sicherheit ein. Es tut dies aus eigenem nationalem Interesse an der Entwicklung von Wirtschaft und Wohlstand, die durch Milliarden für ein neues Wettrüsten gebremst wird.

Seit Jahren versuchen uns die Medien im Dienste der Kriegstreiber, Russland und Putin als neue Feindbilder in die Köpfe zu hämmern. Das ist psychologische Kriegsvorbereitung.

Wir Freidenkern unterstützen die Aussage der Linksfraktion im Deutschen Bundestag:
„Sanktionen werden verhängt, die NATO ist mit Stützpunkten und Raketen und gigantischen Manövern an die russische Westgrenze vorgestoßen. Dem stellen wir uns entgegen: Macht uns Russland nicht zum Feind!“

Wir wissen: endgültig kann die Kriegsgefahr erst gebannt werden, wenn das Verursachersystem, der Imperialismus überwunden ist. Aber wenn jemand auf die sozialistische Weltrevolution warten will, könnte es zu spät werden. Angesichts der akuten Bedrohung des Friedens ist das Zusammenwirken aller, die gegen den Krieg sind, überlebenswichtig.

Am Krieg wie am Faschismus hat nur eine verschwindende Minderheit ein Interesse: das monopolistische Finanzkapital. Alle, die nicht dazu gehören, haben ein objektives Interesse an der Erhaltung des Friedens.

Deshalb begrüßen wir, wenn in dem Aufruf „Nicht in unserem Namen“ auch Politiker vor einem Krieg in Europa warnen, die bisher nicht als Anwälte des Friedens in Erscheinung getreten sind, wie Roman Herzog, Erhard Eppler, Antje Vollmer oder Hans-Jochen Vogel. Deshalb unterstützen wir diejenigen Stimmen, die einer Verschärfung der Konfrontation eine Absage erteilen, wie jüngst Außenminister Steinmeier oder Altkanzler Schröder.

Wir unterstützen die Feststellung von Willi Wimmer in Ramstein „Panzer vor die Tore der leidgeprüften Stadt Leningrad zu platzieren, ist das Perverseste, das man sich in Europa vorstellen kann“.

Wir Freidenker begrüßen ausdrücklich, wenn auch Bürgerliche, Vertreter des rechten politischen Spektrums, wenn Unternehmer für Vernunft und Verständigung in den Beziehungen zu Russland eintreten.

Und wenn das die „antideutschen“ Wortverdreher als „Querfront“ denunzieren wollen, ist das nur ekelhaft und der Verachtung wert – sie betreiben das Geschäft der imperialistischen Kriegstreiber!

Wir halten daran fest:

Gegen die bedrohliche Kriegsgefahr, gegen einen neuen Weltkrieg, gegen den unheimlichen Aufmarsch gegen Russland müssen über Partei- und Klassengrenzen hinweg alle Vernünftigen zusammenstehen und ihre Stimme erheben:

75 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion mahnen uns die Toten –
Versöhnung, Verständigung, Zusammenarbeit und Frieden mit Russland!

Die russische Frage (1)

Mittwoch, 22. Juni 2016 von Klaus Peter Kurch

Als Bruno Mahlow kürzlich bei den Berliner Freidenkern einen Vortrag über Russland hielt (neudeutsch: „einen hochkarätigen Vortrag“; sicherlich wird bald ein Videomitschnitt zu sehen sein) benutzte er eine mir altvertraute aber lange nicht gehörte Wendung: „Die russische Frage“. Bruno Mahlow erinnerte: „Plötzlich fanden sich 25 Millionen Russen außerhalb Russlands … das Weißbuch der Bundeswehr benennt Russland als Feind, wie den IS … Gehrke stellte auf dem Magdeburger Parteitag der Linken den Antrag, den 75. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion würdig zu begehen … nach dem Untergang der Sowjetunion, diesem „zivilisatorischen Rückschlag für die Menschheit“, gibt es sie wieder, „die russische Frage“.“

In meiner Sozialisation hat „die russische Frage“ frühzeitig eine Rolle gespielt. Als Heranwachsender fand ich die Formulierung interessant und zugleich geheimnisvoll. Ich konnte mir wenig darunter vorstellen. Mit 11, 12, Jahren begann ich Gorkis Romane und Erzählungen zu verschlingen (Mein Vater – Bau-Ingenieuer – war 1951 für gute Arbeit mit einem dicken Sammelband Gorki ausgezeichnet worden. Hier ist dieses Buch aus dem SWA-Verlag abgebildet.) Es war die Zeit der Stalinkult-Kriegsfilme. „Der Fall von Berlin“ riss mich mit, und es störte mich, dass mein Vater meine Begeisterung nicht teilte. (Mein erster, schwer beeindruckender Film war jedoch kein russischer –„Die letzte Etappe“ von Wanda Jakubowska (1948). Der ging in die persönlichen Grunderfahrungen ein.)

In Gesprächen geisterte ein Film aus noch früherer Zeit herum – „Die russische Frage“ nach Konstantin Simonow. Bereits 1947 hatte es eine gleichnamige Theateraufführung in Berlin unter der Intendanz Wolfgang Langhoffs gegeben. Der „Spiegel“ reagierte missvergnügt. In einer ausführlichen Besprechung „Der Fall Harry Smith“ vom 10.5.1947 haben bereits alle die Schreiber des Tages in den ideologischen Schützengräben Posten gefasst. 1947/48 „die russische Frage“ zu stellen, verletzte offensichtlich bereits ein Sakrileg. Das war knapp und speziell den Deutschen fasslich: Ami gut – Russe schlecht.

Wann waren die historischen Anfänge? Dämonisierung des „asiatischen Ostens“ bereits seit dem 15. Jahrhundert. Karl Marx spricht 1853 von der russischen Frage, doch, wie mir scheint, eher zufällig und in untergeordneter Bedeutung. Der alte Bebel erklärte bekanntlich noch 1907 seine Bereitschaft, im Rock des Kaisers gegen den Zaren, also den russischen Imperialismus, zu kämpfen. Den Sozialdemokraten blieb 1914 der Rock des Kaisers. Und vom Zarenreich im Osten blieb viel Weizen, viel Öl und viel, viel verlockender Lebensraum. Eine besondere russische Frage aber wurde damals meines Wissens im Westen noch nicht formuliert. Wohl aber von den Russen selbst. Einer fragte bereits 1863 „Was tun?“, und ein Zweiter stellte 1902 mit großem Nachdruck dieselbe Frage…

Langsam wird es verwirrend: Die Russen stellen sich selbst die „russische Frage“ und das offensichtlich wiederholt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt stellt sich im Westen (oder in der ganzen Welt?) jedenfalls aber in Deutschland die „russische Frage“. Schließlich bekenne ich, dass es für mich persönlich eine „russische Frage“ gibt. Was mag das Verbindende dieser verschiedenen Blickwinkel sein? Darüber nachgrübelnd stoße ich darauf, dass es die Revolution ist. Nein, nicht die Revolution allein, sondern ein Dreieck mit den Seiten: Revolution – Frieden – Faschismus. Und es stellt sich der bedrückende Gedanke ein, dass das deutsche Volk noch nie in einer Revolution oder wenigstens in einem großen Volkskrieg gesiegt hat.

Es scheint, dass die russische Frage uns seit etwa 100 Jahren verfolgt. Steht sie etwa heute wieder im Raum? Der Elefant, der im Mediennebel verschwindet? Wir sollten die Augen offen lassen, und wir sollten nicht aus dem Raum flüchten.

Das da ist wohl keine gute Antwort:

Wort zum Sonntag #13 – Hagen Rether „Europäische Werte“

Sonntag, 19. Juni 2016 von Webredaktion

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